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Letzte Dienstbesprechung: Guido Kamp (l.) genießt im Landratsamt noch einmal den Gedankenaustausch mit seinen Mitarbeitern (ab 2. v. l.) Michael Kleißl, Christine Führler-Wolf und Franziska Klein. 

Ein Intermezzo, das keines war

33 Jahre war er im Landratsamt tätig: Jetzt geht Verwaltungschef Kamp in den Ruhestand

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Der Abschied fällt ihm schwer. Kein Wunder nach 33 Jahren. Guido Kamp verlässt das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen. Mit drei Landräten hat es der Verwaltungschef in seiner Zeit zu tun bekommen.

Garmisch-Partenkirchen – Den Umzugskarton hat er lange Zeit buchstäblich zur Seite geschoben, ihn regelrecht ignoriert. Guido Kamp – seit sechs Tagen 64 Jahre alt – tut sich schwer loszulassen. Zu sehr hat ihn die Zeit im Landratsamt geprägt. „Ich sehe dem Ruhestand mit gemischten Gefühlen entgegen“, gesteht Kamp ohne Umschweife. „Trotzdem weiß ich, dass es richtig ist.“ Heute wird der Verwaltungschef ein letztes Mal sein Büro betreten und vermutlich mit glasigen Augen Abschied von seinen engsten Mitarbeitern nehmen. „Es fällt mir schwer, aber es ist besser zu gehen, solange das Bedauern überwiegt.“ Solche Formulierungen, die punktgenau sitzen, beherrscht der Jurist wie kein anderer. Nicht umsonst wird der gebürtige Westfale als heimlicher Chef der Kreisbehörde bezeichnet.

Warum Kamp letztlich 33 Jahre auf dem ursprünglichen Durchlaufposten Garmisch-Partenkirchen als Verwaltungsjurist tätig war, weiß er selbst nicht so genau. „Geplant war das Ganze ja als Übergangsjob, aber irgendwie bin ich hier hängen geblieben.“ Bereut hat es der glühende Fan von Borussia Dortmund nicht. „Ich hatte nie den Ehrgeiz, um jeden Preis Karriere in München zu machen.“ In der Provinz zu bleiben, sei keine „Lebensstrategie“ gewesen, sondern eher Intuition. Dort arbeiten, wo man sich wohlfühlt, lautet Kamps Maxime.

Europameister Hrubesch konnte er nicht stoppen 

Zur Welt kam er am 24. November 1954 in Hamm. Dort, am Rande des Ruhrgebiets, wächst der Spross des Juristen und Kaufmanns Dr. Rolf Kamp und dessen Gattin Gertrud mit zwei älteren Brüdern auf – bodenständig, westfälisch. Für den einen oder anderen Spaß war der kleine Guido schon zu haben. „Aber ich war kein Revoluzzer, schon eher ein angepasstes Kind.“ Wie die meisten in seinem Alter liebt der Juristen-Sohn Fußball. Als Vorstopper sorgt er in seinem Heimatclub für Ordnung – bis zu dem Tag als es in der 2. Kreisklasse gegen den SC Westtünnen geht. Da schießt der hünenhafte, gegnerische Mittelstürmer fünf Tore. Sein Name: Horst Hrubesch, späterer Europameister und Europapokalsieger.

Die Laune am Sport ist Kamp deswegen keineswegs vergangen. Im Gegenteil: Nach dem Abitur studierte er sogar ein Semester Journalistik. „Ich wollte Sportreporter werden.“ So einer wie Sportschau-Legende Ernst Huberty. Doch irgendwie machten sich bei Kamp die väterlichen Gene bemerkbar. Die Rechtswissenschaften begannen ihn mehr und mehr zu faszinieren, zumal er eine gewisse Grundbegabung dafür verspürte. „Ich konnte einen Sachverhalt schnell erfassen und strukturiert aufarbeiten.“ Nur die Sprache der Juristen hat ihm nicht behagt.

Saulgrubs Bürgermeister wollte Kamp am ersten Tag überlisten

Studiert hat Kamp in München – seiner Herzensstadt. 1972 erlebte er dort mit dem Vater die Olympischen Sommerspiele. „Da habe ich die Liebe zu München entdeckt. Ich wusste, dass ist der ideale Standort.“ Selbstredend verbringt der Westfale nach dem ersten Staatsexamen (1980) in der Isar-Metropole seine Referendarszeit. Nach drei Monaten bei einem Anwalt in Chile und gut einem Jahr in einer Münchner Kanzlei (1983/84) bewirbt er sich beim Freistaat Bayern. Dieser stellt ihn am 1. Januar 1985 ein. Nur dreieinhalb Monate später sucht Landrat Helmut Fischer (CSU) in Garmisch-Partenkirchen auf die Schnelle einen Juristen. Kamp überlegt kurz und sagt zu. „Jeder braucht mal eine Zeit an der Front, bei der er sich die Hörner abstoßen kann“, denkt er sich damals.

Aus diesem Intermezzo sollten 33 Jahre werden. Wie heute kann sich der angehende Pensionär an seinen ersten Tag erinnern. Hans Speer, der Saulgruber Bürgermeister mit der Augenklappe, stand plötzlich in seinem Büro. Dieser legte eine Mappe auf den Tisch und sagte, Kamp müsse nur schnell mal was unterschreiben. „Das habe ich Gott sei Dank nicht getan.“ Kamp zufolge wollte ihm der listige Rathauschef einen Bebauungsplan unterjubeln, mit dem er schon mehrfach durchgefallen war.

Kamp isst Toastbrot mit Lieblings-Emblem

Rasch arbeitet er sich nach oben, seit 2010 firmiert er offiziell als Leiter der Verwaltung. Mit drei Chefs, die unterschiedlicher nicht sein können, hatte es Kamp zu tun – mit dem geschliffenen Juristen Helmut Fischer (bis 2002), mit dem steifen Harald Kühn (bis 2013) und mit dem leutseligen Anton Speer. Dieser lobte gestern im Kreisausschuss die „großartige Arbeit“ seiner loyalen Führungskraft. Die wenigsten wissen, dass Kamp 1992 sogar zum schönsten Mann des Landratsamtes gewählt wurde. Über diesen Titel kann Kamp heute noch schmunzeln. Weniger lustig findet er, dass ihn zuletzt gesundheitliche Probleme plagten. „Ich habe gemerkt, dass meine Kräfte nachlassen.“

Also irgendwie doch Zeit zu gehen und mit seiner Eva, einer Medizinerin, mit der er seit 1991 verheiratet ist, den Lebensabend im Haus in Murnau zu genießen. „Ich werde jetzt mehr Ruhe haben – und das ist gut so.“ Ein wenig möchte er sich seinen Hobbys Geschichte und Politik widmen – und natürlich Borussia Dortmund. Zu seinem 60. Geburtstag hatte er von Landrat Speer einen BVB-Toaster erhalten. Dieses kleine Wunderwerk spuckt das geröstete Weißbrot sogar mit Vereinsemblem aus. Man darf gespannt sein, was der scheidende Chefjurist heute von seinem Vorgesetzten bekommt. 

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