Ein Schwerpunkt des Garmisch-Partenkirchner Kulturlebens: die Traditionspflege, hier Plattler auf der Partenkirchner Festwoche.
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Ein Schwerpunkt des Garmisch-Partenkirchner Kulturlebens: die Traditionspflege, hier Plattler auf der Partenkirchner Festwoche.

Einstimmiger Beschluss des Gemeinderats

Leitbild für Garmisch-Partenkirchen: Kulturelle Leuchttürme sollen strahlen

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Die Forderung danach gibt es schon lange: Jetzt hat der Gemeinderat ein kulturelles Leitbild für den Markt Garmisch-Partenkirchen verabschiedet. Schwerpunkte sind dabei die Traditionspflege, die Leuchtturm-Themen Richard Strauss und Michael Ende sowie Angebote für jüngere Zielgruppen.

Garmisch-Partenkirchen – Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) war nach dem einhelligen Beschluss des Gemeinderats sichtlich zufrieden: „Wir sind einen Riesenschritt gegangen“, freute sich die Rathauschefin. Und die im Festsaal Werdenfels des Garmisch-Partenkirchner Kongresshauses versammelten Mandatsträger quittierten das Ergebnis der Abstimmung mit einem lauten akademischen Klopfen.

Richtungsweisende Entscheidung

Es war eine richtungsweisende – und viele meinen: eine längst überfällige – Entscheidung, die das Gremium am Donnerstagabend getroffen hat. Abgesegnet wurde ein nach intensiver Vorarbeit erstelltes kulturelles Leitbild samt Entwicklungsplan – eine Art Richtschnur, wohin im Kreisort kulturpolitisch die Reise gehen soll.

Die Kommune hatte dazu die Münchner Beratungsfirma Actori engagiert. Deren Geschäftsführer, Professor Maurice Lausberg, war in die Sitzung gekommen, um eine 22-seitige Kurzversion des Papiers vorzustellen. Wer allerdings konkrete Vorschläge für Formate oder Projekte erwartet hatte, wurde enttäuscht. Es handelt sich um eine grobe Strategie, die Schwerpunkte setzt – und erst noch mit Leben erfüllt werden muss.

Richard Strauss und Michael Ende

In einer formulierten Vision – quasi die Quintessenz des Ganzen – bekennt sich der Markt dazu, den Bürgern und Besuchern ein vielfältiges und hochwertiges Kulturprogramm zu bieten. „Bräuche und lebendige Traditionspflege sowie unsere herausragenden Künstlerpersönlichkeiten, Michael Ende und Richard Strauss, bilden dabei die Basis unserer kulturell-künstlerischen Identität“, lautet die Schlüsselstelle. Die Vernetzung der Kulturakteure und der Anspruch, auch jüngere Zielgruppen anzusprechen, werden ebenfalls genannt.

Besonders interessant ist die Frage, wie es mit den Themen Strauss und Ende weitergeht. Anvisiert werden „Leuchtturm-Veranstaltungen mit regionaler und überregionaler Strahlkraft“. Die Gemeinde will es nach dem Debakel um das Richard-Strauss-Festival im nächsten Jahr mit einem Musiksommer versuchen, der neben Strauss auch den italienische Komponisten Rossini würdigt. Und beim Thema Ende, der zu den berühmtesten Söhnen des Ortes zählt, sind die Stimmen nicht zu überhören, die einen intensiveren Umgang mit dem Erbe des Weltliteraten fordern.

Das Leitbild mag trocken und abstrakt klingen. Aber diese Erklärung wird das Kulturleben prägen – und mitentscheidend dafür sein, welches Vorhaben in den Genuss kommunaler Fördergelder kommen. Nun ist die Verwaltung gefragt, Richtlinien zu erstellen – und die Umsetzung voranzubringen.

„Da wurde viel Hirn eingesetzt“, kommentierte in der Sitzung Kulturreferent Dr. Günter Steinebach (CSU) das Actori-Resultat. Kulturell sei in der Marktgemeinde bereits ein „guter Grundstock“ vorhanden. meinte der Kommunalpolitiker, der in diesem Zusammenhang auf den angestoßenen Austausch mit der Rossini-Stadt Pesaro verwies.

Auch Alexandra Roos-Teitscheid (Grüne) zeigte sich begeistert: „Es ist unglaublich, was Garmisch-Partenkirchen zu bieten hat. Schön, dass wir uns deutlich dazu bekennen“, sagte sie.

Eine kritische Anmerkung kam von Anton Hofer (Garmisch+Partenkirchen miteinander), der das vorgelegte Leitbild als „sehr konstruiert“ bezeichnete. In seinen Augen wäre ein Bürger-Dialog wichtig gewesen. „Dieser ist nicht zum Tragen gekommen“, monierte Hofer.

Actori-Chef Lausberg räumte ein, dass es im Vorfeld in der Tat keine Umfrage unter der Bevölkerung gegeben habe. Stattdessen habe man sich auf die Kulturschaffenden konzentriert. „Wir sind sehr breit gegangen“, erläuterte der Fachmann. So wurden beispielsweise Interviews geführt und Workshops abgehalten, um Ideen, Wünsche und Vorstellungen zu sammeln und in die Studie einfließen zu lassen. „Das kann man so oder so angehen“, lautete sein abschließendes Urteil.

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