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Still gelegt: die Baustelle am Südportal des Erkundungsstollens.

Bau des Kramertunnels

Naturschützer wehren sich gegen "Pfusch-Trasse"

Garmisch-Partenkirchen - Die Argumente sind ausgetauscht, die Positionen klar: Rückenwind bekommen die Naturschützer im Kampf gegen die geplante Trasse des Kramertunnels von den Grünen.

"Wenn Sie sehen wollen, wie etwas politisch so richtig schief laufen kann, dann orientieren Sie sich an dem Bau des Kramertunnels.“ Jörg Jovys Worte sind deutlich. Ein Raunen geht durch den Saal. Gleich zu Beginn des Diskussionsabends im Gasthof Schatten, zu dem das Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam mit dem Bund Naturschutz (BN) geladen hatte, machte der Sprecher des Grünen-Kreisverbands seinem Unmut über den Stillstand bei der Ortsumfahrung Garmisch Luft. „Sehr bedauerlich“ fand er es, dass das Staatliche Bauamt Weilheim der Einladung zur Veranstaltung nicht gefolgt war. „Anscheinend fürchten sie unsere Argumente.“ Diese legten die Naturschützer den rund 30 Zuhörern einmal mehr dar. Im Zuge des nötig gewordenen, derzeit laufenden ergänzenden Planfeststellungsverfahrens wollen Grüne und der BN den „desaströsen Weiterbau der Amtstrasse“ mit einer Unterschriftenaktion stoppen. Stattdessen sollte nach Meinung der Naturschützer auf die Alternativtrasse, auf die zehn Meter weiter links läuft und vom BN seit Jahrzehnten verfochten wird, umgeschwenkt werden. Grünen-Landtagsabgeordneter Markus Ganserer warnteeindringlich davor, mit dem bisherigen „Raubbau“ am Kramer weiterzumachen. Der Baustopp aufgrund des enormen Wassereintritts beim Erkundungsstollen zeige dies deutlich. Ganserer forderte die Verantwortlichen auf, „ihre Fehler einzugestehen“ und zu einer „sinnvollen Lösung“ beizutragen. „Wie man sehen kann, ist ein Weiterkommen des Projektes nicht möglich. Bevor noch mehr Umweltzerstörung passiert, sollten wir die Gelegenheit ergreifen, um auf die ökologischere, umweltfreundlichere Alternative zu setzen“. Jovys und Ganserers Vorschlag löste bei einigen Anwesenden großen Unmut aus. „Ihr Grünen seit doch grundsätzlich gegen alles. Ihr wollt den Bau verhindern, damit ihr Recht behaltet“, warf Hans Sedlmaier von der Initiative „2 Tunnel für Garmisch-Partenkirchen“ ihnen vor. „Hier geht es nicht ums Recht haben“, entgegnete Jovy. „Uns geht es einzig um die nachhaltigste Lösung für den Landkreis. Wir wollen alle den Tunnel und sitzen alle im gleichen Boot.“ Zweiter Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) versuchte hingegen einmal mehr die Gründe für den Bau der Amtstrasse zu erläutern. „Die einzige Möglichkeit, den Tunnel zu realisieren, wurde genutzt“, sagte er. „Es gilt jetzt nur noch, die Zeit und die Finanzierung abzuwarten, damit das Projekt abgeschlossen werden kann.“ Auf die Alternativ-Lösung, die unter dem US-Areal in der Breitenau verläuft, könne „nach wie vor“ nicht ausgewichen werden. „Immer noch sind die Amerikaner gegen eine Unterbauung ihres Gebiets“. Dieser Behauptung widersprach Jovy scharf und stellte sie als „falschen Vorwand des Bauamtes“ dar. Bis zur Fertigstellung des Tunnels seien die Streitkräfte vermutlich nicht mehr in der Marktgemeinde stationiert, mutmaßte Ganserer. „Dann wäre es eh hinfällig, um sie herum zu bauen.“ Die USA hatte ihren teilweisen Rückzug von der Fläche in der Breitenau angekündigt. Auch für Grünen-Kreisrätin Tessy Lödermann gibt es keine andere Lösung als eine Alternative. Zu viele Verstöße gegen den Naturschutz habe sie beim Projekt Kramertunnel bisher mit ansehen müssen. Als sie „lauter tote Fische“ in der Loisach vorfand, die ihrer Aussage nach durch den Bau verendeten, habe sie des öfteren schon die Polizei gerufen. „Die Trasse, die wir heute haben, ist eine Pfusch-Trasse. Bei dieser Naturzerstörung mache ich nicht mit.“ Mehrere Zuhörer aus dem Publikum sprachen sich jedoch vehement dagegen aus, jetzt noch „etwas ganz Neues anzufangen“. Ursel Kössel von der 2-Tunnel-Initiative gab zu bedenken, dass der Lösung des Bauamts noch nicht einmal Gehör geschenkt worden sei. Ganserer entgegnete energisch: „Das Bauamt hat keine Lösung. Der Bau des Tunnels ruht. Glauben Sie nicht, dass sich das in naher Zukunft ändern wird."

maw

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