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Kriminalität im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Corona als Dämpfer

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Von: Andreas Seiler

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Präsentieren den Bericht zur Sicherheitslage 2021: Landrat Anton Speer und Polizeipräsident Manfred Hauser. Das
Präsentieren den Bericht zur Sicherheitslage 2021: Landrat Anton Speer und Polizeipräsident Manfred Hauser. © Sehr

Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist ein sicheres Pflaster: Dies geht aus der Kriminalstatistik für das Jahr 2021 hervor, die gestern von der Polizei vorgestellt wurde. Demnach ließ die Corona-Pandemie die Zahlen spürbar sinken. Trotzdem gibt es Sorgenkinder wie den boomenden Callcenter-Betrug.

Landkreis – Die Corona-Pandemie mit ihren Lockdowns hatte auch etwas Gutes. Denn der zeitweise Tiefschlaf des öffentlichen Lebens schaffte vergangenes Jahr weniger Tatgelegenheiten und drückte somit im Landkreis Garmisch-Partenkirchen die Kriminalstatistik deutlich nach unten. „Die Sicherheitslage ist sehr erfreulich“, bilanzierte Manfred Hauser, Polizeipräsident in Oberbayern Süd, der im Rahmen eines Pressegesprächs das Zahlenwerk vorstellte. Diese positive Entwicklung schaffe Vertrauen, merkte Landrat Anton Speer (Freie Wähler) an – bei den Einheimischen und den Urlaubern.

3542 Straftaten gezählt

Die Ordnungshüter registrierten 2021 insgesamt 3542 Straftaten – 473 weniger als im Vorjahr. Das ist ein Rückgang von 11,8 Prozent. Die Aufklärungsquote war erneut sehr hoch und machte 73,2 Prozent aus (2020: 73,4 Prozent). Als Gradmesser für die Verbreitung von Kriminalität dient die sogenannte Häufigkeitszahl, die hier im Landkreis bei einem Wert von 4012 pro 100 000 Einwohnern liegt. Zum Vergleich: Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd sind es 3958, im gesamten Freistaat 4138. Voriges Jahr wurden hierzulande 2013 Tatverdächtige ermittelt. Der Anteil der Ausländer lag bei 47 Prozent, der der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden bei 16,3 Prozent. Bei den einzelnen Straftaten wurden unter anderem 630 Rohheitsdelikte, 566 Diebstähle, 483 Fälle von Straßenkriminalität, 456 Vermögens- und Fälschungsdelikte, 338 Rauschgiftdelikte, 83 Sexualdelikte, 18 Wohnungseinbrüche und 2 Tötungsdelikte gezählt. Allerdings darf bei solchen Erhebungen nicht außer Acht gelassen werden, dass es mitunter Dunkelziffern gibt.

Die Umsetzung der Corona-Politik forderte ebenfalls die Beamten, die beispielsweise kontrollierten, ob die Hygieneauflagen eingehalten wurden. „Das war eine Mammutaufgabe. Es ging darum, das Infektionsgeschehen einzudämmen“, berichtete Hauser. Seiner Einschätzung nach brachte das Gros der Bevölkerung – trotz vereinzelter Kritik – hierfür Verständnis auf. Friedlich seien die Montagsdemos abgelaufen, bei denen Corona-Gegner ihrem Ärger Luft machten. Nur ein kleiner Teil davon, so Hauser weiter, habe demokratiefeindliche Tendenzen gezeigt.

Neue Felder der Kriminalität

In der Tourismusregion zwischen Staffelsee und Karwendel herrscht nicht immer eitel Sonnenschein. Die Polizei sieht neue Felder der Kriminalität. „Wir haben eine Verlagerung ins Virtuelle“, sagte Hauser – ein Trend, der ihm Bauchschmerzen bereitet. Als „Sorgenkinder“ bezeichnete er die Verbreitung kinderpornografischer Inhalte, die blühende Hass-Kultur im Internet und das offenbar florierende Geschäft der Callcenter-Betrüger. Letzteres greift um sich – und findet, vor allem unter Senioren, immer wieder gutgläubige Opfer, die um ihre Ersparnisse gebracht werden. „Die Täter gehen immer perfider und skrupelloser vor“, warnte Hauser. Die Sicherheitsbehörden setzen vor allem auf Prävention und Aufklärung, um den Abzockern, die meist aus dem Ausland agieren, das Handwerk zu legen.

Und was bringt 2022? Dieses Jahr steht für die Polizei ganz im Zeichen des G7-Gipfels Ende Juni auf Schloss Elmau. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. 13 Protest-Veranstaltungen seien bislang angemeldet, heißt es, von der Kundgebung bis zum Sternmarsch. Neben den klassischen G7-Gegnern werden auch vermehrt Klimaaktivisten erwartet. Konkrete Hinweise auf weitere Gruppen, etwa aus der Querdenker-Szene, habe man nicht, erläuterte Hauser. „Die Mobilisierung ist insgesamt etwas verhalten.“ 2015, als sich die Staats- und Regierungschefs der sieben mächtigsten, westlichen Industrienationen schon einmal in dem Luxushotel im Isartal trafen, sei im Vorfeld das „Grundrauschen“ stärker gewesen.

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