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Erinnerungen an die Skisprungschanze werden wach

Kongresshaus: Droht die nächste Kostenexplosion?

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Die neuen Kostenschätzen für das Kongresshaus dürften den Gemeinderäten schwer im Magen liegen: Diesen zufolge liegt die Summe bei 29 Millionen Euro - weit mehr als die vereinbarte Obergrenze. Doch es gibt für die Sanierung auch eine Sparversion. 

Garmisch-Partenkirchen – Die Kosten für die Sanierung und den Teilneubau des Garmisch-Partenkirchner Kongresshauses drohen zu explodieren. Der Vortrag von Klaus Reuter vom Architekturbüro Henchion und Reuter aus Berlin, das den Ideenwettbewerb gewonnen und den Zuschlag erhalten hatte, ihre Vorstellungen in die Tat umzusetzen, sorgte dafür, dass bei einigen Gemeinderäten der kalte Schweiß ausbrach. „Wäre ich privater Häuslebauer, würde ich jetzt die Krise kriegen. Das ist der Einstieg in eine Kostenspirale“, sagte FDP-Mann Martin Schröter. „Was wir im März besprochen hatten, ist damit Makulatur.“ Die vertraglich vereinbarte Obergrenze, damit das in die Jahre gekommene Kongresshaus auf die Höhe der Zeit gebracht und zukunftstauglich gemacht wird, liegt Ute Leitner zufolge, Sprecherin des Marktes, bei 17,5 Millionen Euro brutto. Reuters Kostenschätzungen haben sich mittlerweile auf etwas mehr als 29 Millionen Euro summiert.

Eine satte Steigerung, die an den Neubau der Großen Olympiaschanze vor mehr als zehn Jahren erinnert. Kosten sollte sie 9,9 Millionen Euro, gekostet hat sie letztlich mehr als 17 Millionen. Der Schuldendienst belastet die Gemeinde noch heute. Zur Finanzierung verscherbelte Ex-Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) Teile des Tafelsilbers der Gemeinde. Für das Kongresshaus ist dieses Vorgehen nicht mehr möglich, da der Markt kaum noch etwas besitzt, das er zu Geld machen kann.

CSU-Fraktionsvorsitzende Koch möchte anderen Weg einschlagen

Die Gemeinderäte, die den Zahlenwust, den Reuter vorlegte, in ihren Tischvorlagen fanden, sollen sich zur Problematik Gedanken machen und ihre Fragen dazu bis zum 21. August einreichen. „Wir müssen uns intensiv damit beschäftigen“, sagt Elisabeth Koch. Nach der Information durch den Berliner Architekten glaubt die CSU-Fraktionsvorsitzende, dass „das Gesamtkonstrukt zusammengebrochen und nicht mehr stimmig“ ist. Man solle überlegen, einen ganz anderen Weg zu gehen. Sie meint im Klartext: „Wir müssen die Reset-Taste drücken und alles auf Null stellen.“ Parteifreund Claus Gefrörer, von Beruf Steuerberater und ein Mann, der es versteht, Zahlen zu lesen, fragte nach den „längerfristigen Auswirkungen“ der Kostenexplosion auf den Haushalt von Garmisch-Partenkirchen.

Antwort bekam er von Vize-Kämmerer Willi Jettenberger. Eine zusätzliche Kreditaufnahme von zehn Millionen Euro würde laut Jettenberger die Gemeinde pro Jahr mit rund 440 000 Euro belasten, zusätzlich zu den knapp 700 000 Euro, die für das Kongresshaus in den kommenden 25 Jahren an Zins und Tilgung geschultert werden müssen, wenn der Kostenrahmen eingehalten wird. Belastungen, die womöglich schwer zu verkraften sind. Derzeit beläuft sich der Schuldenstand des Marktes auf 26,47 Millionen Euro.

Zahlreiche Posten treiben Preis in die Höhe

Die Kostenexplosion fußt Reuter zufolge auf mehreren Faktoren. So führe neben der geplanten Tiefgarage eine Gasdruckleitung vorbei, die Mittenwald versorge und die zuvor unbeachtet geblieben war. Der Baugrund sei schlecht, der Anschluss an den Bestand und der Brandschutz komme teurer. Er führte zahlreiche Posten auf, die den Preis in die schwindelerregende Höhe trieben.

Bevor das Kongresshaus zum Millionengrab wird und die Kosten völlig aus dem Ruder laufen, haben sich Verwaltung und Architekten zusammengesetzt. Herausgekommen ist eine mögliche abgespeckte Version. Man denkt darüber nach, das Gebäude in Länge und Breite zu verkleinern, den GaPa-Saal nicht zu bauen, das Volumen insgesamt zu verringern und auf eine Tiefgaragenebene zu verzichten. Eine Schrumpfkur, die nicht jedem gefällt. Besonders nicht Kur-Direktor Peter Nagel. Nehme man den hinteren Teil weg, dann verliere „das Gebäude den Charakter“, sagte er. Parkplätze zu streichen, kommt für ihn gar nicht infrage. „Die brauchen wir unbedingt, weil wir im Ort zu wenige haben.“ Und er geht davon aus, dass die Tiefgarage kostendeckend arbeiten könnte. Was wichtig ist, denn der Markt benötigt in Zukunft wahrscheinlich jeden Cent.

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