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Station 4a, Allgemein- und Gefäßchirurgie: der Arbeitsplatz von Katrin Jülich . 

Krankenschwester spricht Tacheles

Klinikum: Pflegepersonal wird aufgestockt

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Was in jedem Krankenhaus zählt, ist das Geld. Heute mehr denn je. Die Gesundheit ist ein großes Geschäft. Das Klinikum Garmisch-Partenkirchen schreibt seit mehreren Jahren schwarze Zahlen. Durch Umschichtung der Kosten wird jetzt das Personal in der Pflege aufgestockt.

Landkreis – Er hat sie am eigenen Leib erfahren: die Leistungsfähigkeit seiner Ärzte und des Pflegepersonals. Bernward Schröter (64), Geschäftsführer des Klinikums Garmisch-Partenkirchen, ließ sich bei den Spezialisten von endogap am Knie operieren. Er will fit sein, wenn er in seinem Urlaub gemeinsam mit seiner Frau zu Fuß Afrika erkundet. Der Patient Schröter hörte sie um, besuchte auf Krücken inkognito andere Patienten in ihren Zimmern. Was er erfuhr? „Die meisten waren sehr zufrieden“, sagt er. „Das deckt sich mit unseren Befragungen.“

Was gut ist, kann natürlich immer noch besser werden. Katrin Jülich (47) weiß, wo im Klinikum der Schuh drückt, wo nicht alles Gold ist, was glänzt. Die blonde Frau, die seit 24 Jahren als Krankenschwester arbeitet und in Mittenwald zu Hause ist, setzt sich für mehr Personal ein. Jülich traut sich. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, auch nicht im Beisein von Schröter. Was, gelinde gesagt, eine gehörige Portion Zivilcourage erfordert, neben seinem Chef zu sitzen und darauf hinzuweisen, dass es im pflegerischen Bereich an Personal fehlt. „Ich habe das immer vehement angesprochen. Ich sage, was ich denke, ich bin geradlinig.“ Schröter nennt sie „eine Botschafterin für die Pflege“. Solche Frauen braucht der Berufsstand, der viel leistet – häufig über die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit hinaus. „Pflege kann unheimlich viel Spaß machen“, sagt Jülich.

Die Station 4a, Allgemein- und Gefäßchirurgie, verfügt über 50 Betten, die die meiste Zeit des Jahres belegt sind. Um die Kranken und Operierten kümmern sich 16 Pflegekräfte, davon vier in Teilzeit. Ihnen assistieren drei Service- und zwei Organisations-Mitarbeiter. Jülich fordert vor allem eine Entlastung durch ein Mehr an Personal bei den Hilfsdiensten. Leute, die Betten machen oder Blutdruck messen. Und sie wünscht sich, dass die Zusammenarbeit mit den Ärzten „noch besser Hand in Hand geht. Passiert das, dann können wir qualitativ noch hochwertiger pflegen.“

30 Stellen mehr

Was in jedem Krankenhaus zählt, ist das Geld. Heute mehr denn je. Die Lebensretter und die großen Operateure arbeiten alle nicht nur für ihre Patienten, sondern auch für die Klinikbilanz. Die Gesundheit ist ein großes Geschäft. Ein Geschäft, das in Garmisch-Partenkirchen gut läuft. Besser als anderswo. Manche würden sich sogar dazu hinreißen lassen zu behaupten, es brummt. Das Geschäftsjahr 2016, das erste, für das Schröter alleinverantwortlich zeichnet, wies erneut einen Gewinn von über zwei Millionen Euro aus. Kommunale Krankenhäuser in den Nachbarlandkreisen schreiben hingegen rote Zahlen. Der Überschuss, den Schröter für 2017 erwartet, „bewegt sich in einem ähnlichen Bereich“. Seine Aufsichtsräte bekniet er in jeder Sitzung, diesen Gewinn nicht anzutasten. „Ich sage immer: Geht da ja nicht ran. Wir brauchen das Geld.“

Der Geschäftsführer hat damit Spielraum, um in Geräte, Steine und Menschen zu investieren. Doch nicht nur deshalb. Schröter liegt daran, Abläufe zu optimieren. „Da steckt noch viel Potential drin.“ Er schichtet auch um. Bislang beschäftigte das Klinikum freie Pflegekräfte und wandte dafür rund eine Million Euro auf. Diese Summe stellt Schröter nun für fest angestelltes Personal zur Verfügung und stockt den Bestand der rund 500 pflegenden Mitarbeiter um rund 30 auf. Damit ist das Klinikum als kommunales Krankenhaus weit besser aufgestellt als die private Konkurrenz. Ein Haus gleicher Größe wie das an der Auenstraße 6 in Garmisch-Partenkirchen kommt im Schnitt mit rund 80 bis 100 Schwestern und Pflegern weniger aus.

Qualitätsverbesserung bei medizinischer Versorgung

Das Klinikum ist mit rund 1350 Beschäftigten nach der Berufsgenossenschaftlichen (BG) Unfallklinik Murnau der größte Arbeitgeber im Landkreis. Die Zusammenarbeit mit Murnau hat Schröter weiter intensiviert. Das Bündnis, das seit zehn Jahren besteht, gilt als Vorzeige-Modell. Der Schulterschluss, darüber sind sich beide Partner einig, bedeutet eine hohe Qualitätsverbesserung für die medizinische Versorgung in der Region. „Zusammen mit der BG sind wir wie ein Maximalversorger“, sagt Schröter. Das Klinikum zog bekanntlich mit seiner internistischen Abteilung vom alten Murnauer Gemeindekrankenhaus ins UKM. Diese Station (rund 70 Betten) ist in dem kürzlich eingeweihten Neubau angesiedelt. Die Fläche wurde langfristig für 30 Jahre gemietet.

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