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Einer der wenigen Lokalpolitiker beim Festzug: Wolfgang Bauer fungierte als Stellvertreter der Bürgermeisterin. Neben ihm marschieren der Gauvorsitzende Josef Mayr und Gaujugendwart Franz Mangold.

Stellvertretender Gau-Jugendwart macht seinem Ärger Luft

Kritik beim Gaujugendtag: Gemeinderäte glänzen durch Abwesenheit

Zum Festzug des Gaujugendtags der Oberländer Trachtenvereinigung strömten tausende Besucher. Viele Gemeinderäte glänzten durch Abwesenheit. Neben dem Vize-Bürgermeister waren nur vier nach Partenkirchen gekommen. Garmischs Trachtenchef Christian Ruf ärgert dieses geringe Interesse.

Garmisch-Partenkirchen – Gefuxt hat es ihn. Und zwar richtig. Als Christian Ruf, Chef des Garmischer Volkstrachtenvereins nach dem Gaujugendtag der Oberländer Trachtenvereinigung am Sonntag nach Hause gekommen ist, platzte ihm der Kragen. Er musste sich Luft machen. Und zwar auf Facebook. Mit einer öffentlichen Mitteilung. Grund des Ärgernisses war der Gaujugendtag. Nicht, weil der nicht schön gewesen wäre. Mit größtenteils weiß-blauem Himmel, mehr als 2000 strahlenden Nachwuchs-Trachtlern des Gaus – zu dem Vereine aus den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau gehören – und begeisterten Besuchern, kann man die Veranstaltung durchaus als Erfolg bezeichnen. Der Stein des Anstoßes war ein anderer. Einer, der nachvollziehbar ist.

Ruf kritisiert, dass fast keine Vertreter des Garmisch-Partenkirchner Gemeinderats beim Festzug in Partenkirchen anwesend waren. Immerhin „eine der größten Kulturveranstaltungen im Ort“. Von 29 Gemeinde-Vertretern waren nur 4 anwesend – der Zweite Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) nicht eingerechnet. Er fungierte als Vertretung für Rathaus-Chefin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). Auch sie war nicht in Partenkirchen, sondern wegen eines Termins entschuldigt. Hannes Biehler (CSU) und Andreas Grasegger (Bayernpartei) marschierten als Mitglieder des Trachtenvereins und der Musikkapelle beim Umzug ohnehin mit. Außerdem waren Michael Bräu (CSU) und die CSU-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Koch vor Ort. Sowie als Vertreter des Landkreises Landrat Anton Speer (Freie Wähler).

Abwesenheit „soll keine Missachtung sein“

Dass die Liste der Lokalpolitiker nicht länger ist, findet Ruf „sehr schade“. Das sagt er mit Nachdruck. Die Sache ist ihm wichtig. „Es geht um unseren Nachwuchs.“ Der Trachten-Chef stört sich nicht daran, dass die Bürgermeisterin verhindert war. Immerhin war ihr Stellvertreter da. Im Gegensatz zu vielen anderen Lokalpolitikern.

Diese könne man nicht dazu verpflichten, den Gaujugendtag zu besuchen. „Es gibt dafür keine Regelungen“, sagt Rathaus-Sprecher Martin Bader. Einer der Bürgermeister ist bei Großveranstaltungen im Ort immer anwesend. „Da gibt es natürlich Absprachen.“ Wenn beide verhindert sind, könne es schon mal sein, dass ein Gemeinderat einspringt.

Nicht dazu verpflichtet, zum Gaujugendtag zu kommen, fühlte sich Florian Hilleprandt, Gemeinderat und Fraktionsvorsitzender des CSB. Beim Trachtenumzug glänzte auch er durch Abwesenheit. „Für mich war das eine Gausache“, sagt er und stellt klar: „Das soll keine Missachtung sein.“ Natürlich sei der Tag sehr wichtig, betont er. Wenn auf sein Erscheinen so viel Wert gelegt wurde, hätte er sich eine offizielle Einladung gewünscht.

CSU-Fraktionsvorsitzende stimmt Ruf zu

Da ist Elisabeth Koch anderer Meinung. Sie stimmte auch Rufs Stellungnahme auch auf Facebook deutlich zu. „Für mich war es eine Selbstverständlichkeit zu kommen“, betont sie. Dafür brauche es keine Einladung. Immerhin gibt es die bei einem Patrozinium auch nicht. Koch findet es ebenfalls sehr schade, dass nur wenige Gemeinderäte am Sonntag in Partenkirchen waren, um den jungen Trachtlern die Ehre zu erweisen. Fast alle, die da waren, gehörten ihrer Partei an – mit Ausnahme von Andreas Grasegger (Bayernpartei). „Darum geht es mir aber gar nicht“, betont Koch. Vielmehr blickt sie auf den Gemeinderat als Gesamtheit. „Wir werden als Kollektiv wahrgenommen“, sagt sie. Mehrfach wurde sie im Festzelt und am nächsten Morgen beim Bäcker angesprochen, warum so wenig Gemeindevertreter beim Umzug waren. „Das wird registriert.“

Dazu, und zu der Kritik Rufs wollte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Robert Allmann nicht äußern. Florian Möckl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, sieht die Lage „entspannt“. Er könne beide Seiten verstehen, sagt er. Findet es aber nicht richtig, Dinge wie diese in sozialen Medien zu diskutieren. „Vor allem weil manche Kollegen nicht bei Facebook sind.“ Ebenfalls weniger tragisch bewertet Andreas Grasegger (Bayernpartei) die Angelegenheit. „Ich verstehe Herrn Ruf“, sagt er. Er hat aber auch Nachsicht, wenn nicht alle den Termin wahrnehmen konnten. „Manche sind eben verhindert oder im Urlaub.“ Er fände es – wie Hilleprandt – gut, wenn die Gemeinderäte zukünftig Einladungen bekämen. Vielleicht trudeln die bereits kommendes Jahr bei den Lokalpolitikern ein. Dann nämlich organisiert der Partenkirchner Trachtenverein den Gaujugendtag erneut.

Magdalena Kratzer

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