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Kunst gegen Plastikkonsum: Sani Kneitinger holt bei Bodypainting-WM Top-Platzierung

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Von: Magdalena Kratzer

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Gleicht einem Portrait: Sani Kneitinger mit ihren beiden bemalten Tänzern. © Iwo Winterhak

Plastik ist überall. Im Supermarkt, in der Natur, in den Meeren. Die Künstlerin Sani Kneitinger aus Garmisch-Partenkirchen setzt mit ihrer Installation „Greenart“ ein Zeichen gegen Umweltverschmutzung und für ein nachhaltigeres Leben.

Garmisch-Partenkirchen/Klagenfurt – Man erkennt es nicht gleich. Erst, wenn die Figuren an der Graffitiwand zu tanzen beginnen, sieht man, dass sie nicht aus der Spraydose kommen, dass sie nicht nur aus Farbe bestehen, sondern aus Fleisch und Blut. Ganz genau hinschauen muss man aber schon. Die weiß-schwarz bemalten Körper verschmelzen mit dem bunten Hintergrund. Sind Teil davon. Die Gesichter mit schwarzen Konturstrichen modelliert, gleichen einem Porträt. Kunstvoll, ja – aber eben nicht echt. Dabei sind die zwei Tänzer – ein Mann und eine Frau – mehr als lebendig, wenn sie sich drehen, sich umarmen, und mit bemaltem Plastikmüll um sich werfen.

Kneitinger landet auf dem Stockerl

In lebende Kunstwerke verwandelt hat sie Sani Kneitinger (30), die unkonventionelle Bodypainterin und Künstlerin aus Garmisch-Partenkirchen. Bei der Bodypaint-Weltmeisterschaft in Klagenfurt/Österreich, an der in diesem Jahr 2500 Künstler aus 53 Nationen teilnahmen, überzeugte sie die Jury mit ihrer Installation „Greenart“. In der Kategorie „World-Award: Installation Art“ schaffte sie den zweiten Rang. Die Platzierung: der Wahnsinn. „Ich konnte es erst gar nicht glauben“, sagt Kneitinger und lacht. Noch nie war sie bei den Weltmeisterschaften so weit vorne gelandet.

Dabei war es ein recht ernstes Thema, mit dem sie angetreten war. Untypisch vielleicht für die Garmisch-Partenkirchnerin, die vor Lebensfreude sprudelt. Aber auf die Vermüllung der Erde – vor allem durch Plastik – aufmerksam zu machen, ist ihr ein Herzensanliegen. Plastik ist überall. Im Supermarkt, im Wasser, in Tieren – die daran elendig zugrunde gehen. Experten fürchten, dass es bald schon mehr Plastik als Plankton in den Weltmeeren gibt. Wahre Plastik-Kontinente treiben auf den Ozeanen umher. „All das baut sich nie wieder ab.“

Kneitinger weiß, dass jeder einzelne mit seinem Verhalten dazu beiträgt. Für ihre Installation sammelte sie Plastikmüll auf der Straße, im Wald und bei sich Zuhause. Nach nur einer Woche hatte sie fünf Gelbe Säcke in ihrem Atelier stehen. „Das hat mich selber total erschrocken.“ Bestärkte sie aber in ihrem Umweltprojekt.

Nur Kneitinger trat mit einem Umweltthema an

Ihre Forderung: „Wir müssen endlich anfangen, nachhaltiger zu leben.“ Weniger Konsum, mehr Umweltbewusstsein. Dass es dafür Überzeugungsarbeit braucht, ist Kneitinger klar. „Vielen ist es nicht bewusst, wie viel Müll sie produzieren.“ Davon handelt auch die Geschichte des Tanzes in ihrer Installation. Zu Beginn: ein Streit. Der Mann wirft mit Müll um sich, die Frau will ihn davon überzeugen, dass er ihn recyceln soll. Schließlich stopft er die Becher in eine grüne Mülltonne. „Es gibt also ein Happy End.“ Michael Jacksons „Earth Song“, der ebenfalls von der Zerstörung der Welt durch den Menschen handelt, spielt dazu im Hintergrund.

Kneitingers Konzept überzeugte. Als Einzige trat sie mit einem Umweltthema an. Doch nicht nur die Idee und die Interpretation derselben zählte, sondern auch das Handwerk. Materialien und Umsetzung, Multimedia, die Gesamtinstallation und der Einsatz des menschlichen Körpers wurden von der Jury in Klagenfurt bewertet. Überzeugt haben mag die Juroren aber auch die Präsentation der Künstlerin selbst, die ihr Konzept auf Englisch erklärte. Nur den einen Satz sagte sie auf Deutsch: „Wenn wir die Natur besiegt haben, werden wir uns auf der Verliererseite wiederfinden.“ An die Chance, das Ruder rumreißen zu können, glaubt sie fest. „Ich bin immer optimistisch.“ Sonst wäre sie nicht Sani Kneitinger.

Eine schwäbische Politikerin trat bei einer Veranstaltung als unbekleidetes Einhorn auf. Eigentlich sollte sie inkognito bleiben, der Bürgermeister nahm die Abmachung aber nicht so genau.

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