Darum geht es: Die Zukunft des Kongresshauses in Garmisch-Partenkirchen steht in den Sternen.
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Darum geht es: Die Zukunft des Kongresshauses in Garmisch-Partenkirchen steht in den Sternen.

Das sagen die Fraktionen im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat

Zukunft des Kongresshauses: Ringen um die beste Lösung

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Garmisch-Partenkirchen – Soviel ist sicher: Garmisch-Partenkirchen stehen in der Kongresshaus-Debatte spannende Monate bevor. Die Ortspolitik hat bekanntlich einen ergebnisoffenen Bürgerbeteiligungsprozess angestoßen – mit einem Ratsbegehren zum Abschluss, möglicherweise bereits zur Bundestagswahl am 26. September. Das Thema polarisiert: Ein aktuelles Konzept des Projektentwicklers Hinterschwepfinger aus Burghausen sieht einen schrittweisen Neubau und einen weitgehenden Abriss des Bestandsgebäudes vor.

Kritiker beklagen indessen, dass der Bürgerentscheid aus dem Jahre 2019 ignoriert werde. Die Abstimmung ergab eine klare Mehrheit für den Erhalt des Gebäudekomplexes am Richard-Strauss-Platz samt Sanierung und Teilneubau. Die Redaktion hat die sechs Fraktionen und drei Einzelkämpfer im Gemeinderat des Kreisortes um Stellungnahmen zu dem schwierigen Thema gebeten. Hier ist das Ergebnis:

CSU

Die CSU kann sich mit dem Hinterschwepfinger-Konzept gut anfreunden, denn: „Die Firma hat nicht nur das Gebäude als solches, sondern auch die Umgebung am Kongresshaus miteinbezogen“, erläutert Fraktionssprecher Anton Witting. „Ich stand bisher dem Neubau auch eher skeptisch gegenüber“, sagt er. Aber dieser sei aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoller. Denn: Es zeichne sich ab, dass eine Sanierung – allein der Brandschutz schlage mit circa acht Millionen Euro zu Buche – sehr kostspielig werde. Auch die Befragung der Bürger hält Witting für wichtig, um ein Meinungsbild zu erhalten. Und man müsse sich Gedanken über die Finanzierung des Großprojekts machen – zumal die Finanzlage des Marktes in den nächsten Jahren sicher schwieriger werde.

Die Grünen

Dr. Stephan Thiel, Fraktionschef der Grünen, äußert sich ebenfalls positiv über den vorgelegten Entwurf. „Ich finde die Idee gut“, sagt er. Doch die Frage, ob es auf einen Neubau oder eine Sanierung hinausläuft, komme seiner Ansicht nach verfrüht. Entscheidend sei nun, dass ein ergebnisoffener Bürgerbeteiligungsprozess stattfinde, der alle Diskussionen zulasse. Dazu zähle beispielsweise auch die Frage, ob die heimische Bevölkerung überhaupt das Kongressgeschäft befürwortet. Die Fraktion der Grünen macht sich daher stark für eine Bürgerbefragung – ein Schritt, der in den Augen Thiels eigentlich ganz am Anfang stehen müsste. Und über dem Ganzen schwebe die offene Frage der Finanzierung. „Das wird ein Riesenproblem“, ist sich Thiel sicher.

SPD

Gute Noten erhält das besagte Neubau-Konzept auch von der SPD. „Es ist die Weiterentwicklung der in der letzten Ratsperiode mit umfangreicher Bürgerbeteiligung und Experten erarbeiteten Ideen zu einem Neubau und sichert mit dem vorgeschlagenen Erhalt der neueren Gebäudeteile die Zukunft des Kleinen Theaters und vieler Kleinkunst- und Musikveranstaltungen ab“, sagt Sprecher Michael Simon. Bei Hinterschwepfinger sei man ebenfalls zum Ergebnis gekommen, dass der Erhalt und eine Sanierung aller bestehenden Gebäude nicht wirtschaftlich sei. Mit einem Neubau habe Garmisch-Partenkirchen hingegen die Chance, das attraktivste Kongress- und Veranstaltungszentrum in den Alpen zu bekommen. Wichtig sei es, so Simon weiter, die Bürger in die Entscheidung miteinzubeziehen.

Bayernpartei

„Das war eine schöne Vorstellung. Das gefällt mir ganz gut.“ So lautet das Fazit des Bayernpartei-Chefs Andreas Grasegger nach der vielbeachteten Hinterschwepfinger-Präsentation im Gemeinderat. Grasegger geht davon aus, dass künftig Kongresse und Tagungen eher kleiner ausfallen werden. „Wir brauchen nicht mehr so große Gebäude“, findet er. Aus diesem Grund spricht sich der Kommunalpolitiker für einen kleineren Neubau aus. Eine Sanierung, befürchtet er, könnte sich dagegen als ein „Fass ohne Boden“ erweisen. Doch die zentrale Frage laute: „Wie sollen wir das finanzieren?“ Der Zimmerermeister schätzt die Kosten auf stattliche 60 bis 80 Millionen Euro, sollte man das Hinterschwepfinger Konzept eins zu eins inklusive einer großen Tiefgarage umsetzen.

