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In die Jahre gekommen: das Kongresshaus am Richard-Strauss-Platz in Garmisch-Partenkirchen.

Abgespeckte Version stößt nur bedingt auf Gegenliebe

Kongresshaus: CSB setzt auf Neubau

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Die Fraktionen im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat haben ihre Hausaufgaben gemacht. Etliche Vorschläge und Fragen zum Kongresshaus sind im Rathaus eingegangen. Für das CSB ist ganz klar, dass nur ein Neubau in Frage kommt, auch wenn der 50 Millionen Euro kostet.

Garmisch-Partenkirchen – Peter Nagel ist ernüchtert. Damit, dass über die Entscheidung zur Zukunft des Kongresshauses wieder eine Grundsatzfrage entbrennt, hat der Garmisch-Partenkirchner Tourismusdirektor nicht gerechnet. Auch nicht damit, dass aus den Reihen des Gemeinderats die Forderung laut wird, „zurück auf Los“ zu gehen, wie es Florian Möckl (Freie Wähler) formuliert. Oder die „Reset-Taste zu drücken und alles auf Null zu stellen“, was Elisabeth Koch (CSU) verlangt. Mit diesen Aussagen geht einher, dass sich der Beschluss weiter verzögert. Nagels Hoffnung, die Weichen fürs Kongresshaus noch im Sommer zu stellen, sind somit zunichte gemacht. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass er und seine Kollegen Veranstalter weiter vertrösten müssen. „Ein unbefriedigender Zustand“, meint Nagel. Vor allem einer, der seit über zehn Jahren andauert.

Das Dilemma, in dem die Mitarbeiter von GaPa-Tourismus stecken, ist den Kommunalpolitikern bewusst. Der Knackpunkt ist aber auch, wie das Projekt finanziert werden soll. Aus 17,5 Millionen Euro, wie zunächst geschätzt, sind den Architekten zufolge mittlerweile 29 Millionen Euro geworden. Da ist guter Rat teuer. Deshalb gingen die Gemeinderäte aus der Juli-Sitzung mit einer Hausaufgabe heim, sich Gedanken über das Vorhaben an sich zu machen und bis Ende August Fragen einzureichen. Auf die Tagesordnung kommen diese nach Auskunft von Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) erst im Oktober. „Vieles ist noch unklar und wir wissen nicht, wie weit die Planer bis dahin sind.“

Angesichts der gewaltigen Kosten, die nun im Raum stehen, haben sie, Vertreter der Verwaltung und die Architekten sich bereits eine abgespeckte Version überlegt. Diese stößt allerdings nur bedingt auf Gegenliebe. Die Varianten, nur zu sanieren, beziehungsweise zudem einen Teil neu zu bauen, verwirft die CSB-Fraktion. „Schließlich bleibt das Kongresshaus so trotz hoher Investitionen lediglich ein renoviertes Gebäude ohne ,Aha-Effekt‘ und für den renommierten Fremdenverkehrsort kein Vorzeigeobjekt in Bestlage“, betont Florian Hilleprandt. Somit sprechen sich er und seine Mitstreiter für den Neubau aus, auch wenn dafür 50 Millionen Euro angesetzt sind. „Da hat man die Kosten besser im Griff.“ Deshalb regt der Fraktionsvorsitzende auch an, das Ganze gleich zum Festpreis auszuschreiben. Dadurch reduziere man auch das Risiko, dass das Vorhaben ein „Fass ohne Boden“ wird. Zudem „dürfen bei der Neugestaltung nur die realistischen und bedarfsgerechten Minimalanforderungen von GaPa-Tourismus an den Zweckbau erfüllt werden“. Somit scheidet für das CSB eine Vollküche aus.

Ähnlich sieht’s Möckl: „Wie beim Skistadion muss man diese langfristigen und für spätere Generationen wichtigen Themenkomplexe ,ganz oder gar nicht‘ anpacken.“ Daher warnen er und die anderen beiden Vertreter der Freien Wähler „vor einer notdürftig abgespeckten Version“. Freilich ist auch ihnen bewusst, dass der Markt die Summen, die für einen Neubau im Raum stehen, nicht einfach stemmen kann. Deswegen müssten ebenso alternative Finanzierungsmodelle geprüft werden, zum Beispiel Crowdfunding oder Investoren wie BMW.

Fragen nach dem künftigen Nutzungskonzept und der Finanzierung treiben die SPD um. „Wir haben großes Interesse an einer baldigen und fundierten Entscheidung“, unterstreicht Fraktionsvorsitzender Robert Allmann. Allerdings setzt er dafür ein Fünf- bis Sieben-Jahreskonzept analog eines Businessplans mit Meilensteinen voraus. Eine aktualisierte Wirtschaftlichkeitsberechnung fordert auch die CSU.

Die vorliegende, die Nagel „ambitioniert, aber realistisch“ nennt, an die Mehrkosten anzupassen, funktioniert ihm zufolge nicht. In die Waagschale gehöre aber, „dass die Gemeinde ihre Immobilie erhält und vor allem aufwertet, das Parkplatz-Problem im Zentrum löst, die Arbeitsplätze im Kongressbereich sichert und die Wertschöpfung beibehält“. Dass jeder Kongress- und Tagungsgast im Schnitt 190 Euro pro Tag im Veranstaltungsort lässt, wird Nagel nicht müde zu betonen. Bei 55 000 Übernachtungen macht das zehn Millionen Euro aus, die im Ort bleiben.

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