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Keine christlichen TV- und Radio-Sender am Krankenbett

Klinikum bleibt bei der Religion neutral

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Es wird auch in Zukunft im Klinikum Garmisch-Partenkirchen keine christlichen TV- und Radio-Sender geben, die am Krankenbett empfangbar sind. Kirchenmusiker Jochen Kuhleber, der einen Vorstoß in diese Richtung wagte, hält das für einen Missstand.

Landkreis – Einen langen Atem hat Jochen Kuhleber – und vor allem einen festen Glauben. Kuhleber (75) ist Christ, katholischer Christ. Lange Jahre war er evangelisch. Dann ist er konvertiert. „Aus großer Überzeugung.“ Wenn er etwas als richtig ansieht, dann setzt er sich ein. Ein Beispiel: 2014, als der Flüchtlingsstrom begann anzuschwellen, erteilte Kuhleber gemeinsam mit seiner Frau Erika im ehemaligen Garmisch-Partenkirchner Altenheim St. Vinzenz Frauen, Männern und Kindern aus dem Kongo, Guinea, Irak, Eritrea und Afghanistan Deutsch-Unterricht. Schon allein deshalb steht Kuhleber, der weiter privat Ausländern Deutsch lehrt, nicht im Verdacht, Menschen aus fremden Kulturkreisen und deren Religion nicht aufgeschlossen oder gar feindselig gegenüber zu stehen.

Als Landrat Anton Speer (Freie Wähler) die Einrichtung besuchte, nutzte Kuhleber die Gelegenheit, etwas anzusprechen, das ihm auf der Seele brannte und noch immer brennt. Im Klinikum Garmisch-Partenkirchen, weiß Kuhleber aus eigener Erfahrung und aus Gesprächen mit Freunden, die dort Patienten waren, fehlt ein christlicher Sender. Es gibt kein Angebot – weder im Radio noch im Fernsehen. „Der Landrat, er ist immerhin Vorsitzender des Klinikum-Aufsichtsrats, hat mir zugesagt, sich darum zu kümmern und es prüfen zu lassen“, sagt Kuhleber.

Weil sich nichts tat und er nichts hörte, ist der Mann, der eigentlich Floristikmeister ist und der seit 1975 in Garmisch-Partenkirchen lebt („der Ort hat sich verändert, nicht zu seinem Vorteil“) , vor einigen Wochen im Landratsamt vorstellig geworden. Er bat um einem Termin bei Speer, um sein Anliegen erneut vorzubringen. Der Landrat weile in Brüssel, sagte der freundliche Mitarbeiter und versprach, seinen Chef über Kuhlebers Besuch zu informieren. „Herr Speer hat die Anfrage an das Klinikum weitergeleitet. Er will sich aber nicht in das operative Geschäft einmischen“, erklärt Landratsamt-Sprecher Stephan Scharf auf Tagblatt-Anfrage.

Beim Klinikum sieht man keine Veranlassung, auf Kuhlebers Vorschlag zu reagieren oder ihn gar umzusetzen. „Wir sind kein christlich geführtes Haus und werden uns auch künftig beim Angebot von TV-Sendern Religions-neutral verhalten“, antwortet Klinikums-Sprecherin Gudrun Stadler. „Wenn wir christliche Sender einspeisen, müssten wir auch moslemische, jüdische, russisch-orthodoxe und so weiter zur Verfügung stellen.“ Nachdem in den vergangenen Jahren lediglich eine Beschwerde eingegangen sei, geht man Stadler zufolge davon aus, „dass unsere Patienten mit den empfangbaren Sendern zufrieden sind“. Zudem biete man über den Patienten-Info-Kanal alle katholischen und evangelischen Gottesdienste an, die in der Krankenhaus-Kapelle stattfinden. „Jeder Patient kann sie vom Zimmer aus verfolgen“, macht Stadler deutlich.

Kuhlebers Meinung ist eine andere. Er sagt, das Klinikum messe mit zweierlei Maß. Der Kirchenmusiker verweist darauf, dass der arabische Nachrichten-Kanal Al Jazeera sehr wohl religiöse Inhalte verbreite, aber dennoch zum Programmangebot gehöre. Ein Freund, den er kürzlich am Krankenbett besucht hatte, machte ihn darauf aufmerksam. „Das ist doch ein Missstand“, sagt Kuhleber. Als Pendant könnte er sich Radio Horeb, das aus Balderschwang im Allgäu sendet, vorstellen. „Es bietet das richtige Programm mit einer christlichen und katholischen Ausrichtung“, erklärt er im Brustton der Überzeugung.

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