Blasmusikkapellen bei einem Konzert im Olympia-Eissportzentrum in Garmisch-Partenkirchen
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Zurück in die Vergangenheit: Ein Blasmusik-Festival gab es schon in Garmisch-Partenkirchen - mit großem Erfolg.

Kulturförderung in Garmisch-Partenkirchen

Strauss-Tage 2022: Markt erhöht Budget nach Disput nur minimal

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Im Finanzausschuss entbrennt ein Streit über den Strauss-Zuschuss an die Kultur GmbH: Geschäftsführer Michael Gerber weht eisiger Wind ins Gesicht. Am Ende der Diskussion steht ein Kompromiss.

Garmisch-Partenkirchen - Die Sache mit dem Kürzen ist nicht so einfach. Eher eine gewaltige Herausforderung. Das Streichkonzert – die Kultur war eines der Mottos an diesem Abend im Garmisch-Partenkirchner Finanzausschuss – blieb jedenfalls aus. Fast ein wenig frustriert blickten die Mitglieder immer wieder hoch an die Wand, auf die Kämmerer Christoph Maier die Zahlen warf. Denn: Da fanden sich in ihren Augen so wenige Ansätze für den Rotstift. „Im Grunde genommen geht es hauptsächlich bei den freiwilligen Leistungen“, merkte Maier an, als Christine Sontheim (CSU) leicht seufzend monierte: „Wir haben immer noch nichts gekürzt.“ Tja, in Corona-Zeiten an diese freiwilligen Beiträge für Vereine oder Institutionen ranzugehen – da kamen die Herrschaften Lokalpolitiker dann offenbar doch mit ihrem sozialen Gewissen in Konflikt.

Martin Bader, der bisherige Leiter des Hauptamts, erläuterte den Anwesenden die Hintergründe zur Sportförderung – ein Teil dieser freiwilligen Zuwendungen. Rund 450 000 Euro lässt sich der Markt den Breitensport kosten. „Und wir haben noch nie weniger Geld eingestellt, als was von den Vereinen beantragt wurde.“ In der Vorwoche war die Diskussion aufgekommen, ob es eine Summe von 238 000 Euro an Sonderförderung für die Sportvereine im Marktgebiet braucht? Nach Baders Vortrag war klar: Da geht der Ausschuss nicht ran. Frühestens, wenn die Einzelprojekten dann im Gemeinderat auftauchen.

Bürgermeisterin Koch bestellt Tourismus-Geschäftsführer in die Sitzung ein

Blieb die Kultur als großes Gesprächsthema des Abends. Auch diesen Bereich hatten die Politiker zuvor bei einem der Termine schon bearbeitet. Vor allem die 160 000 Euro im Budget für die Richard-Strauss-Tage waren aufgefallen – negativ wohlbemerkt. Die Kultur gGmbH von Garmisch-Partenkirchen Tourismus hatte diesen Antrag so in der Kämmerei abgeliefert, Maier diesen Wunsch erst einmal eingetragen. Doch bei den aufmerksamen Lokalpolitikern läuteten sofort die Alarmglocken. Warum 160 000 Euro? 110 000 waren 2020 doch vereinbart worden. Auch Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) wollte wissen, was dahinter steckt, bestellte Michael Gerber, der Geschäftsführer der Tourismus GmbH, noch an jenem Abend live im Ausschuss per Telefon für die nächste Sitzung ein.

Nun saß er da. Gemeinsam mit Dr. Dominik Sedivy, dem Leiter des Richard-Strauss-Instituts und künstlerischem Leiter der Kultur GmbH. Es folgte ein angeregter, intensiver und zeitweise emotionaler Austausch über die Höhe der Zuwendung. Gerber versuchte zunächst, die Wogen zu glätten. Erklärte, warum im Etat für 2021 die Summe von 160 000 Euro ausgewiesen ist. „Das ist der Vorschuss für 2022.“ Erhellte die Mienen der Anwesenden wenig. Also erläuterte er, wie es zu diesem Ansatz kam: „Das ist unser Wunsch“, betonte Gerber. Eine fixe Erhöhung des Zuschusses von 110 000 auf 130 000 Euro, dazu quasi über eine Art Bonus-System weitere 30 000 Euro, sollte es der GmbH gelingen, neue Sponsoren und Partner für die Strauss-Tage oder andere Projekte zu gewinnen. Der Markt solle eine weitere Finanzspritze gewähren in der Höhe, in der die Kultur GmbH neue Gönner findet – gedeckelt auf maximal 30 000 Euro.

