Routinebetrieb: die Corona-Teststation am Alpspitz-Wellenbad. Auf dem Gelände soll auch das Impfzentrum entstehen. Foto: Archiv-Kornatz
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Routinebetrieb: die Corona-Teststation am Alpspitz-Wellenbad. Auf dem Gelände soll auch das Impfzentrum entstehen. Foto: Archiv-Kornatz

Zentrum am Alpspitz-Wellenbad geplant

Landkreis rüstet sich für Corona-Impfungen

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Ein Corona-Impfstoff ist zwar bislang in Deutschland noch nicht zugelassen. Dennoch nehmen die Vorbereitungen für eine groß angelegte Impfaktion konkrete Formen an – auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. So soll dafür bereits Mitte Dezember im Kreisort am Alpspitz-Wellenbad ein Zentrum entstehen.

Garmisch-Partenkirchen – Nichts wird derzeit sehnlicher erwartet als ein wirksamer Schutz vor Covid-19 – und ein Ende der Pandemie. Die großen Hoffnungsträger sind das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Pharmariese Pfizer, die vor wenigen Tagen bekanntgaben, dass sie einen vielversprechenden Impfstoff mit dem sperrigen Namen BNT162b2 entwickelt hätten. Dieser soll eine 90-prozentige Wirkung gegen die Infektion aufweisen. Deutschland und die übrigen EU-Staaten haben sich bereits bis zu 300 Millionen Dosen gesichert. Die beiden Firmen machen Tempo, wollen noch heuer mit der Auslieferung beginnen – vorausgesetzt, die Arzneimittelbehörde gibt grünes Licht. Im Rennen sind aber auch noch andere Anbieter.

In der Nähe des Corona-Testzentrums

Egal, wer am Ende gewinnt: Die Massenimpfung dürfte eine logistische und organisatorische Herausforderung werden. Fest steht: Im Freistaat soll in jedem Landkreis ein Impfzentrum entstehen. Das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen ist dabei, dies in die Wege zu leiten. „Wir stehen erst am Anfang“, berichtet Behördensprecher Stephan Scharf auf Nachfrage. Der Zeitplan ist dennoch ambitioniert: Mitte Dezember soll die provisorische Container-Anlage aufgebaut werden. Der Standort: das Parkplatz-Gelände am Alpspitz-Wellenbad in Garmisch-Partenkirchen – also in unmittelbarer Nähe des Corona-Testzentrums, das im September eröffnet wurde. Wie genau die Immunisierung der Landkreis-Bevölkerung – die Einwohnerzahl beträgt rund 88 000 – ablaufen soll, wirft noch viele Fragen auf. Zuerst an die Reihe kommen sollen laut Scharf Ärzte, Pflegekräfte und Risikogruppen, zu denen etwa Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen zählen.

Es ist aber zum Beispiel nicht klar, wann und in welchen Mengen der Impfstoff, den der Bund in 60 Lagerstätten aufbewahren und von dort ausliefern will, verfügbar sein wird. Dem Vernehmen nach könnte es schon im Januar losgehen. Dass der Stoff von Biontech und Pfizer, genauso wie der anderer Firmen, eine Kühlung erfordert, dürfte die Sache nicht einfacher machen.

Scharf zufolge wird das Landratsamt respektive das Gesundheitsamt die Impfstation betreiben. „Wir machen das in Eigenregie“, sagt er. Angedacht ist anscheinend eine enge Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten und – wie schon bei der Test-Einrichtung – mit dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK), das das Personal stellen könnte. „Es gibt Gespräche“, bestätigt BRK-Sprecher Jörg Jovy. „Wir würden das machen. Dafür sind wir da.“ Laut Jovy ist die Rede von 100 Impfungen pro Tag. Seiner Einschätzung nach wären aber auch doppelt so viele möglich. „Das ist leistbar.“

Spitzenverband vertritt 71 Landkreise

Beim Bayerischen Landkreistag – der Spitzenverband vertritt die 71 Landkreise im Freistaat – ist man indessen zuversichtlich, der Herkulesaufgabe gewachsen zu sein. Die Landratsämter hätten als Katastrophenschutzbehörden genügend Erfahrung in diesen Dingen, findet Gesundheitsreferent Klaus Schulenburg. „Die bekommen das hin.“ Die Kreisbehörden seien allesamt mit den Vorbereitungen beschäftigt. Zusätzlich zu den Stationen sollen nach seinen Angaben auch mobile Impfteams im Einsatz sein, um etwa Alten- und Pflegeheime aufzusuchen. Schulenburg schätzt, dass, wenn alles glatt läuft, bis Ende 2021 ein Großteil der Bevölkerung geimpft sein könnte. „Wir wollen alle wieder zurück zur Normalität“, sagt er.

Und wer soll den Betrieb der neuen Zentren bezahlen? Der Verbandsvertreter setzt auf großzügige Landesmittel: „Wir vertrauen auf die kommunalfreundliche Haltung des Freistaats.“

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