Plädieren für einen Neubau: (v.l.) Dr. Christian Fulghum, Hans Schmitz (am Bildschirm zugeschaltet), Martin Maurer und Franz Grasegger.
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Plädieren für einen Neubau: (v.l.) Dr. Christian Fulghum, Hans Schmitz (am Bildschirm zugeschaltet), Martin Maurer und Franz Grasegger.

Moderne Begegnungsstätte für Bürger, Kultur und Tagungen

Kongresshaus: Wirtschaftsbeirat plädiert für Neubau

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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In der schwierigen Kongresshaus-Frage ist zwar noch alles offen. Der einflussreiche Wirtschaftsbeirat der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen legt sich aber schon mal fest – und plädiert für den Neubau eines modernen, vielseitig nutzbaren Gebäudes. Tagungen und Kongresse sollen die nötigen Einnahmen liefern.

Garmisch-Partenkirchen – Eigentlich ist der Wirtschaftsbeirat des Marktes Garmisch-Partenkirchen ein Expertengremium, das sich eher im Hintergrund hält und den beiden Bürgermeisterinnen sowie dem Gemeinderat beratend zur Seite steht. Doch beim Dauerbrenner Kongresshaus suchen die fünf Experten – ihr Know-how aus dem Geschäftsleben bringen Franz Grasegger (Trachten- und Modehaus Grasegger), Bernhard Hofmann (Elektro Hofmann), Hans Schmitz (Alpin Convention), Dr. Christian Fulghum (Endogap, Klinikum Garmisch-Partenkirchen) und Martin Maurer (Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen) ein – die Öffentlichkeit. Und zwar mit einer eindeutigen Position. Sie sprechen sich nämlich für den Abriss des Altbestands und für einen Neubau aus.

Neu ist diese Überlegung nicht. Entsprechende Gedankenspiele hatte bereits der von GaPa Tourismus beauftragte Projektentwickler Hinterschwepfinger aus Burghausen in einer Studie angestellt, die das gesamte Umfeld am Richard-Strauss-Platz berücksichtigt. „Das geht in die richtige Richtung“, findet Modehändler Grasegger.

Gremium favorisiert kleine, feine Lösung

Den Mitgliedern des Wirtschaftsbeirats, die jetzt zu einem Pressegespräch eingeladen hatten, schwebt ebenfalls eine moderne „Begegnungsstätte“ vor, ein Haus, das flexibel genutzt werden kann – als Bürgerhaus und für Kultur-Events, aber auch für Kongresse und Tagungen. Architekten sprechen von einem Multifunktionsgebäude. Grasegger & Co. favorisieren eine kleine, feine Lösung mit moderner Ausstattung.

Ob das Kongressgeschäft in der Zeit nach Corona überhaupt noch eine Zukunft hat, darüber wird im Kreisort kontrovers diskutiert. Skeptiker rechnen damit, dass sich das herkömmliche Geschäft mit Konferenzen nicht mehr erholt und fast komplett in die digitale Welt abwandert. Eine Meinung, die beispielsweise die Werbegemeinschaft „Partenkirchen erleben“ vertritt.

Die Wirtschaftsbeiräte teilen diese düstere Prognose nicht. Im Gegenteil: Sie glauben an die Versammlungen vor Ort, etwa von Firmen, Verbänden oder Institutionen – erst recht in einem attraktiven Tourismusort wie Garmisch-Partenkirchen, der im Gegensatz zur Konkurrenz mit einem hohen Freizeitwert punkten kann. Vermutlich, räumen sie ein, fallen die Meetings künftig etwas kleiner aus und werden in hybriden Formaten abgehalten. Aber ein zentrales Bedürfnis bleibe bestehen: „Die Leute wollen sich treffen“, ist Schmitz überzeugt, der als Chef einer Veranstaltungsagentur bestens mit der Branche vertraut ist. Die Marktforschung habe diesen Trend bestätigt, fügt er hinzu. Und auch Banker Maurer ist sich sicher: „Garmisch-Partenkirchen muss mit Qualität überzeugen. Dann werden die Leute kommen.“

Hoher Anspruch der Kunden

Entscheidend ist aus Sicht der Berater, dass der Neubau den hohen Ansprüchen der Kunden genügt. Dazu zählen in erster Linie eine Technik auf dem neuesten Stand, Barrierefreiheit und ein Betriebskonzept, bei dem die Nachhaltigkeit großgeschrieben wird. Das Bestandsgebäude erhält hingegen schlechte Noten: Die Mängelliste sei einfach viel zu lang, heißt es, angefangen bei den verschiedenen Ebenen und dem verschachtelten Raumprogramm bis hin zur nicht mehr zeitgemäßen Infrastruktur. Die nüchterne Bilanz: „Das kann man nicht erhalten. Eine Sanierung wäre unwirtschaftlich“, sagt Grasegger – und spricht von einem „Fass ohne Boden“. Seine Forderung lautet daher: „Was wir jetzt da stehen haben, muss weg.“

Und was ist mit dem Bürgerentscheid aus dem Jahre 2019? Immerhin sprach sich damals eine klare Mehrheit für den Erhalt der gemeindeeigenen, in die Jahre gekommenen Immobilie (Betreiber ist GaPa Tourismus) samt Sanierung und Teilneubau aus. Für Grasegger und seine Mitstreiter ist die Sache klar: „Die Welt hat sich seitdem komplett verändert. Wir müssen neu draufschauen.“ Momentan läuft bekanntlich in Sachen Kongresshaus ein ergebnisoffener und aufwändiger Bürgerbeteiligungsprozess, an dessen Ende ein Ratsbegehren stehen soll.

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