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An dieser Ampel hat sich im April 2013 die Tragödie abgespielt. Das Mädchen und seine Mutter wollten bei Grün die Ampel überqueren, während die Rentnerin, die ebenfalls Grün hatte, rechts in die Parkstraße abbog (aktuelles Bild).

Tragisches Unglück juristisch aufgearbeitet

Kind schwer verletzt: Last des Unfalls wiegt schwer

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Garmisch-Partenkirchen - Der schreckliche Unfall im April 2013, den die kleine Christine schwerst verletzt überlebt hatte, findet kein Nachspiel vor Gericht. Die Rentnerin, die das Mädchen 350 Meter weit mit ihrem Auto mitgeschleift hatte, akzeptiert den Strafbefehl über 3600 Euro.

Am 17. April 2013 begann eine neue Zeitrechnung. An diesem Tag hat sich das Leben der kleinen Christine, die mittlerweile vier Jahre alt ist, und ihrer Mutter Kathrin komplett verändert. Seither befindet sich das Mädchen, das den schrecklichen Unfall an der Kreuzung Von-Brug-/Parkstraße wie durch ein Wunder überlebt hat, in Krankenhäusern und musste bereits unzählige Operationen über sich ergehen lassen (wir berichteten). „Sie ist weiterhin in ärztlicher Behandlung“, betont die Mutter. Mehr will die Garmisch-Partenkirchnerin derzeit nicht über den Gesundheitszustand ihrer Tochter sagen. Christines Schicksal bewegt die Menschen im Landkreis, was auch die zahlreichen Hilfsaktionen belegen, die bereits zu ihren Gunsten stattfanden. Dieser Zuspruch gibt auch ihrer Mutter Kraft. Nicht nur ihr Leben hat das furchtbare Unglück komplett verändert, sondern auch das der Unfallverursacherin ist seit jenem Tag im April ein völlig anderes. Die Rentnerin (77) hatte das Kind, das mit seiner Mutter die Ampel überqueren wollte, beim Rechtsabbiegen erfasst und 350 Meter weit mitgeschleift. „Der Unfall wäre vermeidbar gewesen, sie hätte das Kind sehen müssen“, bezieht sich Florian Gliwitzky, Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, auf das unfallanalytische Gutachten. Dieses habe aber auch ergeben, „dass wir davon ausgehen können, dass sie nur mit zehn Kilometern pro Stunde abgebogen ist“. Zudem habe der Gutachter eingeräumt, betont Ingo Kaus, Rechtsanwalt der älteren Dame, es sei unter den gegebenen Umständen durchaus möglich gewesen, dass sie das Mitschleifen des Kindes nicht bemerkt habe. Genau das war nämlich der Fall. Erst andere Verkehrsteilnehmern war es gelungen, die Fahrerin am Wittelsbacher Park zu stoppen. Eine Untersuchung der Garmisch-Partenkirchnerin habe gezeigt, „dass sie gesundheitlich in einem sehr guten Zustand war, ihre kognitiven Fähigkeiten und ihr Reaktionsvermögen waren bestens. Sie war absolut verkehrstüchtig.“ Dass es trotzdem zu dem schrecklichen Unfall gekommen ist, nennt er „eine tragische Verkettung unglücklicher Umstände“. Vor Gericht muss sich die Rentnerin nicht verantworten, nachdem sie den Strafbefehl, den die Staatsanwaltschaft beantragt hatte, akzeptiert hat und dieser somit Gliwitzky zufolge bereits rechtskräftig ist. 3600 Euro Geldstrafe und drei Monate Fahrverbot verhängte der Richter für die fahrlässige Körperverletzung. „Neben der geringen Geschwindigkeit hat bei der Höhe des Strafmaßes auch die Untersuchung der Frau eine Rolle gespielt“, unterstreicht Gliwitzky. Das heißt weder Alkohol noch andere zentral wirksame Substanzen waren involviert. „Es war ein Unfall mit ganz heftigen Folgen“, sagt der Staatsanwalt. Entscheidend für die Rentnerin ist, dass die kleine Christine bestmöglich versorgt wird. „Sie leidet sehr mit dem Mädchen und seiner Familie“, bestätigt ihr Anwalt. Durch das Ergebnis des unfallanalytischen Gutachtens und den Abschluss des Strafverfahrens ist ihr zwar eine Bürde von der Schulter genommen worden. Die Last, ein kleines Kind so schwer verletzt zu haben, dass es noch viele Jahre unter den Folgen leiden muss, wird sie weiterhin tragen.

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