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Schaufeln, was das Zeug hält. 

Es gab sogar einen internen Wettkampf

Einsatzkräfte des Katastrophenfalls feiern Helferfest - mit vielen Anekdoten

Unermüdlich haben sie während des Katastrophenfalls geackert. Jetzt lud der Landkreis und die besonders betroffenen Gemeinden zum großen Helferfest nach Krün ein. Rund 400 Einsatzkräfte kamen.

Krün – Urplötzlich tauchte er auf, erschien mit der Schneeschaufel ausgerüstet in der Mittenwalder Rettungswache des Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Der fremde Mann „hat gefragt, ob er uns helfen kann“, erzählt der Vize-Bereitschaftsleiter Hannes Sörgel. Es war nicht etwa ein Kurgast, der zu dieser Zeit im Ort weilte. Sondern ein Nürnberger, der freiwillig aus Franken ins Isartal gereist war, um den Einsatzkräften während des Katastrophenfalls im Januar dieses Jahres zur Seite zu stehen.

Machten das Fest möglich: (v.l.) Landrat Anton Speer, Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer und ihre Kollegen Peter Imminger, Adolf Hornsteiner, Hansjörg Zahler und Thomas Schwarzenberger.

Beim großen Helferfest im Kurhaus Krün gehörte der Mann nicht zu den Gästen. Dafür 400 Personen diverser Rettungsorganisationen (siehe Kasten). Der Abend stand unter einem klaren Motto: Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen wollte den fleißigen Männern und Frauen Dank und Anerkennung für den vorbildlichen Einsatz aussprechen. Zum Gelingen des Festes hatten viele beigetragen: Die Gemeinde Krün stellte das Kurhaus kostenlos zur Verfügung. Das Landratsamt spendierte die Brotzeit, die Getränke übernahmen die Kommunen Oberau, Wallgau und Krün sowie Schloss Elmau. Der Markt Garmisch-Partenkirchen trug die Buskosten zur Anreise der Geladenen, und Mittenwald bezahlte die musikalische Umrahmung durch die „Oimsumma-Musi“.

Landrat Anton Speer (Freie Wähler) erläuterte nochmals, warum der K-Fall vom 11. bis 15. Januar ausgerufen worden war und wartete mit beeindruckenden Zahlen auf. „Insgesamt waren 3200 Kräfte im Einsatz“, bilanzierte er. Im Oberen Isartal seien allein 222 Dächer vom Schnee befreit und 2600 Personen mit Essen und Getränken versorgt worden. Eine logistische Herausforderung, die unfallfrei verlief. „Es wurde deutlich, dass sich die vielen Übungen ausgezahlt haben. Ich bin zu Recht stolz auf Euch alle.“

Einen Jagertee schon vor dem Einsatz? Nein, danke!

Nach den offiziellen Worten ging es an den geselligen Teil – und da machten zahlreiche Einsatzgeschichten ihre Runden. Zum Beispiel die der Feuerwehr Farchant, die sich gerne an einen besonders hilfsbereiten Bürger erinnert. Mit 20 Wehrleuten sollten die Kameraden in Klais ein Dach vom Schnee befreien. „Schon vor Beginn hat uns Hausherr Armin Wiedemann gefragt, ob wir einen Jagertee wollen“, erzählte Kommandant Thomas Joner. Angesichts der Kälte eine gute Idee. Doch der Tee hat’s in Sachen Alkohol bekanntlich in sich. „Wir haben das Angebot erst nach getaner Arbeit angenommen.“

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Mit einer großen Abordnung war die Feuerwehr Mittenwald gekommen. Während des K-Falls leistete auch sie Enormes. Täglich, mit 30 bis 35 Mann im eigenen Ort und mit der Drehleiter in Krün und Wallgau. Neben den vielen Bürgern, die ihnen stets Versorgung anboten, bezeichnete Toni Schober die Zusammenarbeit mit Bergwacht, BRK und Bundeswehr als besonders gut.

Im Feuerwehrhaus Krün hatte sich in den schneereichen Tagen die Wasserwacht Krün-Wallgau einquartiert. Täglich von 6 bis 21 Uhr sorgten die 16 Mitglieder in vier sich abwechselnden Gruppen für die Verteilung von Getränken und Verpflegung. „Wir haben in drei Tagen 3000 Tassen Kaffee und 500 Liter Tee gekocht“, zählte Chef Manuel Achtner auf. Das Essen wurde von der Klinikums-Küche und von der Familie Neuner vom Gasthof Schöttlkarspitz geliefert.

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Johann Holler könnte noch immer lachen. Beim Helferfest plauderte der Kommandant der Wallgauer Wehr aus, dass es einen internen Wettbewerb gegeben habe. „Wer mehr Dächer freischaufelt, gewinnt.“ Nur beweisen konnten die Gruppen ihr Ergebnis nicht. Bis auf eine der vier. Sie hat nach dem Räumen immer einen kleinen Schneemann aufs Dach gebaut, sagte er grinsend. Kurios wurde es beim Einsatz der Bergwacht Krün. Die Leitstelle orderte die Aktiven nach Obernach zu einem eingestürzten Haus mit Personenschaden. „An der Einsatzstelle“, erzählte Chef Sebastian Baumann, „standen wir mit Polizei und Spürhund lachend vor einem Haus, das bereits vor zehn Jahren eingestürzt war.“

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Wie der Landrat ergriff beim Helferfest Hausherr Thomas Schwarzenberger (CSU) das Wort. Auch Krüns Bürgermeister hatte nur Lob für die Anwesenden übrig. Nicht vergessen wollte er die eingebundenen Statiker. „Alle haben bei der Frage Dachräumen oder nicht, ihre Dienste ehrenamtlich geleistet.“ Die eine oder andere Anekdote tauschten er und seine Kollegen aus dem Isartal, Oberau und Garmisch-Partenkirchen beim Essen sicher ebenfalls aus.

Wolfgang Kunz

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