Freie Wähler I

Für die Fraktion der Freien Wähler steht fest: Egal, welche Entscheidung am Ende die Ortspolitik und die Bürger treffen – das Ergebnis werde den Haushalt für Jahrzehnte belasten und müsse daher einen Mehrwert für alle Beteiligten bringen, sagt der Vorsitzende Daniel Schimmer. Dazu zählten die Bürger, die Kulturschaffenden, GaPa Tourismus als Betreiber und der Markt als Eigentümer. „Frei von allen Emotionen müssen wir neben den Investitionskosten die laufenden Unterhaltskosten, die Technik, die zukünftige Nutzbarkeit und den tatsächlichen Bedarf miteinander vergleichen, um zu wissen, welche Zukunftsperspektiven uns geboten werden“, sagt Schimmer. Aufgrund der Lage im Herzen von Garmisch sei das Potenzial des Standorts enorm.

CSB

„Emotion alleine bringt uns in der jetzigen Situation leider nicht ans Ziel“, betont Dr. Markus Wäckerle in einer Stellungnahme des CSB. Bisher habe man keine belastbaren Zahlen – weder für eine Sanierung noch für einen Neubau. Aus dem Bauch heraus würde man sagen, so Wäckerle, dass eine Sanierung keinen Sinn macht, da sie wahrscheinlich teurer komme als ein Neubau und das bestehende Gebäude für die Kongresse der Zukunft zu groß erscheine und zu verschachtelt sei. Wäckerle plädiert daher dafür, das Ganze im Rahmen der Pandemie neu zu bewerten und sich neutral beraten zu lassen. Eine Frage rückt er dabei in den Mittelpunkt: „Was ist für uns Bürger, für unsere Kultur, für die Barrierefreiheit, für die Kongressteilnehmer und auch in Hinblick auf unsere Finanzen das Sinnvollste?“

Freie Wähler II

Für Lilian Edenhofer, die als fraktionslose Freie Wählerin im Gemeinderat sitzt, hat der Bürgerwille oberste Priorität. Man müsse daher den Ausgang des Bürgerentscheids 2019 respektieren, findet die Volksvertreterin. Sie schlägt eine Lösung vor, mit der alle Interessen bedient werden könnten: „Das jetzige Kongresshaus soll nicht abgerissen und nicht umgebaut, sondern über einen Zeitraum von fünf Jahren saniert werden, damit verteilen wir die Kosten. Es soll dann ein Haus der Bürger, der Vereine und der Kultur sein.“ Zusätzlich könne man dann noch daneben auf dem Parkplatz, wie vom Projektentwickler Hinterschwepfinger vorgeschlagen, ein neues, kleineres Kongresshaus errichten – sofern man das Kongressgeschäft verfolgen wolle.

FDP

„Wichtig ist es, die Menschen ernst zu nehmen“, betont FDP-Einzelkämpfer Martin Sielmann. Die Mehrheit der Menschen hätten sich doch bei dem Bürgerentscheid klar gegen einen Abriss ausgesprochen. Dies sollte man bindend als Auftrag übernehmen. „Wie oft sollen wir noch abstimmen? Etwa, bis dem Rathaus das Wahlergebnis genehm ist?“, fragt sich der Freie Demokrat. „Jedes alte Gebäude kann saniert werden“, ist er überzeugt. „Das zeigt die behutsame Sanierung der St.-Irmengard-Schulen, einem Wahrzeichen von Partenkirchen.“ Die FDP Garmisch-Partenkirchen fordere daher, die Kosten genau zu ermitteln – und diese mit den Ausgaben für einen Neubau zu vergleichen.

Garmisch+Partenkirchen miteinander

Nach Ansicht von Anton Hofer (Garmisch+Partenkirchen miteinander) haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Innerhalb der nächsten vier Jahre werde der Markt circa 40 bis 50 Millionen Euro zusätzliche Schulden aufnehmen müssen, um die absolut notwendigen Ausgaben stemmen zu konnen. Egal ob Kongresshaus-Sanierung oder Neubau: die Konsequenzen wären seiner Ansicht nach noch mehr Schulden oder der Ausverkauf an finanzstarke Investoren. Hofer: „Ob es dann endlich ordentliche Schulgebäude, sichere Straßen und eine zukunftsfähige Infrastruktur für uns werden oder man doch lieber einen pompösen Kongresspalast für Besucher baut, werden wohl zum dritten Mal die Bürger zu entscheiden haben.“

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