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Stein des Anstoßes: Die Wassermenge, die durch den Bau des Erkundungsstollens aus dem Berg austritt, sorgt Dr. Andreas Keller zufolge dafür, dass der Kramer leer läuft.

Bund Naturschutz wehrt sich

Kramertunnel: Klage liegt vorbereitet auf dem Tisch

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Garmisch-Partenkirchen - Der Bund Naturschutz prangert massiv die Umweltschäden an, die beim Bau des Erkundungs- und Rettungsstollens für den Kramertunnel verursacht worden sein sollen. Er hat bereits eine Klage vorbereitet.

100 Liter pro Sekunde sind es, die derzeit – wie hier am Tierheim – aus dem Kramer fließen.

Fassungslos. Das beschreibt in etwa den Gemütszustand von Dr. Andreas Keller. Fassungslos ist der Stellvertretende Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz (BN) vor allem über das Vorgehen der Regierung von Oberbayern, der zuständigen Aufsichtsbehörde beim Bau des Erkundungsstollens für den Kramertunnel. Durch die massiven Umweltschäden, die das Projekt bisher verursacht haben soll, laufe der Berg langsam leer, empört sich der Grainauer. „Schon jetzt sind mehrere Quellen und Bachrisse unterhalb der Martinshütte versiegt und hochwertige Feuchtflächen verloren gegangen.“ Ursache ist für ihn vor allem der enorme Wasseraustritt – statt der erlaubten maximal 5 sind es 100 Liter pro Sekunde, die ständig aus dem Berg fließen. Wie es dazu kommen konnte? Keller zufolge haben die Tunnelbauer die hydrogeologischen Verhältnisse völlig falsch eingeschätzt. Er fordert deshalb, endlich die Alternativtrasse des BN zu prüfen.

Kellers Vorwürfe gegen die Regierung von Oberbayern wiegen schwer: Anstatt den Stollen, wie im Planfeststellungsabeschluss vorgeschrieben, abzudichten, habe sie nun ein neues Verfahren nach dem Umweltschadensgesetz eingeleitet. Ziel ist es, die entstandenen Schäden durch Ersatzmaßnahmen, die Keller „völlig unangemessen“ nennt, aus der Welt zu räumen. Dass der BN diesem Vorgehen seinen Segen versagt, ist klar. Stattdessen fordern Keller und seine Mitstreiter: Es müsse endlich etwas passieren, um die massiven Probleme zu beheben. Nachdem die Regierung das allerdings offenbar aufgrund des „sehr großen technischen und finanziellen Aufwands“ sowie „nicht vertretbarer und unverhältnismäßiger Kosten“ vermeiden wolle, setzt Keller noch eine Forderung drauf: „Wir verlangen, dass unsere Trasse, die zehn Meter weiter links verlaufen würde, geprüft wird.“

Sollte die Regierung dem nicht folgen und weiter gegen ihre eigenen Vorgaben verstoßen, hat Dr. Bernd Tremml im Auftrag des BN bereits eine Klage vorbereitet. Der Münchner Rechtsanwalt, dessen Kanzlei sich seit Jahrzehnten mit derartigen Fällen beschäftigt, ist ähnlich fassungslos wie Keller: „Ich habe selten so eine Abweichung gegen einen Planfeststellungsbeschluss gesehen. Hier werden ganz zentrale Bereiche nicht eingehalten.“ Für ihn steht außer Frage, dass der Bund Naturschutz „in einem Verfahren gute Karten hat“. Da Tremml eine Prozessdauer von mehreren Jahren ankündigt, hofft Keller, dass die Regierung doch noch ein Einsehen hat und auf die Forderungen der Naturschützer eingeht. Fast gebetsmühlenartig erinnert er daran, dass sich er und seine Mitstreiter nie gegen die Garmischer Ortsumfahrung an sich gesträubt hatten, sondern lediglich gegen die Amtstrasse.

All diese Vorwürfe kann Florian Schlämmer, Sprecher der Regierung von Oberbayern, nur bedingt nachvollziehen. Der Erkundungsstollen diene schließlich vor allem dazu, Erkenntnisse zu gewinnen, „welches Verfahren für den Bau des Haupttunnels geeignet ist“. Bevor dieser angepackt wird, „prüfen wir im Rahmen des noch durchzuführenden Planänderungsverfahrens unter Beteiligung der Öffentlichkeit verschiedene Trassenvarianten beziehungsweise Möglichkeiten der Bauausführung im betroffenen Bereich“ – und das unter Berücksichtigung der anzutreffenden geänderten geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse. Ob darunter auch die Alternativtrasse des BN fällt, die im Juni 2009 vor Gericht gescheitert ist, vermag Schlämmer nicht zu sagen. Er widerspricht aber vehement, dass die Regierung verursachte Schäden ignoriere. „Im Bereich des Hauptdolomits erwies sich die Geologie des Kramers entgegen den Prognosen als sehr klüftig“, berichtet er. „Durch den Bau des Erkundungstunnels wurde infolgedessen der Bergwasserspiegel derart abgesenkt, dass an der Oberfläche Quellen trocken fielen und Auswirkungen auf die Vegetation festgestellt wurden. In diesem Bereich kam es leider zu einem Umweltschaden.“ Deshalb habe sein Haus das Verfahren, das jetzt bei den Naturschützern für Empörung sorgt, eingeleitet und das Staatliche Bauamt Weilheim um Vorlage eines Sanierungskonzepts gebeten.

Von Tanja Brinkmann

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