+
Die Tage des alten Kongresshauses am Richard-Strauss-Platz sind gezählt.

Politik in Garmisch-Partenkirchen

Kongresshaus: Neubau an der gleichen Stelle

  • schließen

Diese Entscheidung hatte sich seit Wochen angedeutet. Der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen hat sich für Abriss und Neubau des Kongresshauses am Richard-Strauss-Platz entschieden. Bis das 24 Millionen teure Projekt allerdings steht, werden noch Jahre vergehen. Während der Neubau-Phase findet kein Kongress-Geschäft statt.

Garmisch-Partenkichen – Alles ist nach Plan gelaufen. Genau wie es das Drehbuch vorgesehen hat, geschrieben von Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), ihrer Verwaltung und der CSU sowie der SPD. Der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen hat in Sachen Kongresshaus wieder alles auf null gestellt. Die Sanierung und der Teilneubau des Kultur- und Tagungstempels, wie es im Plan von Henchion und Reuter, die 2016 den Ideenwettbewerb gewonnen hatten, vorgesehen war, ist passé. Der Vertrag mit dem Berliner Architektenbüro soll, so der fast einhellige Beschluss des Gemeinderats, „einvernehmlich aufgelöst“ werden. Die Kommunalpolitiker entschlossen sich zu einem Neubau für rund 24 Millionen Euro netto, der jedoch nur eine Million billiger kommt als das Konzept von Henchion und Reuter, das auf 25 Millionen Euro veranschlagt war. 

Eine Tiefgarage, die für beide Varianten vorgesehen ist und war, schlägt mit weiteren sieben Millionen Euro zu Buche. Der Neubau ist allerdings viel kleiner dimensioniert. Seine Wertschöpfung liegt bei rund zehn Millionen Euro pro Jahr, mit der aufgemotzten Henchion und Reuter-Variante sollen sich rund 15 Millionen Euro erwirtschaften lassen. Erkannt hat dies Josef Angelbauer (Freie Wähler). „Sanierung und Teilneubau kommen nur unwesentlich teurer. Deswegen ist dieser Vorschlag nicht zu verachten.“ Mit dieser Meinung stand er allerdings allein. Vor allem die CSU, die SPD und die Bayernpartei hatten für einen Neubau geworben. Überzeugt hatte die CSU ein Besuch des Altöttinger Tagungszentrums. Beeindruckt zeigte sich Fraktionsvorsitzende Elisabeth Koch von der „Funktionalität“. Als Standort kam für die Christsozialen, die SPD und die Bayernpartei nur das derzeitige Areal am Richard-Strauss-Platz in Frage. Einen Beherbergungsbetrieb der Fünf-Sterne-Kategorie lehnten die drei Fraktionen zudem ab. „Dann wäre der Kurpark, der unseren Bürgern gehört, nur noch der Vorgarten des Hotels“, meinte Koch.

 Auch das CSB sowie die Unabhängig-Grüne Fraktion von Alexandra Roos-Teitscheid und Dr. Stephan Thiel sprachen sich für einen Neubau aus. Nach CSB-Plänen sollte das Kongresshaus in Sichtweite des Eisstadions entstehen, auf einem Gelände, das teilweise Investor Franz Hummel gehört, oder auf den Parkplätzen rund ums Eissportzentrum. Am jetzigen Standort sah der CSB-Vorschlag ein Hotel vor, Thiel und Roos-Teitscheid konnten sich ein Kultur- und Bürgerhaus vorstellen. Die Variante Eisstadion-Parkplatz lehnte Wotan Lichtmeß, Chef der Gemeindewerke, in dessen Besitz sich das Olympia-Eissportzentrum befindet, per Gutachten, zu dem ihm Meierhofer aufgefordert hatte, ab. Seine Meinung und die Meierhofers – fast deckungsgleich. „Aus meiner Sicht gibt es zwei Probleme“, sagte die Bürgermeisterin. Zum einen sei der Parkplatz von großer Bedeutung für das Olympia-Eisstadion und das Alpspitz-Wellenbad „und sollte daher nicht überbaut werden. 

Zum anderen ist die zentrale Lage des Kongresshauses eine Art Alleinstellungsmerkmal und trägt immens zur Belebung des Zentrums bei“. Auch der Einwand Zolks, dass über Jahre hinweg das Kongressgeschäft brach liegt und keine Einnahmen erzielt werden können, verfing nicht. Die Standortfrage wollte CSB-Fraktions-Vize Claudia Zolk in einem Ratsbegehren geklärt wissen. Dieser Versuch, die Bürger entscheiden zu lassen, scheiterte mit einer Mehrheit von 17:9 Stimmen. „Die Bürgerbefragung vor einigen Jahren war eindeutig pro Richard-Strauss-Platz ausgefallen. Und daran hat sich, so glaube ich, nichts geändert“, begründete Koch ihre Ablehnung. Wie geht’s nun weiter? Auf Grundlage der groben Flächen-Vorgaben (1200 Quadratmeter-Saal, teilbar in 800 und 400 Quadratmeter, 1000 Quadratmeter plus fünf Tagungsräume zu je 100 Quadratmeter wird das Bauamt nach Auskunft von Meierhofer gemeinsam mit allen zuständigen Stellen, die bei der Nutzung des Kultur- und Kongresshauses beteiligt sind, ein Raumprogramm und Funktionsschema erarbeiten. 

Parallel wird die Fördersituation abgeklärt. „Anschließend kann mit diesen Grundlagen ein neuer Wettbewerb ausgerufen werden“, sagt sie. Bis der Sieger feststeht, könnte ungefähr ein Jahr vergehen, bis das neue Kongresshaus steht oder bezugsfertig ist, dürften weitere Jahre ins Land ziehen – und die Kosten steigen. Wie bei öffentlichen Bauten üblich.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Durch Glück aus Schnee-Chaos gerettet: Männer geraten auf Weg zur Zugspitze in Notsituation
Im Schneetreiben haben sich vier Männer am Sonntag von der Knorrhütte auf den Weg zur Zugspitze gemacht. Im tiefen Schnee kamen sie nicht weiter. Die Bergwacht fand sie …
Durch Glück aus Schnee-Chaos gerettet: Männer geraten auf Weg zur Zugspitze in Notsituation
Föhnsturm machte Bettinas Lebenswerk kaputt - aber dann passierte ein kleines Wunder
Bettina Müller sah ihr Lebenswerk in Trümmern. Der Föhnsturm zerstörte am Freitag ihre Minihaus-Oase bei Ohlstadt. Dann kamen 23 Freiwillige aus ganz Deutschland …
Föhnsturm machte Bettinas Lebenswerk kaputt - aber dann passierte ein kleines Wunder
Brutale Attacke bei Nachwuchs-Fußballspiel - Trainer mit eindeutiger Ansage: „Ich bin da rigoros“
Bei einem Nachwuchs-Fußballspiel in Bayern ist ein Streit zwischen Jugendlichen eskaliert. Ein Spieler musste in eine Klinik gebracht werden. Jetzt drohen harte …
Brutale Attacke bei Nachwuchs-Fußballspiel - Trainer mit eindeutiger Ansage: „Ich bin da rigoros“
Mit den „Girls“ in den Wahlkampf: Claudia Zolk und Daniela Bittner führen CSB-Liste an
Zehn Kandidaten. Mehr ließen sich nicht finden. Damit geht die CSB in Garmisch-Partenkirchen in den Wahlkampf. An der Spitze steht Frauenpower: die beiden Gemeinderäte …
Mit den „Girls“ in den Wahlkampf: Claudia Zolk und Daniela Bittner führen CSB-Liste an

Kommentare