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Schleichender Rückzug aus Politik hat begonnen

„Körperlich angeschlagen“: SPD-Gemeinderat tritt kürzer

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Die angeschlagene Gesundheit ist der Auslöser: Robert Allmann, SPD-Fraktionsvorsitzender im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat, hat beschlossen, kürzer zu treten und zwei politische Ämter abzugeben. Er brauche mehr Zeit für sich.

Garmisch-Partenkirchen – Etliche, die mit dem Politbetrieb in Garmisch-Partenkirchen vertraut sind, sahen in ihm den Kronprinzen der SPD, falls Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer bei den nächsten Kommunalwahlen im März 2020 nicht mehr antreten sollte. Wer, wenn nicht er? Robert Allmann, der die SPD-Fraktion im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat führt, galt als der natürliche Spitzenkandidat einer Partei, die mit Spitzenpersonal nicht gerade gesegnet ist. Allmann, Fachbereichsleiter bei der AOK, gilt als heller und vor allem ausgleichender Kopf, der im Umgang mit seinen Kollegen im Gemeinderat einen höflichen Ton pflegt, in der Sache allerdings durchaus Härte zeigen kann.

Trotzdem plante er nie, in erster Reihe zu stehen. Zum Frontmann der SPD im Kommunalparlament brachte er nur, weil Meierhofer, die eigentlich für den Fraktionsvorsitz fest eingeplant gewesen war, überraschend die Bürgermeisterwahl gegen den damaligen Amtsinhaber Thomas Schmid (CSB) gewonnen hatte. „Für mich war es nie ein Thema gewesen, so eine Rolle zu übernehmen“, sagt er. Und auch das Bürgermeisteramt sei für ihn „zwei Nummern zu groß“.

Das klingt nach Tiefstapelei. Ist es aber nicht. Allmann ist Realist. Nicht nur, weil er sich einzuschätzen weiß, wird es niemals soweit kommen. Allmann hat den schleichenden Rückzug aus der Kommunalpolitik begonnen. Meierhofer teilte er in einem Schreiben mit, dass er ab sofort das Amt des Kulturreferenten der Marktgemeinde nicht mehr ausüben werde, Landrat Anton Speer (Freie Wähler) bat er in einem ähnlich Schreiben, ihn von seiner „Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Beirat für Wirtschaft und Soziales“ in der Zugspitzregion GmbH zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ zu entbinden.

Die beiden Ämter gibt Allmann (56) nicht auf, weil sie ihm keinen Spaß mehr bereiten. Er sieht sich dazu gezwungen. Er sei „körperlich angeschlagen“. Allmann, der vital wirkt, tritt auf Anraten seiner Ärzte kürzer. „Meine gesundheitliche Situation lässt es leider nicht mehr zu, dass ich mich gewissenhaft und ohne gesundheitliche Schäden um alle ehrenamtlichen Ämter und sich der daraus ergebenden Themen in vollem Umfang widmen kann“, erklärt er. Die seit 2007 bestehende Schwerbehinderung, die er mit 80 Prozent beziffert, macht es ihm nicht ganz einfach, den anspruchsvollen Berufsalltag und die vielen Mandate erfolgreich zu meistern. Die zeitliche Belastung beschreibt er als „jenseits von Gut und Böse. Man sieht mir die Beeinträchtigungen nicht gleich an. Leider sind in den vergangenen beiden Jahren neue Handicaps hinzugekommen, die ich auf Anraten meiner Ärzte nicht unterschätzen darf.“ Da auch die berufliche Belastung zunahm, hat er beschlossen, in Sachen Politik den Rückwärtsgang einzulegen und sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. „Ich brauche jetzt einfach Zeit für mich.“

Das Amt des Kulturreferenten hat Allmann mit besonders schwerem Herzen abgegeben. Er sah sich als Bindeglied zwischen Bevölkerung und Kommune, da es bei der Gemeinde keinen Kulturmanager gibt. „Ich glaube, ich konnte etwas bewegen.“ Kultur ist sein Leben. 1986 hatte er mit Gleichgesinnten den Kulturbeutel ins Leben gerufen, dessen Vorsitzender er viele Jahre war. Einen Nachfolger, der dieses Amt in seinem Sinne ausüben könnte, hat er im Blick: Harald Helfrich. Der Schauspieler und Regisseur, der gerade eine Ausbildung zum Erzieher absolviert, gehört ebenfalls der SPD-Fraktion an. Die Referentenstelle ist allerdings kein Erbhof. Der Gemeinderat muss darüber abstimmen.

Wer Allmanns Posten im Beirat für Wirtschaft und Soziales in der Zugspitzregion GmbH übernimmt – auch darüber ist noch nicht entschieden. Martin Wohlketzetter, Farchanter Bürgermeister SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, wird in den nächsten Tagen auf Speer zukommen und ihm Allmann zufolge „einen Nachfolger vorschlagen“.

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