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Zu hoher Schnee: Bergwacht befreit Kletterer aus prekärer Lage an der Zugspitze

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Grainauer Bergwacht muss zwei Bergsteiger aus der Kletterroute „Eisenzeit“ retten. Die winterlichen Verhältnisse wurden ihnen zum Verhängnis.

Grainau – Das gute Wetter hat ihnen in die Hände gespielt, der Hubschrauber konnte fliegen – zum Glück. Denn diese Bergtour hätte ansonsten durchaus dramatisch enden können. Am Dienstag mussten die Kameraden der Grainauer Bergwacht zwei in Not geratene Kletterer aus der anspruchsvollen Route „Eisenzeit“ retten. Das Paar aus Deutschland unterschätzte scheinbar die winterlichen Bedingungen im Zugspitz-Gebiet. Dank des schnellen Eingreifens der Retter und der verhältnismäßig milden Temperaturen kamen die Alpinisten am Ende des Tages mit dem Schrecken davon.

Hilfe in Sicht: Ein Kamerad der Grainauer Bergwacht hat die Verstiegenen im Schneefeld erreicht. Da oben liegen noch etwa drei Meter Schnee. Willi Kraus über die winterlichen Verhältnisse im Zugspitz-Gebiet
Hilfe in Sicht: Ein Kamerad der Grainauer Bergwacht hat die Verstiegenen im Schneefeld erreicht. Da oben liegen noch etwa drei Meter Schnee. Willi Kraus über die winterlichen Verhältnisse im Zugspitz-Gebiet © bergwacht

Die beiden sind solide ausgerüstet gewesen und rechtzeitig gestartet. Doch dürften sie laut Grainaus Bereitschaftsleiter Willi Kraus schon früh in der Route die Orientierung verloren haben. Als Kraus und seine Kameraden am Dienstag gegen 17.30 Uhr alarmiert wurden, suchten die Retter mit dem Hubschrauber zuerst die Wand ab, um zu lokalisieren, wie weit die in Not geratenen Personen bereits vorgedrungen waren. „Am Tunnelfenster IV waren keine Spuren im Schnee auszumachen“, sagt Kraus. Somit mussten sie schon relativ am Anfang irgendwo über das Bayerische Kar aufgestiegen sein – zu weit rechts der eigentliche Route.

Kürzlich hat die Bayerische Zugspitz-Bahn nach Sturmschäden ihr weltberühmtes Gipfelkreuz auf Deutschlands höchsten Berg reparieren lassen.

Kletterduo kommt bis auf 2600 Höhenmeter - und bleibt dann stecken

Gegen Abend kam das Paar zwar noch recht weit auf über 2600 Höhenmeter – doch im steilen Schuttfeld vor der sogenannten schwarzen Wulst, die hinauf zur Schlüsselstelle „Finger“ führt, blieben die beiden erschöpft im Schnee stecken und kamen nicht mehr weiter. „Es hatte selbst um die Uhrzeit noch zehn Grad da droben“, erklärt Kraus. Die Folge: Der Schnee war sumpfig. „Da oben liegen noch etwa drei Meter“, sagt Kraus. „Der Schnee war vollkommen durchnässt und weich.“ Der Durchstieg war dadurch sehr beschwerlich und kräfteraubend.

Der Rettungshubschrauber Christoph Murnau brachte zwei Bergretter zu den Verstiegenen. In zwei Windengängen konnten die Personen abgeholt werden. Gegen 18.45 Uhr beendete die Bereitschaft ihren Einsatz. Die Bergsteiger kamen erschöpft, aber heil im Tal an.

Bergwacht warnt aktuell vor winterlichen Verhältnissen im Zugspitz-Gebiet

„Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass in höheren Lagen, besonders im Gebiet rund um die Zugspitze, noch mit massiven Schneemengen zu rechnen ist.“ Auch beim beliebten Klettersteig durchs Höllental „sind weder Seile noch Wegspuren zu erkennen“, mahnt der Bereitschaftsleiter. Von einer Besteigung „wird von unserer Seite deshalb dringen abgeraten“.

Die Kletterroute „Eisenzeit“ gilt als eine der spektakulärsten im Alpenraum – unter Kennern wird sie auch „Eiger-Nordwand-light“ genannt. Sie führt von der Talstation Eibsee aus durch die Nordwand auf die Zugspitze (2962 Meter). Zwischen 2013 und 2016 ist sie angelegt worden. Erstbesteiger waren Michael Gebhardt, Till Rehm und Karen Thirlwell.

Zwar finden sich zahlreiche Beschreibungen der Route im Internet. Doch müssen strategisch wichtige Punkte genau eingehalten werden. „Es empfiehlt sich erst dann weiterzusteigen, wenn die markanten Punkte gefunden wurde“, sagt Kraus. Denn die Wand ist trügerisch: Es scheint auf dem ersten Blick überall ein Durchkommen möglich, aber abseits der Route gelangt man schnell in eine Sackgasse, maßlos brüchigem Schutt oder in Schneefelder.

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