Aus der Filiale in Farchant macht die VR-Bank ein Pilotprojekt. foto: sehr

Null-Zins-Politik hinterlässt Spuren

Auch VR-Bank dünnt Filialnetz aus

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Die Perspektiven der Banken sind auch für das Jahr 2018 nicht gerade rosig. Dem trägt die VR-Bank Werdenfels Rechnung. Um auch in Zukunft am Markt weiter gut positioniert zu sein, hat sich das Finanzinstitut entschlossen, zwei weitere Filialen zu schließen.

Landkreis– Vor einer Woche verkündete die Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen das Aus für ihre Zweigstellen in Farchant und Oberau. Jetzt zieht die VR-Bank Werdenfels nach. Auch die Genossenschafts-Bank verabschiedet sich aus beiden Gemeinden. Das Filialnetz des Geldhauses, das zum großen Teil in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau aktiv ist, schrumpft dadurch auf 18, zudem existieren noch 14 SB-Stellen. Zum Vergleich: Eine Großbank wie die Deutsche Bank unterhält im Landkreis eine einzige Filiale.

 Die Gründe, warum die VR-Bank ihr Filialnetz ausdünnt, sind identisch mit denen, die die Kreissparkasse nannte. „Die anhaltend niedrigen Zinsen schwächen weiterhin die Erträge im Geschäft mit Krediten und Einlagen ab. Die Regulatorik lähmt das Geschäft und der Kostendruck bleibt enorm“, sagt Walter Beller. Dass es zu Filialschließungen kommt, ist auch in großen Teilen dem Kundenverhalten geschuldet, die zunehmend das Internet für Bankgeschäfte nutzen. „Der Fortschritt macht mir als Prozess keine Sorgen, wohl aber das Tempo“, sagt der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank.

Allerdings hat das Geldhaus laut Vorstand Martin Sperl auch 2017 gut gewirtschaftet. „Wir werden wieder ordentlich Steuern zahlen“, sagt Sperl, „weil wir beizeiten immer etwas gemacht haben.“ Im vergangenen Jahr hatte man eine Bilanzsumme von rund 1,5 Milliarden Euro ausgewiesen und einen Gewinn nach Steuern von 1,5 Millionen Euro.

Oberau und Farchant wurden von den Schließungen nicht kalt erwischt. Zum einen hat Beller wie Kreissparkassen-Chef Peter Lingg die Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) und Peter Immeringer (CSU) in einem persönlichen Gespräch über die Pläne informiert, die Mitte des kommenden Jahres umgesetzt werden sollen. Zum anderen erhielten die Kunden an diesem Wochenende Briefe, in denen sie über das Vorhaben aufgeklärt wurden. „Für die ältere Bevölkerung ist dieser Schritt nicht gut“, sagt Imminger. Der Oberauer Rathaus-Chef, gleichzeitig Mitglied im Verwaltungsrat der Kreissparkasse, zeigt allerdings Verständnis dafür, dass sich beide Finanzinstitute aus der Fläche zurückziehen und gezwungen sind, Grausamkeiten zu verkünden. „Wenn sie überleben wollen, bleibt ihnen nichts anderes übrig.“

Oberau wird vom Abschied der VR-Bank-Filiale an der Hauptstraße 12 weit härter getroffen als Farchant. In der Gemeinde an der Peripherie von Garmisch-Partenkirchen wird der Einschnitt nicht so drastisch ausfallen. Einen Schalter wird es in dem Gebäude zwar ebenfalls nicht mehr geben, das Vorstands-trio Beller, Sperl und Martin Jocher hat sich aber entschlossen, den Standort als Beratungsgeschäftsstelle fortzuführen. „Das ist für uns ein Pilotprojekt, das zeitlich unbefristet ist und das keine Alibifunktion erfüllt“, erklärt Jocher.

Die insgesamt vier Mitarbeiter, die bislang in Oberau und Farchant beschäftigt waren, bleiben im Haus und erhalten neue Aufgaben in der Zentrale in Garmisch-Partenkirchen. Betriebsbedingte Kündigungen schließt Beller auch für die Zukunft aus, obwohl er das Personal weiter reduzieren möchte. Das soll allerdings über die Fluktuation geschehen. Ob das Ende der Fahnenstange bei den Filialschließungen erreicht ist? Eine Bestandsgarantie wollte Beller nicht abgeben: „Eine solche Aussage wäre unseriös.“

Möglich ist hingegen eine weitere Kooperation mit der Kreissparkasse an Standorten, an denen beide Kreditinstitute einen Geldautomaten und einen Kontoauszugsdrucker betreiben. „Das möchte ich nicht ausschließen“, sagt Beller, „weil wir gute Erfahrungen gemacht haben.“ Auch Oberaus Bürgermeister Imminger weiß, dass die Vorstände bei diesem Thema „im Gespräch sind“.

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