Ängste müssen ernst genommen werden

Klassenfahrten in Zeiten des Terrors: Noch ist London nicht tabu

Berlin, London oder Paris sind beliebte Ziele für Klassenfahrten. Zumindest waren sie es, bevor Terroristen in diesen Städten zuschlugen. Das schürt Ängste – auch bei Schülern und Eltern im Landkreis. Lehrer gehen auf die Befürchtungen ein. Von Panik halten sie jedoch nichts.

Landkreis – Die Nachrichten verfolgen Tobias Schürmer, Direktor des Werdenfels-Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen, und die Lehrkräfte momentan ganz genau. Auch der Blick auf die Homepage des Auswärtigen Amts gehört zur täglichen Routine. Im Speziellem haben er und die Kollegen Großbritannien im Blick. Grund dafür ist eine geplante Studienreise nach London Anfang Juli. Beim kleinsten Gefahrenhinweis müsste diese abgesagt werden, betont Schürmer und stellt klar: „Da gibt’s keine Diskussion.“

Die Erinnerungen an vergangenes Jahr, als Schüler des Werdenfels-Gymnasiums beim Terror-Anschlag in Nizza vor Ort waren, sitzen tief. „Es war ein Schock“, sagt der Direktor. Ein Trauma, das bei Nachrichten von Anschlägen – wie vor wenigen Wochen in Manchester – erneut auflebt. „Die Flüge nach London wurden vor dem Attentat gebucht“, betont Schürmer. Ängste von Eltern und Schülern aufgrund der jüngsten Geschehnisse kann er verstehen. Aus diesem Grund darf man bei Bedenken auch von der Reise zurücktreten. Ein entsprechender Brief wurde vergangene Woche verschickt. Ein alternatives Reiseziel zu London gibt es bereits.

Das Vorgehen der Schulleitung entspricht den Empfehlungen des Kultusministeriums. „Es wird dringend geraten, sich zur Lageentwicklung über die Medien und die Reisehinweise informiert zu halten“, heißt es in einem Schreiben der Pressestelle. Darüber hinaus empfiehlt das Ministerium, „im Gespräch gemeinsam mit Eltern und Schülern einvernehmlich über eine mögliche Schulfahrt zu entscheiden“.

Viele Gespräche darüber, wohin es in diesem Jahr auf Studienfahrt gehen soll, hat auch Otmar Würl, Direktor des St.-Irmengard-Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen, mit Lehrern und dem Elternbeirat geführt. Angesichts der angespannten Situation habe man sich dazu entschieden, in keine großen Städte zu reisen. Die Schülerinnen fahren nach Dublin, Lissabon und ans Ijsselmeer in den Niederlanden. „Dort gehen sie traditionell zum Segeln“, sagt Würl. Er findet es wichtig, die Sorgen der Eltern und der Schüler ernst zu nehmen. „Wir versuchen, mit dem Thema vorsichtig und sensibel umzugehen und uns an die Angaben des Kultusministeriums zu halten.“ Genauso sieht es Schulleiter Josef Holzmann vom Murnauer Staffelsee-Gymnasium.

In den Realschulen des Landkreises ist die Terrorgefahr in großen europäischen Städten ebenfalls Thema. Die Abschlussfahrt der zehnten Klassen nach Südfrankreich wurde Direktorin Angelika Dahner zufolge im vergangenem Jahr abgesagt. „Nach dem Anschlag in Nizza war es uns zu gefährlich“, betont sie. Bei den Abschlussfahrten im September begebe man sich „lieber nicht in größere Städte“. Italien steht auf dem Reiseplan. Eine Gruppe der Zehntklässler fährt nach Elba, eine andere in die Toskana. Lehrer sind angehalten, Plätze mit Menschenmassen zu meiden.

An der Zugspitz-Realschule in Garmisch-Partenkirchen und an der Murnauer Realschule werden größere Städte nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die Murnauer Zehntklässler fahren heuer nach Wien und Kroatien, die Garmisch-Partenkirchner nach Hamburg, Prag und an die Adria. „Das konnten sich die Schüler aussuchen“, sagt Direktorin Regina Spitzer von der Zugspitz-Realschule. Sie hält nichts von Panik. „Die gibt es bei uns an der Schule auch nicht – ich bin sehr froh drum“, sagt sie. Selbstverständlich gehe Sicherheit vor: „Es bringt uns aber nichts, wenn wir in diesen Zeiten in Hysterie verfallen.“

Magdalena Kratzer

Rubriklistenbild: © dpa Symbolbild

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