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Kulturaustausch: Stephan Märte (l.) und Dolmetscher Fan Zhang zeigen einer chinesischen Staatssekretärin das Werdenfelser-Land-Buch mit einem Grußwort von Landrat Anton Speer. 

Eine Herausforderung - schon vor dem Abflug

Landratsamts-Mitarbeiter reisen nach  China - und erfüllen eine Mission

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Ein schneller Sprung in eine andere Kultur und wieder zurück: Der liegt hinter Stephan Märte und Miriam Lott. Die beiden Landratsamts-Mitarbeiter reisten für sechs Tage nach China, um Wissen im Bereich Naturpädagogik zu vermitteln. Leichter gesagt als getan.

Landkreis – Gebratene Entenzunge, frittierte Hühnerfüße – Miriam Lott und Stephan Märte haben’s gegessen. Sie mit Stäbchen, er mit Messer und Gabel. „Ich war der“, sagt der Jugendamtsleiter, „dem das Besteck hinterhergetragen wurde.“ Ihn verwundert’s auch Wochen später nicht. Denn die beiden waren die einzigen Europäer weit und breit. Mitten in China, mitten in einem Abenteuer – auch jenseits der Kulinarik.

Die zwei Landratsamts-Mitarbeiter hatten im Oktober eine Bildungsmission in dem viertgrößten Land der Welt zu erfüllen. Sie sollten bei einer Art Tagung der Universität in Hangzhou, einer Stadt knapp drei Autostunden von Shanghai entfernt, Aufklärungsarbeit zum Thema Natur-, Wald- und Erlebnispädagogik leisten. Eine Herausforderung, wie sich schon vor der Abreise herausstellte.

Chinesen können nicht googeln

Der Kontakt war über das Bayerische Staatsministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten entstanden, das wegen der Wahlen selbst keine Vertreter entsenden konnte. Schließlich kam die Behörde auf das Landratsamt zu. Garmisch-Partenkirchen kennen die Chinesen, verbinden die Region mit Schloss Neuschwanstein und – wie passend – mit Natur. Nur eigentlich gehört das Thema nicht zu den Spezialgebieten von Märte und seinem Team. Doch wie es das Schicksal wollte, hatte Lott, die normal im allgemeinen Sozialen Dienst tätig ist, eine Zusatzausbildung in Erlebnispädagogik absolviert. Die Sache – geritzt. Bis die beiden im Flieger saßen, mussten aber noch ganz profane Hürden genommen werden.

Die Sprachbarriere bei der Vorbereitung war so eine. Einerseits konnten sich die Chinesen im Internet nicht schlaumachen über Arbeit und Angebot im Landkreis. „Google ist dort gesperrt“, sagt Märte. Andererseits hätten sie die Buchstaben ohnehin nicht entziffern können.

Die zwei deutschen Vertreter bekamen einen Dolmetscher an die Seite gestellt. Schon allein, um den Wissensstand und das gewünschte Programm vor Ort in Erfahrung zu bringen. Ständig änderte sich die Planung. Vom Workshop zum Forum – und wieder zurück. Und wer sind überhaupt die Teilnehmer? „Bis zum Vorabend war alles unklar“, erzählt der Jugendamtsleiter. Lott bereitete sich für alle Eventualitäten vor. Sicher ist sicher.

Lösungen für die großen Umweltprobleme gesucht

Die Chinesen schwärmen nicht grundlos aus und buchen Experten. Sie zapfen Wissen ab, um Lösungen für die großen Umweltprobleme wie Smog, verseuchte Erde und verdrecktes Trinkwasser zu finden. Selbstverschuldete Probleme. Das Reich der Mitte steht in der Liste der Klimasünder weit vorne. Doch Xi Jinping, Chef des sozialistischen Staates, hat sich nun Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben. Schön und gut. Der Haken: „Man stellt fest, dass die Kinder in den Metropolen aufwachsen“, berichtet Märte, „und den Bezug zur Natur verlieren.“

Für sechs Tage und zum ersten Mal ging es für ihn und seine Kollegin nach China, inklusive den jeweils gut Elf-Stunden-Flügen und langen Taxi-Fahrten. Der Kongress dauerte zwei Tage. Märte hielt dort eine Rede mit dem Titel „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Darüber, was in Deutschland passiert ist, dass Umweltpädagogik in Lehrplänen – ob im Kindergarten, der Schule oder der Uni – umgesetzt wird. „Bei uns ist das Thema weiter gefasst“, sagt er. Beinhaltet auch Partizipation und Demokratisierung. Diesen Begriff hat er in Hangzhou bewusst ausgelassen. China wird von einer kommunistischen Partei geführt und zählt zu den autoritären Staatssystemen. Nur im geschützten Rahmen, beim Workshop und beim Abendessen, diskutierten die Studenten und anderen Schulungsteilnehmer darüber.

Zwei Welten

Lott übernahm den Workshop. Vermittelte Theorie, wagte sich aber auch an einen Praxisteil mit Naturmaterialien. „Man weiß ja nicht, ob die das blöd finden und man jemanden mit Körperkontakt abschreckt.“ Schwierig herauszufinden bei den Sprachbarrieren. Doch die Teamübung mit einem Stecken aus Bambus – der wächst in Chinas Wäldern – überwand sie aber die anfängliche Distanz. „Die Begeisterung war sehr groß“, erzählt sie. Teilnehmer aus Taiwan und Singapur kannten die Übung sogar. Passt zum Fazit der beiden: „Man ist dort pädagogisch weiter, als wir gedacht haben“, betont Märte.

Unterschiede gibt’s trotzdem zahlreiche. Wenige spezifische Einrichtungen seien vorhanden – und wenn doch nur private für Reiche. Erst recht fehlt der Kinderschutz oder eine Behörde, die sich damit beschäftigt. „Man kann dort nur zur Polizei gehen.“

Andere Welten. Andere Natur. Märte und Lott zeigten Bilder aus der Heimat, keine geschönten Fotos. Die Chinesen trauten kaum ihren Augen angesichts der Schönheit. „Da merkt man wieder“, sagt Märte, „dass es ein Privileg ist, hier zu leben“.

Ein Stück Heimat ließen sie ihren Gastgebern da: das Geschenk. Ein Buch übers Werdenfelser Land mit einer Grußbotschaft von Landrat Anton Speer. Den lernen die Chinesen vielleicht einmal höchstpersönlich kennen. „Wir rechnen mit Gegenbesuch“, sagt Märte. Eine Anfrage liegt vor. Er kann sich vorstellen, einer Delegation Kindergärten und Jugendherbergen zu zeigen. Und auch das bayerische Essen – mit Besteck.

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