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Die Niedrigzinsphase und ihre Folgen

Sparkasse baut weiter ab

„Keine einfache Zeit für regionale Sparkassen“: Vor Lokalpolitikern hat Landrat Anton Speer die Situation im Kreis auf den Punkt gebracht. Die Zahl der Immobilien, Mitarbeiter und Auszubildenden muss weiter zurückgefahren werden.

Landkreis – Anfang April war es, als die Kreissparkasse zum Bilanz-Pressegespräch gebeten hatte. Die deutliche Botschaft damals: Der Gewinn 2016 ist im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent auf nur noch 153 000 Euro weggebrochen. In den Kreisgremien haben Vorstandsvorsitzender Peter Lingg und seine Kollegin Grit Fugmann nun zu den Zahlen Stellung genommen. Es zeigte sich: Hätte die Sparkasse nicht ihre Immobilien an der Zugspitzstraße in Garmisch-Partenkirchen und in Unterammergau für 1,5 Millionen Euro veräußert, würde die Bilanz ganz anders aussehen. „Dann gebe es keinen Gewinn“, sagte Rolf Beuting (ÖDP) im Kreisausschuss. Und auch heuer stehe mit der Veräußerung der Immobilie in Grainau ein Sonderertrag an.

Von den Lokalpolitikern war in gewisser Weise Verständnis zu spüren, dass die Banken mit den Auswirkungen der Niedrigzinsphase zu kämpfen haben. So wurde die Ausdünnung des Filialen-Netzes zur Kenntnis genommen, aber nicht kritisiert. Gleiches gilt für laut Sparkasse „deutlichen Rückgang“ der Mitarbeiter: Waren es Ende 2016 noch 247, werden es Ende 2018 wohl nur noch 206 sein, davon 169 Vollzeitbeschäftigte. Auch im Bereich der Auszubildenden sind Veränderungen geplant: Bislang wurden pro Jahr immer zehn junge Menschen in die Banklehre genommen. Ab heuer sind es nur noch sechs.

Berufszweig an Berufsschule erhalten

Eine Entwicklung, mit der die Einrichtung nicht allein in der Region ist. Im Gegenteil. Wie Landrat Anton Speer (Freie Wähler) im Kreisausschuss erklärte, gab es wegen des Rückgangs an Banklehrlingen sogar einen Runden Tisch. Ziel: „Den Berufszweig an der Berufsschule zu erhalten. Wenn der einmal weg ist, bekommen wir den nicht mehr wieder. Das wäre ein Riesenschaden.“ Einer, der noch abgewendet werden konnte. „Keine einfache Zeit für regionale Sparkassen“, sagte Speer.

Neben allem Verständnis für die Entwicklung wurden in den Kreisgremien aber auch Sorgen laut. „Wie zukunftsfähig ist die Sparkasse“, wollte Walter Echter (CSB) wissen. „Wie lange können wir unsere Sparkasse noch so führen“, fragte sich Martin Wohlketzetter (SPD). Lingg gab sich darauf „zuversichtlich“. Zum einen wegen der eingeleiteten Maßnahmen, die von allen Mitarbeitern zum Erhalt der Einrichtung mitgetragen werden. Zum anderen „bauen wir auf unsere Eigenkapitalbasis“ und die guten Zahlen im Vertrieb, etwa im Bereich Versicherungen und Bausparen.

Vertrauensverlust bei Kunden als Folge der gescheiterten Fusion

Nichtsdestotrotz wollte Lingg nicht zu tief in die Glaskugel schauen. Erklärte aber, dass die Verantwortlichen zum jetzigen Zeitpunkt „eine stabile Zukunft“ für die nächsten fünf Jahren sehen. Die Kreissparkasse gehört schon jetzt zu den sechs kleinsten Einrichtungen dieser Art in ganz Bayern. Bald schon werde es nur noch drei derart kleine Einheiten im Sparkassen-Netz geben.

Im Jahr 2015 gab es Fusionspläne der Kreissparkasse mit den Vereinigten Sparkassen Weilheim und der Kreissparkasse Schongau. Nach ausgiebigem politischen Streit scheiterte das Vorhaben dann am Votum des Garmisch-Partenkirchner Verwaltungsrats. Die befürchtete Folge: Vertrauensverlust bei potenziellen Partnern und den Kunden. Letztere müssen nun zwar ein schrumpfendes Filialnetz hinnehmen, können sich aber über eine moderne  Zentrale freuen. Der Bau an der Bahnhofstraße wurde 2014 eröffnet. Er hat 17,5 Millionen Euro gekostet.

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