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Große Sorgen treiben Klaus Rosenberger von der Jugendherberge in Mittenwald um.

Betriebe schlagen Alarm

Corona: Fortbestand der Jugendherbergen massiv gefährdet

Landkreis – Klaus RosenbergersListe an Reservierungen ist leer. Noch vor ein paar Wochen standen Schulen aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg darauf, die ihre Reisen und Klassenfahrten in die Jugendherberge in Mittenwald unternehmen wollten. Doch sie sind alle storniert, für das ganze Jahr im Voraus. Der Leiter der Jugendherberge Mittenwald ist verzweifelt. Und damit steht er nicht alleine da.

Der Fortbestand der Jugendherbergen ist massiv gefährdet. Seit dem 16. März sind die Gästehäuser, vier davon gibt es im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, wegen der Corona-Krise geschlossen. Einnahmen fehlen, Buchungen wurden storniert. Bis hierhin erleben sie eine ähnliche Situation wie Hotels und Gästehäuser. Der Unterschied: Der Schutzschirm von Bund und Ländern greift bislang für Jugendherbergen nicht. Ändert sich daran nichts – die Häuser gehen wohl pleite. Daher hat sich das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) mit einem Brandbrief an den Bayerischen Landtag gewandt. Nun soll ein Krisenstab dort noch einmal über mögliche Rettungskonzepte beraten.

„Eine krasse Nummer“

Bis Mitte März herrschte in der Jugendherberge Mittenwald Vollbeschäftigung. Allein eine Schule aus Saarbrücken besetzte 90 Plätze im 110-Betten-Haus. Schulreisen machen 60 Prozent der Einnahmen aus, die restlichen 40 Prozent verteilen sich auf Familien, Gruppen, Vereine sowie Tagungen. Alles weg. „Innerhalb von drei Tagen ging der Betrieb auf null“, sagt Rosenberger. „Wir hatten sofort Liquiditätsprobleme. Das ist eine krasse Nummer.“ Im März wurden Überstunden und Resturlaub abgebaut, ab heute gilt Kurzarbeit. Keiner der 13 Mitarbeiter steht im Betrieb, einzig Rosenberger arbeitet sechs Stunden in der Woche. Und wird dabei immer an ein weiteres Problem erinnert: eine Baustelle, die ruhen muss. Eine Millionen Euro wird in eine neue Küche, in Wintergarten und Sozialräume investiert. So war zumindest der Plan. Rosenberger hofft auf die Rettung. Dass der Landtag eine Lösung für Jugendherbergen findet. Dass er ab 20. April wieder öffnen kann, dass wieder Gäste ins Haus kommen. Aber: „Es wäre ungewöhnlich, wenn sich das Reiseverhalten so schnell normalisiert.“ Lange lassen sich in seinen Augen fehlende Einnahmen nicht auffangen. „Das ist existenzbedrohend.“

„Trauriges Geschäft“

Eine ähnliche Situation erlebt Petra Weckerle in der Jugendherberge Garmisch-Partenkirchen in Burgrain. „Es ist ein trauriges Geschäft, das wir gerade abwickeln.“ Alle Gäste stornierten ihre Buchungen, das Haus steht leer, ab dem 1. April sind auch bei ihr alle Mitarbeiter in Kurzarbeit. Schulklassen kommen in diesem Jahr vermutlich gar keine mehr. Ob sich Familien oder Kleingruppen aufgrund der wirtschaftlichen Lage heuer überhaupt noch einen Urlaub leisten können, bezweifelt Weckerle. „Eine Perspektive haben wir nicht.“ Auf Verbandsebene seien Gespräche nötig, sofern der Rettungsschirm weiterhin nicht greift. Eventuell, schlägt Weckerle vor, müsse man dann darüber nachdenken, die Häuser anders zu nutzen.

Das Dilemma erklärt DJH-Sprecher Marko Junghänel mit einer „Zwidderstellung“. Mit Überbrückungskrediten unterstützen Bund und Land bislang lediglich die gewerbliche Gastronomie sowie den karitativen Bereich mit den Wohlfahrtsverbänden. Jugendherbergen sind sowohl gemeinnützig als auch gewinnorientiert. „Wir fallen unter keinen bekannten Rettungsschirm.“ Sollten weitere Geldzuflüsse ausbleiben, können die Jugendherbergen ab Mai ihre Mitarbeiter nicht bezahlen. Kleiner Lichtblick: Zwei weitere Monate können die Gästehäuser mit Krediten zwischenfinanzieren. „Danach wär’s aus. Das bedeutet das Aus für alle Jugendherbergen.“ Die Unterkunft in Oberammergau und das Mount10 in Garmisch-Partenkirchen waren nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. 

Alexander Kraus

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