Unter Beschuss: Tourismus-Geschäftsführer Michael Gerber

Wünsche der Kultur GmbH stoßen bei den Lokalpolitikern nicht auf Gegenliebe

Verstanden hatten die Ausschussmitglieder das sehr schnell, gefallen hat es ihnen nicht. Christine Sontheim, die sich als Strauss-Fan outete und das neue Programm anpries, ergriff zuerst das Wort. Das Thema neue Akquise sei sicher interessant, räumte sie ein, „aber man sollte doch mal mit dem Geld auskommen, das angesetzt war“, monierte die CSU-Vertreterin. Gerber erwiderte, dass laut Gesellschaftervertrag die Kultur-GmbH einen anderen Auftrag habe, als nur die Strauss-Tage auszurichten. „Wenn Sie sagen, wir sollen nur das tun, dann ändern Sie den Vertrag. Aber dann werde ich Ihnen irgendwann sagen, dass wir die Strauss-Tage nicht mehr machen können“. Soll hingegen perspektivisch etwas entwickelt werden, „dann brauchen wir dieses Geld, um eine Basis für mehr Kultur zu schaffen“. Gerber sprach ein Gapa Tattoo für 2023 an, ein Blasmusik-Festival, das in der Vergangenheit sehr erfolgreich stattgefunden hat.

Für die Argumentation Gerbers hatten die Lokalpolitiker wenig Verständnis. Das machten sie ihm unmissverständlich deutlich. Eisiger Wind wehte dem Geschäftsführer ins Gesicht. Etwa von Dr. Stephan Thiel. „Mein Problem ist nicht, Geld für die Kultur auszugeben, ich denke, das ist gegenüber anderen Bereichen sogar noch wenig“, betonte der Grünen-Gemeinderat. Aber er bemängelte eine „Salami-Taktik“, mit der die Kultur-GmbH versuche, mehr Mittel für ihre Zwecke herauszuschlagen. „Und das mach’ ich so nicht mit“, polterte Thiel und musste beruhigt werden.

Bayernpartei-Chef Andreas Grasegger hält nichts von Gerbers „Verhandlungstaktik“

Gerber entgegnete, dass es nicht darum gehe, auf diese Weise „Ihnen mehr Geld aus dem Kreuz zu leiern“. Thiel aber ließ nicht locker. „Ich weiß ganz genau, dass Sie vor einem Jahr gesagt haben, dass Sie die Strauss-Tage mit 110 000 Euro schaffen, und jetzt sollen es schon mal fix 20 000 mehr sein.“ Andreas Grasegger konnte sich der Kritik nur anschließen. „Mir gefällt ihre Verhandlungstaktik nicht“, sagte der Bayernpartei-Chef. „Vor allem diese Art Drohung, die Frage, ob wir die Strauss-Tage wollen oder nicht.“ Die Forderung nach mehr Geld sah er auch aus einer andere Warte problematisch: „Sie sagen, Sie machen ein Tattoo. Aber das muss sich doch durch Einnahmen tragen.“ Er selbst habe acht Festivals gespielt – und nie habe es ein Defizit gegeben. „Kultur ist nicht grundsätzlich ein Minusgeschäft, so kann ich doch nicht arbeiten.“

Die Lösung des Konflikts lag in einem Kompromiss, den Anton Witting (CSU) vortrug: „Machen wir die 130 000 Euro fix, dann lassen wir sie akquirieren. Und wenn es tatsächlich gut läuft, können wir einen Nachtrag machen.“ Gerber nickte, die Ausschussmitglieder stimmten zu – „aber mit Bauchweh“, fügte Grasegger noch an. Nun, zumindest ein bisschen gekürzt hatten die Politiker am Ende noch.

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