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Der Test: Ekkehard Gorski hat ein Kerzen-Experiment absolviert. Das Ergebnis fiel entsprechend seiner Erwartungen aus.

Ansteckungsrisiko minimieren

Kuverts und Küchentücher als Schutz: Murnauer gibt Anleitungen für Masken zum Selberbasteln

Jeder Schutz ist besser als kein Schutz: Diese Meinung teilt Ekkehard Gorski mit den Corona-Experten im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Und er erklärt, wie sich jeder selbst ganz einfach eine Maske basteln kann. 

Landkreis – Anfangs wurden sie noch von vielen belächelt. Mittlerweile stellen sich selbstgebastelte Schutzmasken als echte Alternative zu den handelsüblichen, schwer erhältlichen Modellen heraus. Sie schützen einen zwar selbst nicht vor dem Coronavirus, minimieren aber das Risiko, Mitmenschen durch Tröpfchen anzustecken.

Zweifelsohne schützen selbstkreierte Masken nicht so effektiv wie professionelle Exemplare. Doch eines steht fest: Jede Art von Schutz ist besser als überhaupt kein Schutz.

Ekkehard Gorski beschäftigte sich in den vergangenen Wochen intensiv mit der Thematik. Sein Fachwissen will der pensionierte Ingenieur in der Entwicklungsabteilung bei BMW nutzen, um seinen Mitmenschen Möglichkeiten zum Schutz mit auf den Weg zu geben. Das funktioniert mit einfachsten Gegenständen aus dem eigenen Haushalt. Er betont: „In einer Minute kann sich jeder seine eigene Maske anfertigen.“ Eine wichtige Sache in Zeiten, in denen der BRK wegen des Ansturms keine Bestellungen mehr aufnimmt.

Besondere Utensilien werden dafür nicht benötigt: „Es reicht bereits aus, sich simple Dinge wie ein Taschen- oder Küchentuch vor den Mund und die Nase zu spannen“, sagt Gorski. Zu beachten ist dabei nur: Es handelt sich dabei um Einweg-Exemplare. „Sobald die Person wieder zu Hause oder am Arbeitsplatz ist, gilt es, diese Dinge sofort im Müll zu entsorgen.“

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Sogar eine Skimaske geht

Doch es gibt auch Gegenstände, die man zu Schutzmasken umwandeln und diese dann unter bestimmten Vorsichtsmaßnahmen häufiger als einmal verwenden kann. Eine handelsübliche Skimaske zum Beispiel. Aber Achtung: „Alle Textil-Masken müssen nach der Benutzung desinfiziert werden“, betont Gorski. 30 Minuten im Backofen bei 70 Grad seien ausreichend.

Um die Wirkung der selbstgebastelten Mundschutze zu testen, absolvierte der Murnauer ein simples Experiment: Er stellte im Abstand von eineinhalb Metern eine brennende Kerze vor sich auf und hustete, ohne sich dabei das Gesicht zu verdecken. Die Flamme erlosch. Anschließend zog er sich einen selbsthergestellten Mundschutz aus Papier über und hustete eine Kerze aus einer Entfernung von zehn Zentimetern an. Die Flamme brannte weiter. Für ihn der Beweis, welch große Wirkung mit den Self-made-Produkten erzielt werden kann. Darüber hinaus sieht Gorski in dem Experiment für Eltern eine Möglichkeit, deren Kindern zuhause einen Zeitvertreib mit lehrreichem Hintergrund zu bieten.

Corona-Schutz aus Zeitungspapier

Eine Zeitungsseite als Hilfsmittel? Das geht ebenfalls. Dazu benötigt man nur ein DIN-A3-Blatt und etwas zum Befestigen – eine Kordel oder Tesafilm beispielsweise. Das Papier wird zunächst diagonal gefaltet, anschließend die lange Kante aufgerollt und die Zeitung über Mund und Nase gehüllt. Die beiden Enden können im Nacken verknotet und mit den angesprochenen Zusatzhilfen stabilisiert werden. Das war’s.

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Auch mit einem handelsüblichen Briefkuvert lässt sich im Handumdrehen eine geeignete Schutzmaske herstellen. Das Prinzip ähnelt dem der Zeitungsmaske. Zur Fixierung im Nacken eignet sich am besten ein Schnürsenkel. Um die Konstruktion elastischer zu gestalten, können die beiden Enden des Schnürsenkels mit einem Gummiband verknüpft werden. Die Papiermasken beinhalten zudem einen angenehmen Nebeneffekt: „Unter den Papiermasken wird die Atmung kaum behindert und sie sind auch nicht so warm.“

Der ehemalige Amtsarzt des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, Dr. Volker Juds, veröffentlichte bereits einen Pandemieplan für den Landkreis. Anhand der Zahlen aus China hatte er verschiedene Modelle für den Verlauf aufgestellt. Er hält sowohl die Zeitungsvariante als auch die anderen aufgezählten Schutzvorkehrungen des Murnauers für sinnvoll: Gorski hatte Juds vor ein paar Wochen kontaktiert. Seitdem tauschen sich die beiden regelmäßig aus. „Er hat Recht damit, dass sich die Leute mehr schützen müssen, mit welchen Mitteln auch immer“, macht der ehemalige Amtsarzt deutlich. Denn: „Dazu bedarf es keines großen Aufwandes.“

BRK kann Bedarf nicht alleine abdecken

Bei der Herstellung und Lieferung von Masken übernahm das Bayerische Rote Kreuz in den vergangenen Wochen eine tragende Rolle im Landkreis. 7000 Masken sind bisher unter die Menschen gelangt, sagt BRK-Sprecher Jörg Jovy am Montag. Den Bedarf konnten die ehrenamtlichen Helfer dennoch nicht decken. „Wir haben bislang Anfragen für 23 000 Masken. Und es werden täglich mehr.“ Etwa 500 000 Exemplare, schätzt er, wären im Landkreis nötig.

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Durch die Eigenherstellung von Schutzmaterial durch die Bürger hofft Jovy auf eine Entlastung für das Rote Kreuz. Möglichkeiten dazu gebe es zuhauf: „Auf unserer Website finden die Leute eine simple Anleitung dazu, wie in kürzester Zeit eigene Masken genäht werden können.“ Doch auch die weniger begabten Personen an der Nähmaschine müssen nicht auf den Schutz verzichten: „Anhand der Beispiele von Herrn Gorski kann sich jeder in kürzester Zeit eine Maske selbst herstellen.“ Diese schütze die Person selber zwar nicht zwingend vor einer Corona-Ansteckung, verhindere aber, „dass andere Leute durch einen infiziert werden“.

Dass das Tragen von Masken für viele ungewohnt ist, versteht Jovy: „Selbstverständlich haben viele davor eine natürliche Scheu. Als Westeuropäer bist du es nicht gewohnt, mit einer Maske zu leben.“ Den alles entscheidenden Leitfaden unterstützt der Sprecher zu 100 Prozent. „Jeder Schutz ist besser als kein Schutz.“

Marco Blanco Ucles

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