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Einer von vielen unvergessenen Momenten: Biathlon-Star Laura Dahlmeier präsentiert in Garmisch-Partenkirchen ihre Olympiamedaillen.

Aus is’ und gar is’

Laura Dahlmeier beendet Biathlon-Karriere - ihre Mutter hat‘s geahnt

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Zweifaches Olympia-Gold, sieben Weltmeistertitel, einen Weltcup-Gesamtsieg – Laura Dahlmeier hat im Biathlon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Für weitere Glanzmomente in der Loipe und am Schießstand fehlt ihr die Motivation. 

Garmisch-Partenkirchen – Gewusst hat’s auch Susi Dahlmeier lange Zeit nicht. Höchstens geahnt. „Da war schon so ein Bauchgefühl“, sagt die Garmisch-Partenkirchnerin. Klarheit herrschte erst vor wenigen Tagen. Da teilte Tochter Laura ihren Eltern mit, dass es rum ist mit der Schießerei und Lauferei. Nach zwei Olympiasiegen, sieben Weltmeistertiteln und einem Triumph im Gesamtweltcup fehlt es ihr an Motivation. Im Alter von 25 Jahren beendet der Biathlon-Star seine sportliche Laufbahn. Der Mutter-Instinkt – er ist eben untrüglich.

An die Öffentlichkeit ist Laura Dahlmeier mit ihrem Karriereende am Freitagmittag gegangen. Auf ihren Social-Media-Kanälen teilte sie ein Video, das einer Zeitreise gleicht. Von der kleinen Laura, die erste Erfolge im Juniorenbereich feiert, reicht es über die Weltcup-Premiere bis hin zum Doppel-Gold 2018 in Pyeongchang. Dazu viele Fotos mit Biathlon-Weggefährten wie Tiril Eckhoff und Martin Fourcade. Emotionale Momente einer von Höhepunkten gepflasterten Zeit. Zum Abschluss bedient sich Dahlmeier eines Spruchs vom Monaco Franze: „Aus is’ und gar is’, und schad is’, dass’s wahr is’.“

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Mama Dahlmeier: „Als Leistungssportler bist du sehr unfrei.“

Wenig Wehmut ist bei Mama Susi Dahlmeier ob des Rücktritts zu spüren. Sie betont: „Ich kann Lauras Entscheidung gut verstehen.“ Weiß die frühere Spitzen-Mountainbikerin doch, wie es ist, alles dem Sport unterzuordnen. Training, Wettkampf, Training, Wettkampf – und das immer wieder. Da bleibt vieles auf der Strecke. „Als Leistungssportler bist du sehr unfrei.“ Ihrer großen Leidenschaft, den Bergen, wird Tochter Laura wohl in Zukunft deutlich mehr Zeit widmen. Susi Dahlmeier hofft jedoch, dass sie es nicht gleich übertreibt. „Laura soll in sich hineinhören und sich die Zeit nehmen, die sie braucht.“ Denn die Strapazen der vergangenen Jahre haben an der Biathletin gezehrt. Das zeigten nicht zuletzt die häufigen krankheitsbedingten Ausfälle in der abgelaufenen Saison. „Zum Glück schindet sie ihren Körper in Zukunft nicht mehr ganz so“, sagt Susi Dahlmeier. „Der Sport ist ja teilweise Raubbau an der Gesundheit.“

Einer, der die glorreichen Auftritte von Laura Dahlmeier vermissen wird, ist Michael Maurer. „Ich bin aber sehr froh, dass ich all ihre Erfolge miterleben durfte“, sagt der Vorsitzende des SC Partenkirchen. Gänzlich überrascht ist er vom Entschluss des Aushängeschildes seines Vereins aber nicht. Schon immer hatte er das Gefühl, dass es bei der 25-Jährigen schneller mit dem Leistungssport zu Ende sein könnte, als bei vielen anderen, die teilweise in der Hoffnung auf lukrative Verträge bis über ihren Zenit hinaus an den Start gehen. „Laura ging es nie ums Finanzielle“, sagt er. „Sie weiß, dass das Leben noch deutlich mehr hergibt als Ruhm und Geld – das bewundere ich an ihr.“ Die Ruhe und die persönliche Freiheit, die nun auf sie wartet, habe sie sich verdient. „Immerhin hat sie über ein Jahrzehnt lang alles für den Sport gegeben.“ Maurer freut sich auf gemeinsame Abende in den Berghütten der Region. „Da werden wir uns sicher das eine oder andere Mal über den Weg laufen.“

Dahlmeier: Als Vorbild für den Nachwuchs ein Verlust

Dahlmeiers Weg von Anfang an begleitet hat Bernhard Kröll. Am Biathlonstützpunkt in Kaltenbrunn formte der Trainer das ehrgeizige Talent zu einer der größten Athletinnen der Szene. Er betrachtet ihren Rücktritt mit gemischten Gefühlen. „Aus Trainersicht ist es natürlich sehr schade, dass Laura nicht mehr dabei ist“, sagt er. „Allein schon als Vorbild für unseren Nachwuchs ist das ein absoluter Verlust.“ Die jungen Sportler hätten stets bewundernd zu Dahlmeier aufgeschaut, wenn sie sich in der Heimat auf Wettkämpfe vorbereitete. Aus menschlicher Warte kann Kröll den verhältnismäßig früh gezogenen Schlussstrich aber nachvollziehen. „Laura hat sehr schnell sehr viel erreicht. Da kommt irgendwann der Punkt, an dem du dich fragst, was noch alles kommen soll.“ Bei Magdalena Neuner sei es damals ähnlich gewesen. „Zwischen den beiden gibt es viele Parallelen.“

Mit dem Karriereende hatte Kröll aber erst nach der kommenden Saison gerechnet. „Ich habe gedacht, die WM in Antholz nimmt Laura noch mit.“ Tja. Der Trainer-Instinkt kann mit dem der Mutter eben nicht ganz mithalten. 

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