Eine Frau wirft in München eine Münze in einen Fahrkartenautomat des MVV ein. Wird das bald auch im Landkreis möglich sein?
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Eine Frau wirft in München eine Münze in einen Fahrkartenautomat des MVV ein. Wird das bald auch im Landkreis möglich sein?

MVV-Beitritt des Landkreises steht zur Debatte

Gesucht: Ein Masterplan für den Nahverkehr

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich der Landkreis in puncto öffentlicher Personenverkehr aufstellt. Ein MVV-Beitritt steht zur Debatte. Und auch ein neuer Nahverkehrsplan ist am Entstehen.

Landkreis – Eine Expertise soll Klarheit schaffen. Zehn Landkreise und kreisfreie Städte beteiligen sich an einer umfassenden Studie, um ihren möglichen Beitritt zum Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) vorzubereiten. Bis Ende 2024 soll das Papier vorliegen.

Durchgehendes MVV-Ticket

Bei einer so genannten Verbundintegration könnten alle Fahrten im Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit einem durchgehenden MVV-Ticket abgewickelt werden. Dies teilt MVV-Pressesprecherin Franziska Hartmann mit. „Für die Fahrgäste bedeutet das vor allem ein einfacheres Ticketsystem – aber oftmals auch günstigere Preise. Bahn und Bus würden gegebenenfalls besser aufeinander abgestimmt.“ Für das Fahrtenangebot hätte ein solcher Schritt „formal zunächst keine direkten Auswirkungen. Es ist aber zu erwarten, dass mit der Erweiterung auch eine Verbesserung des Verkehrsangebotes einhergehen wird“.

Fahrgäste werden befragt

Der erste Punkt der Studie, die Verkehrs- und Strukturuntersuchung, wird bis Anfang 2021 abgeschlossen. 2023 werden die Fahrgäste im Landkreis Garmisch-Partenkirchen befragt. Wenn alles glatt geht und die Gremien zustimmen, könnte der Landkreis zum Fahrplanwechsel 2024 beitreten.

Ortsbus könnte man mit einbeziehen

Es wäre auch möglich, Angebote wie den Ortsbus der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen einzubeziehen. Deren Vorstand Wodan Lichtmeß zeigt sich interessiert: „Das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen.“ Denn der Kunde habe dann nicht fünf Tickets in der Hand, sondern nur eines. Die Entscheidung, ob eine Integration aller Verkehre finanziert und umgesetzt werden kann und soll, obliegt laut Hartmann aber dem Landkreis.

Bayerische Eisenbahngesellschaft wäre dafür

Ziel des Freistaats Bayern sind flächendeckende Verkehrs- und Tarifverbünde. Deshalb fördert er die erwähnte Studie. Auch die Bayerische Eisenbahngesellschaft mbH (BEG), die zu 100 Prozent im Besitz des Freistaats ist, begrüßt solche Erweiterungen. „Das Verbundprinzip ,Ein Netz, ein Tarif, ein Fahrplan‘ führt zu vielen Vorteilen für die Fahrgäste, unter anderem zu einem deutlich vereinfachten Ticketerwerb und zu einer optimierten Abstimmung des Busverkehrs mit der Schiene“, teilt die stellvertretende BEG-Pressesprecherin Sandra Höldl mit. Die BEG erwartet mit einer Erweiterung zudem, dass die Fahrgastzahlen steigen.

Nahverkehrsplan wird neu erstellt

Unterdessen bewegt sich etwas in Sachen Nahverkehrsplan. Der Kreistag, der eine Neuauflage wünschte, hat mittlerweile den Auftrag vergeben. Den Zuschlag erhielt das Büro Gevas Humberg & Partner aus München. Der neue Plan, der rund 50 000 bis 60 000 Euro netto kostet, soll bis circa Ende Juni 2021 vorliegen. Die Initiative war von der ÖDP gekommen.

Viele Vorgaben

Dem Planungsbüro wurden zahlreiche Vorgaben gemacht, darunter folgende: Das Strukturgutachten für die Region Oberland, das im Sommer 2018 fertiggestellt wurde, soll als Grundlage dienen; die darin aufgezeigten Schwächen im ÖPNV sind zu analysieren und dem tatsächlichen Bedarf gegenüberzustellen; der Planer hat sich mit den Nachbarlandkreisen beziehungsweise den dort beauftragten Planungsbüros abzustimmen; der Ist-Zustand soll erhoben und bewertet werden; für jede Maßnahme ist eine belastbare Kostenschätzung zu erstellen (Kosten-Nutzen-Analyse).

Planer setzen sich mit MVV in Verbindung

Das beauftragte Büro soll auch Gemeinden, Verkehrsunternehmen, Schulen, Jugendliche, Bürger, Senioren- und Behindertenvertreter sowie Integrationsbeauftragte miteinbeziehen. Darunter ist auch der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund. „Die Planer werden sich mit dem MVV in Verbindung setzen“, sagt Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamts.

Beuting erwartet sich wesentliche Verbesserung

Rolf Beuting, ÖDP-Kreisrat und Murnauer Bürgermeister, erwartet sich vom neuen Nahverkehrsplan „eine wesentliche Qualitätsverbesserung im ÖPNV“. Etwa durch Taktverdichtungen und einheitliche Taktstandards – zum Beispiel Abfahrt immer zur selben Zeit an derselben Haltestelle. Ferner wünscht er sich, dass der bisherige Netzplan ergänzt wird (beispielsweise Murnau-Penzberg).

Murnau als integraler Teil der Metropolregion München

„Ein Beitritt zum MVV könnte diese Erwartungshaltung unterstreichen.“ Beuting sieht Murnau als einen integralen Bestandteil der Metropolregion München. „Insbesondere die Abstimmung mit der (Bahn) wird durch einen Beitritt zum MVV verbindlich.“ Ferner sollte dadurch die Nutzung günstiger werden, und schließlich würden die Aussichten auf die erforderliche Taktverdichtung der Werdenfelsbahn steigen. 

Roland Lory

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