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Man sieht deutlich, wer hier der Mann im Haus ist: Tim (r.) kam mit 1250 Gramm auf die Welt und wiegt jetzt 2600 Gramm, die Schwestern brachten jeweils knapp 800 Gramm auf die Waage, mittlerweile sind es immerhin je zwei Kilo.

Drillinge wogen bei Geburt unter 1250 Gramm

Drei kleine Riesen im Klinikum

Tim, Luise und Lara kamen zehneinhalb Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt. Als die Drillinge im Klinikum Garmisch-Partenkirchen aufgenommen wurden, wogen die Mädchen wenig mehr als 900 Gramm. Seit vier Wochen werden die Frühchen nun aufgepäppelt und entwickeln sich prächtig.

Garmisch-Partenkirchen – „Dass so kleine Drillinge in unser Haus kommen, ist sehr selten“, sagt der Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin Dr. Clemens Stockklausner. Er beugt sich zu Luise und Lara hinab, die noch immer auf der Frühchen-Intensivstation liegen, während ihr Bruder Tim seit einer Woche bei seiner Mama im Krankenzimmer sein darf. Das Personal kann den Kindern förmlich beim Wachsen zuschauen. Ihre Gewichtszunahme ist für den Mediziner täglich Anlass zur Freude: „Erst war da eine Handvoll Mensch. Jetzt ist jedes schon ein kleiner Riese.“

Täglich Anlass zur Freude: die Drillinge in der Neugeborenen-Intensiv-Station auf dem Arm von Mama Sylvia Schug und Chefarzt Dr. Clemens Stockklausner.

Geboren wurden die Drei am 23. Januar im Klinikum Großhadern. Tim war mit 1250 Gramm der Stärkste, Luise und Lara brachten nur 790 beziehungsweise 780 Gramm auf die Waage. Großhadern ist spezialisiert auf die allerkleinsten Frühgeburten. Wegen Überlastung hat das Münchner Klinikum schließlich Stockklausner gefragt, ob er die Drillinge übernehmen kann. In der Zwischenzeit waren diese auch stabil genug für eine Verlegung. „Garmisch-Partenkirchen hat die zweithöchste Versorgungsstufe“, erklärt der Chefarzt. „Wir nehmen aber eigentlich erst Kinder ab 1250 Gramm.“ Tim, Luise und Lara haben ihm kaum Probleme bereitet: „Sie sind fit.“ Auf der Intensivstation bekommen die Mädchen noch Sauerstoff und Unterstützung beim Atmen. Auch die Magensonde leistet wertvolle Dienste, weil den Babys die Muskelkraft zum Saugen fehlt.

All das hätten Jan und Sylvia Schug aus Geretsried ihren Kindern gerne erspart. „Aber man hat es ja nicht in der Hand“, sagt die Sozialpädagogin (30). Seit sie wussten, dass sie Drillinge erwarten, gingen sie durch ein Wechselbad der Gefühle. Da war Freude, Angst und Respekt. „Die Ärzte haben uns darauf vorbereitet, dass sie aller Erfahrung nach mindestens um sechs Wochen zu früh kommen“, erzählt Sylvia Schug. Ab der 20. Woche verfolgte Großhadern alle 14 Tage via Ultraschall die Entwicklung der Kinder.

Als die werdende Mutter nach Weihnachten an Grippe erkrankte und Fieber bekam, blieb sie gleich stationär in der Klinik. Alle zwei Tage wurde mit Ultraschall überprüft, wie es dem Nachwuchs geht. Dann spitzte sich die Lage zu. Sylvia Schug litt an starkem Husten. Eine Fruchtblase platzte. Verdacht auf Schwangerschaftsvergiftung. Die Geburt wurde eingeleitet. Nach 29 Wochen plus drei Tagen Schwangerschaft. Per Kaiserschnitt kamen die Kinder zur Welt. Hinter dem Ehepaar lagen vier Wochen von Bangen und Hoffen. Ob die Ärzte sagen, dass die Schwangerschaft nicht fortgeführt werden kann. „Man hätte zwei, drei Wochen länger schaffen wollen“, sagt Sylvia Schug. „Wir wussten ja, dass es den Kindern umso besser geht, je länger sie im Bauch bleiben.“ Am schlimmsten hat sie in Erinnerung, dass sie und ihr Mann die Drillinge nach der Geburt drei Tage lang nicht sehen durften. Um wegen der Grippe jede Ansteckungsgefahr zu vermeiden.

Dann der Schock, als sie ihre Drei zum ersten Mal zu Gesicht bekamen. Wie schwach sie waren. Und doch sind die Eltern dankbar: Keines musste künstlich beatmet werden. Stundenlang saß Sylvia Schug vor den Brutkästen: „Man kann als Mutter ja sonst nichts tun.“ Drei Wochen nach der Geburt wurden Tim, Luise und Lara nach Garmisch-Partenkirchen verlegt. Ihre Mama zog in ein Elternzimmer und konnte die Gewichtszunahme verfolgen. Tim wiegt jetzt 2600 Gramm, seine Schwestern bringen es immerhin auf zwei Kilo.

Im Klinikum fühlen sich die Schugs bestens aufgehoben, „Jeder hat ein offenes Ohr, medizinisch und menschlich. Man gibt uns Halt, nimmt uns Stress.“ Mit Hilfe des Fachpersonals haben Jan und Sylvia Schug ihre Kinder schon gebadet. Die Mitarbeiter unterstützen sie mit Tipps und Tricks. Die sind, wenn man die Herausforderung mit dem Trio daheim meistern will, höchst willkommen.

Wenn die Drillinge selbstständig atmen können, vermutlich um den rechnerischen Geburtstermin am 9. April herum, dürfen die kleinen Patienten nach Hause. Auch wenn die Wochen im Krankenhaus nur so verfliegen: Sylvia Schuch freut sich jetzt schon darauf, „als Familie in den Alltag hineinzuwachsen“.

Eva Stöckerl

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