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Mit der Lanze in den Boden: An der alten Brücke laufen gerade die Arbeiten mit der Düsenstrahlmaschine.

Eine Baustelle mit mehreren Baustellen

Kramertunnel: Erste Arbeiten für zweite Loisachbrücke an der Anschlussstelle Burgrain laufen

  • Manuela Schauer
    VonManuela Schauer
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An Arbeit mangelt‘s nicht. Für die Ortsumgehung von Garmisch entsteht eine neue Anschlussstelle bei Burgrain. Nicht nur eine  neue Brücke entsteht dort.

Garmisch-Partenkirchen – Matsch. Überall brauner Matsch und Geröll. Daneben leuchtendes Grün. Baustelle und Golfplatz Werdenfels trennen nur ein Bauzaun. „Die Arbeiter hatten schon Angst“, sagt Andreas Wiedemann und lacht, „dass sie ein Ball trifft“. So verkalkuliert hat sich bislang aber keiner der Sportler auf dem Nachbar-Areal. Der Bautrupp werkelt ohne Beulen und Blutergüsse an der Anschlussstelle Burgrain. Zu tun gibt’s einiges im Außenbereich des Kramertunnels.

Die neue Brücke

Die bestehende Loisachbrücke, die im Zuge der Ortsumfahrung Farchants errichtet wurde, bekommt eine Schwester. Fast sogar eine Zwillingsschwester. „Wir orientieren uns am Bestand“, sagt Bauleiter Wiedemann. „Wir wollen ja kein Brückenmuseum.“ Das zweite Exemplar, das Richtung Norden an das alte angrenzt, wird deshalb ebenso in der Form eines Troges erstellt und misst einmal eine Stützweite von 50,55 Metern.

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Derzeit läuft das Düsenstrahlverfahren. Dafür ist die Spezialfirma Keller vor Ort. Die Mitarbeiter fahren eine Lanze in den Boden. Bis zu vier Meter unter die Fundamentsohle. Dann wird Zement – gemischt in der 17-Tonnen-Maschine auf der anderen Uferseite – injiziert und die Lanze bei ständigem Drehen langsam gezogen. Das Ergebnis: 2,50 Meter hohe Säulen, die für die Fundamente nötig sind. Wegen des Wassers von unten „müssen wir die Sohle abdichten“, sagt Wiedemann, der seit 24 Jahren beim Staatlichen Bauamt Weilheim tätig ist. Bis übernächste Woche soll diese Maßnahme abgehakt sein, die Widerlager bis Ende des Jahres stehen und der Brückenaufbau nach Weihnachten starten. „Da hat die Loisach Niedrigwasser“, sagt Wiedemann. Das macht die Sache deutlich entspannter. Mit der Fertigstellung des gesamten Konstrukts rechnet er im Oktober 2020.

Der Deich

Der Neubau der Brücke, für den die österreichische Firma Habau zuständig ist, erforderte auf einer Länge von 130 Metern einen Eingriff in den Uferbereich. Dieser musste in Richtung Golfplatz verlegt und dort ein Abschlag versetzt werden. „Das ist alles schon erledigt“, sagt Wiedemann. Ein wichtiger Schritt, der in enger Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA) erfolgt ist. Denn sonst wäre der Loi-sach-Durchfluss enger geworden.

Hochwasserschutz: An dieser Stelle, angrenzend an den Golfplatz, entsteht der Steinverbau als Vorleger für den Deich.

Gewaltige Gesteinsbrocken zieren den Uferrand – als Vorleger für den Damm. „Wenn ein Hochwasser-Fall eintritt, darf es die nicht weg schwappen“, verdeutlicht der Fachmann. Rund fünf Meter ragt der Schutzwall voraussichtlich Ende Oktober in die Höhe. „Wir bauen einen richtigen Deich.“

Der wird – immer in Absprache mit WWA und Umweltbauberatung – mit Strömungslenkern, den „Buhnen“, ausgestattet. Diese sorgen für wasserberuhigende Zonen. Den Fischen zuliebe. „Die können dort rasten“, erklärt Wiedemann. Ansonsten würde sich die Loisach dort verhalten wie ein Kanal.

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Die Straßen

Der Verkehr in Richtung Farchant rollt ausschließlich über die alte 7,75 Meter breite Brücke. Die linke Spur ist für die Fahrzeuge aus dem Kramertunnel vorgesehen, die rechte für die aus dem Ortsteil Garmisch kommend. Samt Direktrampe. Diese mündet wie bei einer Autobahnanschlussstelle in die B 23 ein. Um diese zu bauen, muss der Lärmschutzwall gen Weidlegraben versetzt werden.

Der Weg über die neue Brücke – Breite 8,50 Meter – führt in den Kramertunnel Richtung Fernpass, auf einer Verzögerungsspur in die Werdenfelser Straße. Die bleibt bestehen, läuft aber unter der B 23 durch und benötigt wegen „sehr durchlässiger“ Kiese eine Grundwasserwanne. Genau wie bei der Umfahrung Saulgrub, nur mit knapp 200 Metern nicht einmal halb so lang wie das Pendant im Ammertal. „Wenn’s stark regnet, läuft das Wasser in die Wanne“, erklärt Wiedemann. Von dort wird es rausgepumpt, gelangt in ein Rückhaltebecken und fließt schließlich in die Loi-sach ab.

Der Tunnel

Acht Angebote waren bei der Ausschreibung für den Tunnelbau und die Verlegung der B 23 Anfang des Jahres eingegangen. Den Zuschlag für den Auftrag erhielten die BeMo Tunnelling GmbH aus Innsbruck und das tschechische Unternehmen subterra. „Sie sind noch nicht vor Ort“, sagt Wiedemann, werden aber am 2. Dezember aufschlagen, um die Baustelle einzurichten. Mitte Februar soll der Vortrieb von beiden Seiten beginnen. Wenn das Projekt wie geplant 2024 beendet ist, nimmt es einen Spitzenplatz ein. „Der Kramertunnel“, sagt Wiedemann, „ist dann der größte Tunnel an Bundesstraßen in Bayern, der in Gegenverkehr läuft.“

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