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Stillstand: An der Baustelle des Kramertunnels geht seit 2013 nichts mehr vorwärts. 

Kommt die nächste Klage?

Kramertunnel: Die Meinung der Naturschützer steht

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Bis September bleibt dem Bund Naturschutz Zeit, sich zu entscheiden. Für oder gegen eine Klage. Für oder gegen den schnellstmöglichen Weiterbau des Kramertunnels. Schon jetzt scheinen sich die Naturschützer einig zu sein. Offiziell verkünden wollen sie ihre Haltung am 31. August.

Garmisch-Partenkirchen – Eine Frage treibt Kramertunnel-Befürworter in diesen Tagen um: Wird er oder wird er nicht? Wird der Bund Naturschutz gegen den neuen Planfeststellungsbeschluss klagen? Damit würde er den Weiterbau der Garmisch-Partenkirchner Umfahrung, vor knapp vier Wochen so groß verkündet, auf unbestimmte Zeit blockieren. Bis 18. September müssen sich die Naturschützer entscheiden. Doch so viel Zeit brauchen sie nicht. Am 31. August werden sie die Öffentlichkeit informieren. In den eigenen Reihen ist die Entscheidung vermutlich schon gefallen.

„Wir haben eine Meinung“, sagt Axel Doering auf Tagblatt-Anfrage. Nur wie diese ausschaut, das verrät der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz (BN) nicht. Wie er über das verantwortliche Staatliche Bauamt Weilheim und die neuen Pläne denkt, daraus aber macht Doering kein Geheimnis.

Die Regierung von Oberbayern genehmigte am 28. Juli den Weiterbau des Kramertunnels – nach vier Jahren Stillstand. Denn 2013 hatte man die Arbeiten am Erkundungs- und Rettungstollen einstellen müssen. 348 Meter vor dem Durchbruch waren die Arbeiter auf eine lockere Geröll- und Sandschicht gestoßen, Wasser trat ein.

Grundwasser wird vorübergehend abgesenkt

Wie sollten die Experten reagieren? Verschiedene Varianten standen im Raum. Zwei davon – extrem teuer. Für die dritte hat sich die Regierung nach vier Jahren nun entschieden: Man werde das Grundwasser vorübergehend absenken.

Eine Möglichkeit, die Doerings Blutdruck in die Höhe katapultieren müsste. Doch der Garmisch-Partenkirchner bleibt ruhig. „Das hat mich nicht überrascht“, sagt er. „Es wundert mich nicht mehr, dass man sich für die schlechteste und billigste Variante entscheidet.“ Damit hätten sich nur die bisherigen negativen Erfahrungen bestätigt, die er mit dem Straßenbauamt gemacht habe. Diese Behörde „ist ein Drama für uns Steuerzahler und für die Umwelt“.

Unbestritten fielen bereits drei Quellen im Kramer-Massiv trocken. Doering prophezeit weitere Umweltschäden durch das gewählte Verfahren. Das Moor werde es danach in dieser Form nicht mehr geben. Auf „unvermeidbare Eingriffe in Natur und Landschaft“ ging auch die Regierung in ihrer Mitteilung im Juli ein – und präsentierte eine Lösung: circa sechs Hektar Ausgleichsflächen. Diese liegen Regierungssprecher Dr. Martin Nell zufolge bei Unterammergau (knapp drei Hektar), „Im Gsott“ bei Bad Kohlgrub (knapp ein Hektar) sowie in Lenggries (gut zweieinhalb Hektar).

Kopfschütteln bei Doering

Ankündigungen, die Doering und sein Team „kein bisschen beruhigen“. Man zerstöre die Umwelt – und präsentiere einfach andere Flächen. Für den Kreis-BN-Vorsitzenden ein unsägliches Vorgehen. „Das Credo müsste doch sein, die Schäden zu minimieren und zu beseitigen.“

Auch das Thema Geld bringt Doering zum Kopfschütteln. Tatsächlich rechnete die Regierung 2007, noch vor der Planfeststellung, mit 104 Millionen Euro. 2013 war bereits von 133 Millionen Euro die Rede. Mittlerweile kalkuliert die Regierung Nell zufolge mit 189 Millionen Euro für die 5,6 Kilometer lange Umfahrung.

Mit jedem weiteren Tag Stillstand steigen die Kosten. Gerne werfen Tunnelbefürworter dem Bund Naturschutz vor, das Projekt durch eine Klage bereits massiv verzögert zu haben. Tatsächlich reichte der BN schon 2008 Klage gegen die geplante Trasse ein. Im Juni 2009 scheiterte er damit vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Gut ein Jahr Verzögerung steht damit vier Jahren Stillstand gegenüber. „Und diese vier Jahre bis jetzt sind nicht unsere Schuld“, betont Doering.

Es gibt bestimmt nicht viele Punkte, in denen Naturschützer und Straßenbauer einer Meinung sind. Einen aber nennt Doering: „So, wie es jetzt ist, ist es kein Zustand.“ Was er und seine Mitstreiter aber dagegen unternehmen, werden sie erst am 31. August verraten. Wenn sie die eine Frage beantworten: Werden sie oder werden sie nicht?

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