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Geben den Kampf gegen die Straßenplaner auf: (v. l.) Richard Mergner, Axel Doering und Dr. Andreas Keller vom Bund Naturschutz klagen nicht weiter gegen die geplante Trasse des Kramertunnels.

Befürworter der Ortsumfahrung im Glück

Kramertunnel: Bund Naturschutz gibt den Kampf auf

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Es war ein Kampf gegen Windmühlen. Und den beenden die Naturschützer nun. Ihr jahrzehntelanges Bemühen um die bestmögliche Lösung für die Garmischer Ortsumfahrung war vergeblich. Deshalb sehen sie auch von einer weiteren Klage ab. Dem Bau des Kramertunnels dürfte nun nichts mehr im Weg stehen.

Garmisch-Partenkirchen – Die Stimmungslagen könnten unterschiedlicher nicht sein. Trauer, eine gewisse Leere verspürt Axel Doering, Enttäuschung Dr. Andreas Keller. Die Kreisvorsitzenden des Bund Naturschutz (BN) resignieren „vor der Unfähigkeit der Planungsbehörden“. Doering bringt es auf dem Punkt. Für ihn und seine Mitstreiter ist der Kramertunnel „eine einzige Katastrophenplanung“. Gegen die haben sie sich jahrelang gewehrt. Ohne Erfolg. Deshalb verkündete Doering am Donnerstag: „Angesichts der letztendlich sichtbar gewordenen Sinnlosigkeit eines Kampfs gegen behördliche Uneinsichtigkeit und Unwilligkeit, Fehler zu korrigieren oder aus diesen zu lernen, verzichtet der Bund Naturschutz in Bayern auf sein Recht, gegen den Planänderungsbeschluss zu klagen.“

Und an diesem Punkt kommt die andere Stimmungslage ins Spiel: „Einen Aufschrei der Glückseligkeit“ stößt Ursel Kössel aus. Die Sprecherin der Bürgerinitiative „2 Tunnel für Garmisch-Partenkirchen“ ist einfach nur froh und dankbar, dass die Naturschützer keine weiteren juristischen Schritte einlegen. Dem schließt sich Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) an. Trotz aller Freude überwiegt bei ihr aber die Vorsicht. Die Frist, gegen den geänderten Planfeststellungsbeschluss zu klagen, endet am Samstag, 16. September. Das heißt, erst am darauffolgenden Montag steht fest, ob nicht doch jemand diese Option gezogen hat. Freilich war die Sorge, dass der BN davon Gebrauch macht, am größten. „Ich bin wirklich froh, dass dieser Fall nicht eintritt und es weitergehen kann.“

Die blaue Linie zeigt den geplanten Verlauf der Kramertunnel-Trasse. 

Die Schäden, die beim Bau des Erkundungsstollens passiert sind, will die Bürgermeisterin nicht schön reden. „Drei Quellen im Kramer sind versiegt. Das ist Fakt.“ Unterm Strich überwiegt für sie aber das Positive. Nämlich die Aussicht darauf, den Ortsteil Garmisch vom leidigen Durchgangsverkehr zu befreien.

Dagegen hat auch Doering nichts. „Wir haben uns nie gegen die Umfahrung gestellt“, unterstreicht er. Fast gebetsmühlenartig musste er diese Aussage in den vergangenen Jahren angesichts massiver Anfeindungen von Seiten der Befürworter wiederholen. „Das hat Kraft gekostet. Und an den Nerven gezehrt.“ Ihm und den anderen Mitgliedern der BN-Kreisgruppe ging es aber einzig darum, eine Trasse zu finden, die ohne massive Eingriffe in die Natur auskommt. „Wir wollen nicht verzögern, sondern retten“, sagt der Garmisch-Partenkirchner. Nachdem klar war, dass „man hier nur noch verzögern hätte können, verzichten wir auf eine Klage“. Eine reine Entscheidung der Vernunft.

Gesamte Planung ist ein „Riesenskandal“

Noch herrscht Stillstand an der Baustelle des Kramertunnels.

Die vorliegende Trasse taugt den Naturschützern zufolge „nur für eines, als schlechtes Beispiel für zukünftige Planungen“. Dieser Kritik stimmt BN-Landesbeauftragter Richard Mergner zu: „Das Ganze wurde mit absolut heißer Nadel vorangetrieben und ist ein Tiefpunkt der bayerischen Straßenbaupolitik.“ Sämtliche Warnungen der Naturschützer, die insbesondere Probleme mit der Geologie im Kramermassiv vorhergesagt hatten, seien ignoriert worden. Mit dem Ergebnis: „Vier Jahre Verzögerung, zig Millionen Euro Mehrkosten und Schäden an der Natur – dafür wird jetzt niemand zur Rechenschaft gezogen.“ Für ihn ein Riesenskandal. „Garmisch-Partenkirchen und die Region hätten etwas Besseres verdient.“

Wenn auch die Trasse an sich von Seiten des BN kein Thema mehr fürs Gericht ist, so bleiben die entstandenen Schäden durchaus noch ein Fall für die Juristen. „Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof muss noch über die Regulierung nach dem Umweltschadensgesetz entscheiden“, betont Keller. Denn mit den Ausgleichsflächen, die noch dazu größtenteils gar nicht im Landkreis Garmisch-Partenkirchen liegen, lässt er sich nicht abspeisen. Den Beschluss der Richter erwartet er noch in diesem Jahr.

Startschuss umgehend nach Ablauf der Klagefrist

Dem blickt Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim, gelassen entgegen. Entscheidend für ihn ist, dass der BN nicht klagt – „eine positive Zwischennachricht“. Ähnlich wie Meierhofer wartet aber auch er das Ende der Klagefrist ab. Ehe wieder Arbeiter auf der Baustelle auftauchen, sei außerdem der Bund gefordert. „Der muss die Mittel freigeben.“ Der Startschuss für den Weiterbau der Garmischer Ortsumfahrung fällt in Berlin.

Und zwar, wenn nichts dazwischen kommt, noch vor der Bundestagswahl. „Umgehend“ nach Ablauf der Klagefrist, bestätigt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), werde das Ganze geprüft. „Dann erfolgt die Finanzfreigabe.“ Dass er diese Möglichkeit nun hat, dafür ist er dem BN dankbar.

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