So sehen die Messgeräte aus: Die Grundschule Uffing/Seehausen nimmt bereits an dem Forschungsprojekt teil. Nun sollen alle Schulen im Landkreis überprüft werden. f: mayr
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So sehen die Messgeräte aus: Die Grundschule Uffing/Seehausen nimmt bereits an dem Forschungsprojekt teil. Nun sollen alle Schulen im Landkreis überprüft werden. f: mayr

Forschungsprojekt soll Klarheit bringen

Lohnen sich Luftfilter in Schulen? Landkreis will das prüfen lassen

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
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Der Kreistag des Landkreises Garmisch-Partenkirchen stimmt für ein Forschungsprojekt in ihren Bildungseinrichtungen. Sensorgeräte in Klassenzimmern sollen Frage klären, ob Luftfilter in Schulen was bringen.

Landkreis – Lohnt es sich, Klassenzimmer mit mobilen Luftreinigungsgeräten auszustatten? Diese Frage wird zurzeit hitzig von Wissenschaft, Politik und Kommunen diskutiert, nachdem der Freistaat angekündigt hat, 50 Prozent der Kosten zu übernehmen. Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen möchte nun in ihren eigenen Schulen prüfen lassen, ob die erhoffte Aerosolminderung durch Luftreiniger eintritt und damit das Corona-Ansteckungsrisiko minimiert werden kann. Der Kreistag hat sich mehrheitlich für die Teilnahme an dem entsprechenden Forschungsprojekt „Sicheres Klassenzimmer“ der Hochschule für angewandte Wissenschaft in München ausgesprochen.

In je drei Klassenzimmern pro Schule werden nun Sensorgeräte eingebaut. Mit den Messungen wollen Wissenschaftler in verschiedenen Varianten die Wirkung und den Erfolg in der Praxis überprüfen. Circa 1000 Euro kostet eine der Maschinen, insgesamt nimmt der Landkreis für das Forschungsprojekt 20 000 Euro in die Hand. Sollten die Luftreiniger Wirkung zeigen, müsste die Behörde 198 Luftfiltergeräte für die kreiseigenen Schulen anschaffen – bei einer Förderung von 50 Prozent.

Luftfilter in den Klassenzimmern: Für und Wider sind ziemlich ausgeglichen

Das Für und Wider ist ziemlich ausgeglichen, wie Pressesprecher Stephan Scharf aus der Stellungnahme der Kämmerei zitiert. Dafür spreche, dass die Geräte einen zusätzlichen Schutz für Kinder und Jugendliche bieten, „die keine Möglichkeit haben, sich über eine Impfung vor der Pandemie zu schützen“. Stellen sich die Geräte als wirksam heraus, reduzieren sie die Aerosolkonzentration und damit die Virenlast in der Raumluft – was wiederum bedeutet, dass die Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus sinkt. Damit verhindere die Behörde eine erneute Schulschließung im Herbst.

Allerdings ist die Datenlage zur Wirksamkeit der Anlagen noch „sehr dünn und noch nicht erwiesen. Die Wissenschaft ist sich hier nicht einig“, sagt Scharf. So priorisieren das Umweltbundesamt und die Kommission für Innenraumhygiene die Fensterlüftung. „Der Einsatz mobiler Luftreiniger könne ergänzend sinnvoll sein“, meint der Landratsamt-Sprecher. „Jedoch nur, wenn keine ausreichende Lüftung möglich ist.“ Und das sei bei einem Gros der kreiseigenen Schulen der Fall: So sind im Werdenfels-Gymnasium insgesamt 46 Räume ohne Lüftungssystem. Anders schaut es an der Realschule Murnau aus: da haben ausnahmslos alle 34 Klassenzimmer eine Vorkehrung für frische Luft. Am Staffelsee-Gymnasium fehlt diese bei lediglich 8 von insgesamt 65 Räumen.

Summa summarum können also in den acht Schulen im Landkreis etwa 180 Klassenzimmer nur über die Fenster belüftet werden. Zudem gäbe es elf Räume, die aufgrund der Größe „voraussichtlich ein zweites Lüftungsgerät benötigen würden“. Doch gibt es weitere Bedenken: Die mobilen Luftreiniger wälzen die Raumluft lediglich um und ersetzen nicht die notwendige Zufuhr von Außenluft. „Luftreiniger produzieren keinen frischen Sauerstoff.“ Somit kann das Frieren der Kinder im Winter beim Öffnen der Fenster trotz Luftreiniger nicht vermieden werden. „Lehrer werden möglicherweise sogar dazu angehalten, nicht mehr ausreichend zu lüften.“ Zudem sind Luftreiniger laut und könnten den Unterricht stören. Das Forschungsprojekt ist nicht neu im Landkreis. Die Grundschule Uffing/Seehausen nimmt bereits am Projekt „Sicheres Klassenzimmer“ teil. Studienleiter Dr. Christian Schwarzbauer bot deshalb dem Landkreis mit seinen Schulen die Zusammenarbeit im Rahmen der Studie an.

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