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Kramertunnel: Arbeiten vorerst gestoppt

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Das Tunnelwasser wird in einem großen Auffangbecken (Mitte) zwischengelagert. Von dort aus fließt es durch ein Rohr in Reinigungsbehälter und wird dann weiter in die Durerlaine geleitet (siehe Bild rechts). foto: Martin

Garmisch-Partenkirchen - Die Arbeiten am Südportal des Kramertunnel sind bis auf Weiteres gestoppt: Dreckiges Tunnelwasser floss in die Durerlaine und verschmutzte den Bach. Fischer schlagen Alarm.

„Das Gewässer ist total verschmutzt und mit Schlamm stark belastet“, empört sich Dr. Andreas Keller, Zweiter Vorsitzender der Garmisch-Partenkirchner Kreisgruppe des Bundes Naturschutz (BN), über den Zustand der Durerlaine. Eberhard Hülsmann, Rechtsinhaber und Gewässerwart der Koppelfischer, spricht sogar von einem „immensen Schaden für die Fischerei“.

Schmutz und Schlamm stammen von den Arbeiten des Kramertunnels. Vom Südportal werden große Mengen Wasser aus dem Kramer in die Durerlaine geleitet. Sie spült die trübe Mischung weiter in die Loisach.

Ein Zustand, den Keller so nicht akzeptiert. Er beschwerte sich beim Landratsamt. Sprecher Stefan Scharf bestätigt auf Nachfrage: „Aufgrund einer aktuellen Beschwerde hat sich das Landratsamt unverzüglich mit dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim in Verbindung gesetzt und um Überprüfung gebeten.“ Das Ergebnis: „Der Tunnelvortrieb ruht bis auf Weiteres.“

Johannes Riedl vom Wasserwirtschaftsamt erläutert die Gründe: „Es hat sich herausgestellt, dass die Reinigungsanlage nicht ausreicht.“ Der Bau befinde sich derzeit an einer Stelle, an der sehr viel Wasser anfalle. Dieses wird aus dem Erkundungsstollen gepumpt, in Reinigungscontainern von Schlamm und Schmutz befreit und über Rohre in einen Graben und weiter in die Durerlaine gepumpt. Keller spricht von 160 Litern, die pro Sekunde aus den Rohren strömen.

Die große Menge konnten die Anlagen nicht bewältigen, das Wasser gelangte verschmutzt in den Bach. Bei einem Ortstermin stellten die Experten Riedl zufolge „eine deutliche Gewässertrübung“ fest, Ergebnisse der Wasserproben stünden aber noch aus.

Von den Behörden wurde „die bauausführende Arbeitsgemeinschaft aufgefordert, ein Konzept zu erstellen, wie die vereinbarten Grenzwerte und Einleitkriterien erfüllt werden können“, erläutert Landratsamtssprecher Scharf. Die Lösung: „Jetzt wird am Südportal umgebaut“, sagt Günther Grafwallner, Leiter des Staatlichen Bauamts. Und zwar so, dass das Wasser - getrennt nach Schmutzwasser und klarem Bergwasser - aus dem Tunnel gepumpt wird. In die Reinigungsanlage gelangt dann nur noch die dreckige Flüssigkeit, das System wird entlastet.

„Wahrscheinlich geht der Vortrieb schon am Dienstag weiter“, prognostiziert Grafwallner. Sollte diese Lösung nicht funktionieren, „brauchen wir eine bessere Reinigungstechnologie“, nennt Wasser-Experte Riedl den Plan B.

Und zwar so schnell wie möglich. Denn er gibt zu, dass der Schlamm im Fluss „Fischlaich und Jungtiere schädigt“. Auch Mikroorganismen sind betroffen. Damit fehlt Fischen und Wasseramseln die Nahrung, die Tiere wandern ab. Gewässerwart Hülsmann spricht von vier Kilometern Flussstrecke, die „auf längere Zeit total kaputt sind“.

Neue Fische einsetzen kann er nicht, so lange sie keine Nahrung finden. Bis sich die Natur wieder erholt hat, „kann es ein bis drei Jahre dauern“. Er lässt derzeit ein Gutachten zur Schadenshöhe erstellen.

Janine Tokarski

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