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Das Objekt der Freude für Dr. Thomas Händl (l.), Chefarzt der Zentralen Notaufnahme, und von Radiologie-Chefarzt Dr. Gerhard H. Simon ist der neue „Corona-Computertomograf“.

Versorgung auf dem neuesten Stand

Klinikum rüstet auf: Corona-Patienten profitieren von den Entwicklungen

  • Peter Reinbold
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Das Klinikum Garmisch-Partenkirchen rüstet weiter auf, um gerüstet zu sein. Die Zentrale Notaufnahme wird ausgebaut und ein Corona-Trakt errichtet. Herzstück ist ein Computertomograf, der speziell für Covid-19-Patienten bestimmt ist. 

Garmisch-Partenkirchen – Die Tage von Bernward Schröter sind gezählt. Der Geschäftsführer des Klinikums Garmisch-Partenkirchen verabschiedet sich am 31. Oktober in den Ruhestand. Er könnte seine Restzeit auf dem Chefsessel ausklingen und die Zügel schleifen lassen. Seine Art ist das nicht. Eine Lame Duck („lahme Ente“) zu sein, so bezeichnet man Politiker, die noch im Amt sind, aber die Wahl verloren haben und deshalb handlungsunfähig sind, widerspricht Schröters Auffassung, eine Führungsposition auszufüllen. Er schiebt weiter an und unternimmt alles, um das 1558-Mitarbeiter-Haus an der Auenstraße 6 fit für die Zukunft zu machen und seinem Nachfolger Frank Niederbühl ein bestelltes Haus zu übergeben. Es dürfte ihm gelingen. Er verteilt Abschiedsgeschenke.

Dafür spricht: Schröter hat großen Investitionen den Weg geebnet. Die Notaufnahme wird derzeit für 3,63 Millionen vor allem baulich auf den medizinisch notwendigen Stand gebracht. 30 bis 40 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren in weitere Umbauten innerhalb der Klinik gesteckt werden. „Die Zentrale Notaufnahme ist die wichtigste Hauptabteilung des Hauses. Die ersten Stunden sind entscheidend über den weiteren Verlauf einer Erkrankung“, sagt Schröter. In den nächsten Monaten wird die Notaufnahme Schritt für Schritt erweitert – personell, räumlich und in puncto Leistungsspektrum.

Notaufnahme: Umfassende Überwachungsstation wird eingerichtet

Das ist auch der Wunsch von Dr. Thomas Händl, seit einigen Monaten Chefarzt der Notaufnahme. Er macht klar, dass der Umbau bei seiner Bewerbung und Entscheidung pro Garmisch-Partenkirchen – er kommt vom Universitätsklinikum Augsburg, das die größte Notaufnahme Europas betreibt – eine wesentliche Rolle gespielt hat. Zusätzlich zur Erweiterung der Behandlungskapazität auf 15 Plätze, derzeit bestehen acht, soll eine bis zu zehn Betten umfassende Überwachungsstation eingerichtet werden, auf der Händl zufolge „Patienten bis zu 24 Stunden liegen können, bis die beste Art der Weiterversorgung geklärt ist“. In die aktuelle Raum- und Funktionsplanung sind bereits wichtige Aspekte, die sich aus der Corona-Pandemie ergaben, eingeflossen. Die neue bauliche Struktur umfasst auch einen speziellen Bereich zur Ersteinschätzung, eine Einheit für potenziell infektiöse Patienten. „So steht den Erkrankten die gleiche gute Notfallversorgung zur Verfügung. Gleichzeitig werde die erforderliche Trennung von infektiösen und nicht infektiösen Patienten aufrechterhalten“, sagt Händl.

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Einsatzbereit soll die neue Notaufnahme gegen Ende des Jahres sein. Ebenso wie der Container-Trakt für Menschen, die vom Corona-Virus befallen sind und der in unmittelbarer Nähe entsteht. Eine wichtige Rolle in dem Konzept spielt dabei der neue Computertomograf im Wert von rund 450 000 Euro, einer von 34, die die Staatsregierung für die Untersuchung von Covid-19-Patienten den bayerischen Krankenhäusern zur Verfügung stellt. „Das ist eine exzellente und großzügige Maßnahme“, meint Schröter. Vor allem belastet sie den Etat des Klinikums nicht. Der Container, in dem das Gerät steht, so erklärt ein Mitarbeiter der Herstellerfirma, kostet noch einmal 225 000 Euro.

Corona-CT kann mit Cardio-Paket aufgerüstet werden

Damit verfügt das Klinikum derzeit über drei Computertomografen, von denen einer allerdings schon etwas in Jahre gekommen ist und sich nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik befindet. Was der neue ist. „Ich freue mich darüber, dass wir ein so leistungsfähiges CT-Gerät erhalten haben“, erklärt Radiologie-Chefarzt Dr. Gerhard H. Simon. Die CT-Lungendiagnostik sei heute bei Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, nicht mehr wegzudenken. „Ein Röntgenbild der Lunge reicht nicht aus.“ Besonders angetan ist Simon von den technischen Eigenschaften des 128-Zeilen-Geräts. Diese tragen zu einer hohen Strahlenreduktion bei, die Belastung ist Simon zufolge „minimal“.

Das Corona-CT ist eine abgespeckte Version, kann aber zum Beispiel mit einem Cardio-Paket aufgerüstet werden. Schröter setzt darauf, dass das Gerät, das der Freistaat leihweise zur Verfügung stellt, dauerhaft – auch nach dem Ende der Corona-Pandemie – in Garmisch-Partenkirchen bleibt. „Dafür werde ich mich starkmachen.“ Vielleicht ist das seine letzte Amtshandlung.

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