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Zwei Gleichgesinnte: Schlachthof-Leiter Peter Strobel (l.) und Landrat Anton Speer.

Defizit wird aber nicht totgeschwiegen

Kreisschlachthof verbucht Erfolge

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Peter Strobel leitet seit gut acht Monaten den Kreisschlachthof in Garmisch-Partenkirchen. Er will die Zahlen verbessern. Und feiert bereits Erfolge. Gewinn aber erzielt der Betrieb keinen.

Garmisch-Partenkirchen – Es geht nicht ums Geld. Zumindest nicht in erster Linie. Diesen Punkt stellt Landrat Anton Speer (Freie Wähler) gleich einmal klar. Das Wort „Defizit“ ist noch nicht ausgesprochen, da rutscht er auf seinem Stuhl schon nach vorne, senkt den Kopf, hebt die Augenbrauen und legt die Unterarme auf den Tisch. Will da jemand seine Herzenssache in ein schlechtes Licht rücken? Wenn – er würde es sie verteidigen. Der Kreisschlachthof Garmisch-Partenkirchen ist für ihn über alle Zweifel erhaben. Mit dem neuen Leiter Peter Strobel hat Speer einen Gleichgesinnten an seiner Seite. Und die zwei liefern gute Argumente. Die wichtigsten Schlagwörter: regionale Vermarktung, Tierwohl und Tierschutz.

Gerade die kurzen Anfahrtswege sprechen für den Betrieb. „Die Tiere kommen stressfrei an“, sagt Strobel. Das schmecke man am Fleisch. Am Abend vor der Schlachtung – jede Rasse hat bestimmte Zeiten – liefern Landwirte und Metzger ihre Tiere. Die Nacht verbringen sie in einem extra gebauten Stall, sie werden mit frischem Heu und Wasser versorgt. Auf Details wie diese legt Strobel Wert. „Höchstes Niveau“ bescheinigt er dem Schlachthof in Sachen Qualität und Tierschutz. Genau werde darauf geachtet, dass „auf die bestmögliche Art und Weise“ geschlachtet wird. Eng arbeitet der Betrieb mit der Amtstierärztin zusammen, die die Tiere genau untersucht – vorher (Lebendbeschau) und nachher (Fleischbeschau). Alles wird exakt dokumentiert, Mitarbeiter werden geschult. Mittlerweile ist der Betrieb unter anderem mit dem Zertifikat „Geprüfte Qualität Bayern“ des Landwirtschaftsministeriums ausgezeichnet, darf zudem nach Bio-Kriterien schlachten.

Bleibt das Defizit.

Das gibt’s, das leugnet Speer nicht. 2015 und 2016 lag es bei 141.000 Euro. „Einen solchen Betrieb kostendeckend zu führen, ist unmöglich“, betont der Landrat. Zu sehr müsste man die Preise erhöhen. Das will keiner. Dennoch hat Strobel die Kosten im Blick. Sein Ziel: die Schlachtzahlen weiter nach oben zu schrauben. Er ist auf dem besten Weg.

Keine Prognosen für 2018

Im April übernahm der 54-jährige Metzgermeister aus Garmisch-Partenkirchen das Amt von Vorgänger Dr. Timm Vollmer. Speer sieht in dem „Mann aus der Praxis“ einen „echten Glücksgriff“. Und er schwärmt von Rekordzahlen (siehe unten). Eine bessere Auslastung aber bedeutet nicht automatisch mehr Gewinn. Auch das stellt Strobel klar. Das Jahr 2017 liefert den Beweis: An der Martinswinkelstraße 8 wurden bis zum 14. Dezember 95 mehr Tiere geschlachtet als im Vorjahr. Das Defizit aber liegt bei 212.000 Euro – um 71 000 Euro höher als 2016. Gestiegene Kosten für das Personal (etwa wegen der Schulungen), den Bauunterhalt sowie die Tierkörperbeseitigung nennt Stephan Scharf als Gründe. Dass sich das Minus im kommenden Jahr zwischen 140.000 und 210.000 Euro einpendelt, hält der Landratsamtssprecher für realistisch, mit einer weiteren Steigerung rechnet er nicht.

Auf konkrete Prognosen oder Ziele für 2018 lassen sich weder Speer noch Betriebsleiter Strobel ein. Man müsse abwarten, Kosten und Nutzen gegenüberstellen, sehen, welche Auslastung man ohne zusätzliches Personal stemmen könne.

Minus hin oder her – den Kreisschlachthof bezeichnet Speer nicht nur als Herzensangelegenheit, sondern auch als Alleinstellungsmerkmal. In ganz Bayern gibt es ihm zufolge keinen Landkreis mit einem solchen Betrieb. Der stand 2008 vor einer ungewissen Zukunft. Neue europäische Richtlinien verlangten eine aufwendige Sanierung. Speer freut sich noch heute über das klare Bekenntnis des Kreises zum Schlachthof: 2,5 Millionen Euro investierte er damals in den Umbau. Nach wie vor „stellt den Betrieb niemand in Frage“. Bei diesem Satz rutscht Speer wieder auf seinem Stuhl nach vorne. Das möge auch so bleiben.

Verbraucher will mehr regionale Produkte

Der Kreisschlachthof in Garmisch-Partenkirchen verzeichnet gute Zahlen. Leiter Peter Strobel macht dafür unter anderem den umfangreichen Service des Betriebs verantwortlich. Für Landwirte solle alles „absolut unkompliziert“ laufen. Zudem bemerkt der Metzgermeister ein Umdenken bei Verbrauchern. Ihm zufolge schätzen sie verstärkt regionale Produkte und Fleisch, bei dem sie wissen, woher es kommt.

Auch zahlt sich ein Projekt der Zugspitz Region GmbH aus: Es vermarktet gezielt das Murnau Werdenfelser Rind. Jürgen Lochbihler, der sich mit seiner Muwe Fleischhandels GmbH in München auf diese besondere Rasse spezialisiert hat und mit dem der Kreisschlachthof bereits seit Mitte 2014 kooperiert, kündigte Landrat Anton Speer gegenüber bereits an, mehr Tiere nach Garmisch-Partenkirchen zu bringen.

Die Zahlen im Überblick:

2015

346 Großvieh

58 Kälber

3556 Schweine

1187 Lämmer und Schafe

2016

430 Großvieh

64 Kälber

3665 Schweine

1210 Lämmer und Schafe

2017 (bis 14. Dezember)

590 Großvieh (davon zwischen September und Mitte Dezember allein 63 Murnau Werdenfelser Rinder)

60 Kälber

3276 Schweine

1538 Lämmer und Schafe

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