Saubere Energie: In Garmisch-Partenkirchen wird bereits einiges für den Klimaschutz getan. Zum Beispiel betreiben die Gemeindewerke die Photovoltaikanlage Lachen.
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Saubere Energie: In Garmisch-Partenkirchen wird bereits einiges für den Klimaschutz getan. Zum Beispiel betreiben die Gemeindewerke die Photovoltaikanlage Lachen.

Grüne wollen klimaneutrale Verwaltung bis 2030

Klimaschutz: Auf dem Weg zur grünen Null

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Ob Kommunen oder Unternehmen – wer es nicht schon ist, will es in den nächsten Jahren werden: klimaneutral. Garmisch-Partenkirchens Grüne nehmen jetzt auch das Rathaus in die Pflicht, unterm Strich keine Treibhausgase zu verursachen. Bis 2030, so die Forderung, soll die Verwaltung so weit sein – ein ambitioniertes Ziel.

Garmisch-Partenkirchen – Klimaneutralität ist derzeit in aller Munde. Wer den Begriff googelt, erhält um die zwölf Millionen Treffer. In fast allen Lebensbereichen gibt es inzwischen Alternativen, die versprechen, keine klimaschädlichen Emissionen zu verursachen – oder diese durch Investitionen in erneuerbare Energien zu kompensieren. Die wichtigsten Stellschrauben, um Treibhausgase zu vermeiden und damit die Erderwärmung zu begrenzen, liegen in den Bereichen Mobilität, Wohnen und Ernährung. Städte und Gemeinden machen sich mittlerweile auf den Weg zur grünen Null. Im Landkreis nimmt dabei Murnau eine Vorreiterrolle ein.

Kommunen haben Vorbildcharakter

Wenn es nach den Grünen geht, sollte Garmisch-Partenkirchen folgen – und bis 2030 eine klimaneutrale Verwaltung erreichen. Einen Antrag dazu hat die Fraktion der Öko-Partei eingereicht. „Kommunen haben hier einen Vorbildcharakter. Nur wenn die Bürger sehen, dass die öffentliche Verwaltung mit gutem Beispiel vorangeht, steigt die Bereitschaft, auch an seinem eigenen Handeln etwas zu verändern“, heißt es in dem Papier. Zwar habe sich der Markt mit dem Beitritt zur Bürgerstiftung Energiewende Oberland zum gemeinsamen Ziel bekannt, bis 2035 frei von fossilen Energien zu werden. Jedoch: „Bisher wurden nur wenige steuernde und richtungsweisende Maßnahmen seitens der Kommunalpolitik für den Klimaschutz unternommen“, lautet die Kritik.

Das Ganze ist nicht einfach. Denn so ziemlich alles hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck. Mit einzelnen Aktionen komme man daher nicht weiter, ist Fraktionschef Dr. Stephan Thiel überzeugt. Sein Credo: „Es geht um den großen Rahmen.“ Man brauche nach einer Bestandsanalyse ein Konzept, einen Masterplan, dessen Schritte genau nachvollziehbar und überprüfbar sind.

Stellt sich nur die Frage: Kann das in den verbleibenden neun Jahren überhaupt noch gelingen? Thiel meint: Ja. „Das ist schwierig, aber machbar.“ Doch ohne Fachpersonal wird es seiner Meinung nach nicht funktionieren. „Wir brauchen eine verantwortliche Person im Rathaus, die das in die Hand nimmt“, findet der Gemeinderat – und denkt dabei an „eine Art Klimamanager“.

Photovoltaikanlagen der Gemeindewerke

Beim Projekt Klimaneutralität steht die Verwaltung mit ihren Tochterunternehmen nach Einschätzung Thiels erst ganz am Anfang. Natürlich sei bereits einiges unternommen worden, räumt er ein. Zum Beispiel betreiben die Gemeindewerke rund 30 Photovoltaikanlagen, die jedes Jahr über drei Millionen Kilowattstunden Öko-Strom erzeugen. „Die sind auf dem richtigen Weg“, sagt der Grünen-Chef anerkennend. Doch auch die Gemeinde-Verwaltung müsse ihren Beitrag leisten. Solarmodule könnten auf vielen weiteren öffentlichen Gebäuden entstehen, etwa auf dem Rathaus oder auf Schulen.

Doch es dreht sich nicht nur um die Sonnenenergie. An Ideen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu drosseln, mangelt es nicht. Thiel denkt unter anderem an den Fuhrpark, den man – soweit möglich – auf umweltschonendere Modelle, etwa mit Elektro- oder Wasserstoff-Antrieb, umstellen könne. Die Liste lässt sich fortsetzen: Auch bei Bauvorhaben und Sanierungen oder beim Beschaffungs- und Vergabewesen, um weitere Beispiele zu nennen, ließe sich der Klimaschutz stärker gewichten.

Eigentlich sollte der Grünen-Vorstoß in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats behandelt werden. Doch das Thema wurde auf Wunsch von Thiel und seinen Mitstreitern vertagt, um in Coronazeiten die ohnehin schon dichte Tagesordnung zu entlasten. Nun soll die grüne Herzensangelegenheit zum nächsten Termin aufs Tapet kommen.

Die Signale aus dem Rathaus klingen positiv, wie aus der Beschlussvorlage hervorgeht. Tenor: Auf dem Weg zum Ziel Klimaneutralität würden bereits große Anstrengungen betrieben. Dazu zählen, um nur einige Bemühungen aufzuführen, Dienstfahrten mit dem Fahrrad und der Bahn, die Anschaffung von Gas- oder Elektrofahrzeugen, energiesparendes Bauen sowie die Nutzung des Fernwärmenetzes der Gemeindewerke. Als eine Art Richtschnur bietet sich nach Ansicht der Behörde ein Maßnahmenprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit an.

Einen eigenständigen Klimaschutz-Beauftragten habe man zwar bisher noch nicht, berichtet das Rathaus in dem „Sachvortrag“ für die Gemeinderäte. „Dies wird aber zunehmend ein Thema innerhalb einer Verwaltung“, ist darin zu lesen. Im Bauamt sei allerdings eine Fachstelle angesiedelt, die sich mit Umweltthemen beschäftigt.

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