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Der CSU-Kreis-Chef und sein Kandidat: Dr. Michael Rapp (l.) und Florian Lempert. Dieser soll Landrats-Kandidat der Christsozialen werden.

Kreis-CSU setzt auf den jungen Seehauser

Landrats-Wahl: JU-Chef soll Amtsinhaber Speer herausfordern

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Helmut Fischer, Harald Kühn, Michael Rapp: Die CSU hat über Jahrzehnte politische Schwergewichte zur Wahl des Landrats aufgeboten. 2020 setzt die Partei wohl auf einen unbekannteren Kandidaten: den Kreisvorsitzenden der Jungen Union.

Landkreis – Er ist passionierter Bergsteiger. Entsprechend geht Florian Lempert sein großes Polit-Projekt an wie den nächsten hohen Gipfel: „Ich mache einen Plan, muss schauen, wie ich mein Ziel erreichen kann. Und dann marschiere ich los.“

Noch steht er ganz am Anfang, und der Anstieg, der sich vor ihm auftürmt, hat es in sich. Am Mittwoch kündigte er an der Seite des CSU-Kreisvorsitzenden Dr. Michael Rapp, quasi seinem Bergführer, die doch außergewöhnliche Knochen-Tour an, die er im Namen der CSU auf sich nehmen will. Der 30-jährige, ledige Immobilienfachwirt aus Seehausen soll Landrats-Kandidat seiner Partei werden, die Nominierung steht noch aus. Lempert ist seit rund fünf Jahren Kreisvorsitzender der CSU-Nachwuchsorganisation Junge Union, aber sonst im politischen Betrieb ein eher unbeschriebenes Blatt.

Anders als Anton Speer, der Amtsinhaber, auf den Lempert treffen wird. Der erfahrene Mann der Freien Wähler scheint felsenfest auf dem Chefsessel im Landratsamt zu sitzen; grobe Schnitzer sucht man bislang vergeblich. Speer stellt klar, dass er weitermachen möchte. Er müsse sich natürlich erst abstimmen mit den Freien Wählern der Landkreis-Gemeinden, sagt der Unterammergauer. Mit sich ist Speer in dieser Frage aber bereits im Reinen: „Ich will mich wieder zur Verfügung stellen.“ Er habe sich vielen Herausforderungen gegenübergesehen, sagt er mit Blick auf die vergangenen Jahre. Doch für den 60-Jährigen gilt: „Ich mache diese Arbeit gerne.“

Auf Lempert wartet damit ein gewaltiges Massiv. Selbst Dr. Michael Rapp, eines der politischen Schwergewichte, mit denen die CSU in der Vergangenheit in schöner Regelmäßigkeit aufgewartet hatte, war 2014 an Speer gescheitert. Heute ist er Vize-Landrat. Ein erneute Kandidatur, sagt Rapp, sei für ihn „überhaupt kein Thema“ gewesen. Nun soll es Lempert richten, der bislang weder im Gemeinderat noch im Kreistag vertreten war – und dies zum Vorteil erklärt: „Ich bringe frischen Wind und neue Konzepte.“ Dass die CSU – Partei-Vertreter aus dem Isartal und dem eigenen Ortsverband Seehausen stellten Lempert die K-Frage – ihm die Landrats-Kandidatur anträgt, traf den JU-Kreisvorsitzenden „überraschend – ich hätte mir nicht mal angemaßt, darüber nachzudenken. Diese Chance ist natürlich Wahnsinn, eine tolle Geschichte“. Auch für die Jungen in der Partei, meint Lempert. „Da geht ein Ruck durch.“

Er wird den anvisierten Gipfelsturm nicht als Einzelkämpfer schaffen, braucht eine zuverlässige Seilschaft. Entsprechend spricht Lempert viel von einer „gemeinsamen Aufgabe“, vom Team aus erfahrenen und jungen Leuten, mit dem das Projekt gelingen soll; hier werde man noch „einige Überraschungen präsentieren“. Dabei zählt der 30-Jährige, der mit der Familie einen Betrieb für Immobilienverwaltung und -bau führt, besonders auf Rapp und dessen Erfahrung. „Ich brauche seine Unterstützung.“ Er sei „heilfroh“, sagt Lempert, dass der Vorsitzende Rapp, der auch wieder für den Kreistag antreten will, bei der Vorstandswahl der Kreis-CSU erneut kandidiere. Diese soll Anfang Juni über die Bühne gehen, die Aufstellungsversammlung, in der über 100 Delegierte Lempert zum Landrats-Bewerber küren können, zeitnah folgen. Die CSU hat sich in zwei Kreisvorstandssitzungen unter anderem mit dieser Personalie beschäftigt. Konkurrenz tat sich für Lempert in diesem Rahmen nicht auf. Er sieht für sich „eine tolle Ehre, aber eine Mammutaufgabe“.

Der Seehauser tritt für die immer noch stärkste Partei im Kreis an, die allerdings unter anhaltender Schwindsucht leidet. Im Kreistag steht die CSU heute bei 22 Sitzen; 2008 waren es noch 25 Mandate gewesen, 2002 gar 32. Auch in den Gemeinden schwächelt die einstige Polit-Übermacht. Hier sieht Lempert, dem schon von Berufs wegen das Themenfeld Bauen und Wohnen nahesteht, wieder das Team gefragt: „Wir müssen alle zusammenhelfen, damit wir wieder mehr Bürgermeister stellen und die Mehrheit in Gemeinderäten wieder übernehmen.“ Lempert sagt aber auch: Den Abwärtstrend zu stoppen, sei „schon ein Gewinn“.

Rapp vertritt die Meinung, dass „die CSU es sich nicht erlauben kann, ohne Kandidaten anzutreten. Nicht weil man eine Lücke füllen will, sondern weil man eine Alternative hat“. Frage an Lempert: Fühlt er sich als Lückenfüller, quasi vorgeschoben, weil sich kein anderer im Duell mit dem Amtsinhaber verheizen lassen will? Anwort: „Nein. Sonst hätte ich den Job nicht angetreten.“

Lempert möchte hoch hinaus. Als JU-Kreisvorsitzender holte er sich Mitte April Social-Media-Tipps vom Wahlkampf-Team des österreichischen Bundeskanzlers und traf auch persönlich auf Sebastian Kurz. Ums Polit-Bergsteigen ging es wohl nicht bei der Visite in der Alpenrepublik. Lempert vergleicht sein Projekt mit einer Tour auf die Zugspitze – nicht auf den Mount Everest. „Zugspitze“, sagt er, „ist machbar.“

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