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Erfolgreiches Tandem: Elisabeth Koch wird von ihrer Tochter Josepha im Wahlkampf unterstützt.

Alles deutet auf einen Machtwechsel hin

Bürgermeisterwahl in Garmisch-Partenkirchen: Stichwahl zwischen Koch und Meierhofer

  • Peter Reinbold
    VonPeter Reinbold
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Das Ergebnis ist keine Überraschung – die Deutlichkeit allerdings schon. Mit einem Vorsprung von 23 Prozentpunkten geht Herausforderin Elisabeth Koch (CSU) in die Stichwahl gegen Amtsinhaberin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). Keine der beiden Bewerberinnen kann mit der Schützenhilfe anderer Parteien rechnen.

Update, 27. März: Am 29. März ist Stichwahl in mehreren Kommunen im Landkreis. Alle Ergebnisse, News und Reaktionen am Wahltag lesen Sie hier live im Ticker für die Region Garmisch-Partenkirchen.

Garmisch-Partenkirchen – Die Wahrscheinlichkeit, dass es in Garmisch-Partenkirchen einen Machtwechsel gibt, ist groß. Am 29. März kommt es zur Stichwahl von Amtsinhaberin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) gegen Elisabeth Koch (CSU). In die geht Herausforderin Koch als große Favoritin. Sie gewann gestern mit großem Vorsprung. Nach Auszählung der 28 Wahlbezirke landete die Fraktionsvorsitzende der Christsozialen im Gemeinderat bei 44,71 Prozent. Meierhofer kam auf 21,75 Prozent. Dr. Stephan Thiel, dem profunde Kenner des Garmisch-Partenkirchner Politbetriebs ebenfalls Stichwahlchancen eingeräumt hatten, erreichte 14,01 Prozent. „Ich hatte das Ergebnis nicht in dieser Deutlichkeit erwartet“, sagte Koch, die sich mehr innerlich freute. „In Zeiten wie diesen nehme ich das Resultat sehr demütig an.“

Sehr in sich gekehrt zeigte sich auch Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer. Sie habe sich gewünscht, in die Stichwahl zu kommen. „Das ist mir gelungen.“ Und sie gibt sich kämpferisch. Aufgeben ist ihre Sache nicht. „In der Stichwahl werden die Karten neu gemischt.“ Sie weiß, dass es schwer werden wird, das konservative Lager aufzubrechen. Vor sechs Jahren ist ihr das gelungen, doch waren damals die Gegebenheiten andere.

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Meierhofer ist nicht die einzige Enttäuschte des Wahlabends. Dr. Stephan Thiel nahm die Niederlage mannhaft. „Ich habe mir mehr erwartet. In die Stichwahl wollte ich schon kommen“, sagt der Physiker, der bei der Tagblatt-Podiumsdiskussion ein ausgezeichnetes Bild abgegeben hatte. „Danach hatte ich viel Zuspruch erhalten“, sagt er. Er wolle nicht lamentieren. „Ich respektiere das Votum der Bürger.“ Seine etwas mehr als 14 Prozent bei seiner ersten Kandidatur, 2014 waren die Grünen ohne Bürgermeisteraspirant ins Rennen gegangen, wertet Thiel „als gutes Ergebnis“. Für die Stichwahl wollen er und seine Partei weder für Koch noch für Meierhofer eine Empfehlung aussprechen. „Meine Wähler wissen, was zu tun ist.“

FDP-Mann Schröter verliert 

Wie die Grünen halten es auch die FDP und die Freien Wähler. „Wir heißen Freie Wähler, weil jeder in seiner Entscheidung frei ist“, erklärt Lilian Edenhofer, die sich sehr ordentlich geschlagen hat. Die 52-jährige Journalistin, die erst seit rund eineinhalb Jahren in der Kommunalpolitik arbeitet und davor kaum aufgefallen war, obwohl sie sich schon um ein Mandat im Bundes- und Landtag beworben hatte, erzielte einen Achtungserfolg (8,63 Prozent). Sie hat die Ergebnisse von Franz Grabo (2008) und Florian Möckl, der 2014 als Bürgermeisterkandidat antrat, fast verdoppelt. „Das macht mich stolz. Aber in Zeiten von Corona tritt alles andere in den Hintergrund.“

Als „unerwartete Enttäuschung“ wertet Martin Schröter sein Abschneiden. Der FDP-Mann, der häufig durch seine Hyperaktivität auffällt, wenn er auf jeden Zug aufspringt und jedes Thema zu seinem macht, kommt auf 4,57 Prozent und hat damit sein Resultat von 2014 (4,71) unterboten. Der Vizebotschafter an der deutschen Vertretung in Luxemburg wechselt nun zum Goethe-Institut nach München, um präsenter im Gemeinderat zu sein. Schröter verschickte lediglich eine Pressemitteilung und verweigerte sich eines O-Tons. Ein Indiz, dass der Frust tief bei ihm sitzt.

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Wenn schon das eigene Ergebnis keinen Anlass zum Jubel bietet, muss man sich mit Parteifreunden freuen, die besser abgeschnitten haben. „Unser Glückwunsch geht nach Grainau, wo Dr. Joachim Greuel ein überaus respektables, zweistelliges Ergebnis erzielt hat.“

Respektabel. Mit diesem Adjektiv lassen sich die 6,34 Prozent beschreiben, die Anton Hofer (Garmisch+Partenkirchen miteinander) eingefahren hat. „Es hätte schlechter sein können. Wir hatten nichts zu verlieren. Ich bin richtig stolz“, sagt Hofer, dessen Gruppierung erst seit etwas mehr als zwei Monaten besteht.

Die schlechte Wahlbeteiligung von 54,37 Prozent sorgte für Kopfschütteln bei den Kandidaten. Die Zahl der Bürger, die die Briefwahlunterlagen angefordert hatten, lag Meierhofer zufolge bei über 10 000.

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