+
Alle Kräfte mobilisiert: In einem Biathlon-Krimi sichert Schlussläuferin Laura Dahlmeier der Staffel die WM-Goldmedaille.

Dahlmeier im Langlauf früher schneller als die Burschen

Lauras Lauf

  • schließen

Sie sahnt bei den Biathlon-Weltmeisterschaften in Hochfilzen ab wie keine andere: Fünfmal Edelmetall gehört zu Laura Dahlmeiers Ausbeute, darunter viermal Gold und einmal Silber. Doch auch die heutige Spitzensportlerin fing mal klein an. Langsam aber war die Garmisch-Partenkirchnerin noch nie.

Garmisch-Partenkirchen – Oben auf der Bühne steht Magdalena Neuner. Die frischgebackene Junioren-Weltmeisterin wird in ihrem Heimatort Wallgau geehrt. Im Publikum sitzt ein junges Madl zwischen seinem Papa und Langlauf-Trainer. Mit großen Augen verfolgt es die Zeremonie. Ihr Kommentar: „Da will ich auch mal oben stehen.“

Heute, fast genau zehn Jahre später, ist aus dem kleinen Madl eine der erfolgreichsten Biathletinnen geworden: Laura Dahlmeier. Das Aushängeschild des SC Partenkirchen, des Landkreises, des deutschen Damen-Biathlon-Sports. Die aktuelle Gesamtweltcup-Führende hat ihren Wunsch von damals realisiert. Ihre Trophäen- und Medaillensammlung baut sie kontinuierlich aus. Mit Ehrgeiz, Fleiß und Zielstrebigkeit. Seit Freitag gesellt sich das nächste WM-Gold dazu.

Bei den Intervall-Übungen die Buben deklassiert

Hat Dahlmeier eine Profikarriere zugetraut: Konni Winkler vom SC Partenkirchen. 

Winkler erzählt die Geschichte von damals gerne. Weil sie ein gutes Beispiel ist. Dafür, dass Dahlmeier schafft, was sie sich in den Kopf setzt. „Sie ist ein Zamperl, aber unglaublich zach.“ Im Alter zwischen 12 und 15 trainierte die heute 23-Jährige mit dem Mittenwalder Schüler-Langlauf-Coach, der ursprünglich aus Kreuth stammt. Hauptsächlich die klassische Disziplin. Unter seiner Betreuung hat sie die Bayerische Meisterschaft im Sprint gewonnen. Wenn sie ein Rennen bestritt, dann überquerte sie meistens als Erste die Ziellinie. Selbst ihren Trainingskameraden fehlten die nötigen PS. „Sie war immer besser“, erzählt Winkler, der auch David Zobel, Andreas Stengle und Anna Jocher in Form bringt. „Schamt’s Euch net“, hat er immer zu den Buben gesagt. Doch an Dahlmeier kamen sie nicht vorbei. Auch nicht bei von ihr geliebten Intervall-Übungen. „Da hat sie die Buam deklassiert.“

Eltern stehen voll hinter Dahlmeier

Dass die Werdenfelserin den Durchbruch schafft und einmal zur Biathlon-Welt-Elite zählt, das hat Winkler ihr immer zugetraut. „Sie war damals scho a Tier, a Wuide.“ Quirlig, neugierig und technisch top. „Aber auch ein sturer Deifl, mit eigenem Kopf“, sagt er und lacht. Außerdem passt das Umfeld. Ihre Eltern fördern sie seit jeher, geben ihr den nötigen Rückhalt. „Die stehen wie eine Wand dahinter.“ Dahlmeiers Erfolgsmischung.

Doch die Spitzen-Sportlerin legt nicht nur eisernen Willen und Konzentration an den Tag. Die Garmisch-Partenkirchnerin ist von Grund auf talentiert, bestätigt ihr der SCP-Trainer. „Sie hat mit Domratschewa (Darja Domratschewa/Weißrussland; Anm. der Red.) den besten Laufstil.“ Dahlmeier steht ihm zufolge optimal auf den Skiern, ja schwebt fast. Ihr alpiner Vorteil: Denn die Athletin kam vom Skifahren zum Langlauf und zu ihrer Trumpfkarte, dem Biathlon. Den Sport übte sie bereits aus, als Winkler sie unter seine Fittiche nahm. „Sie hat so narrisch früh angefangen, grad dass der Schaft den Boden nicht gestreift hat“, erinnert er sich. „Wir haben immer gesagt, sie macht sich mit dem Schaft eine Spur.“

Biathletin ist bodenständig geblieben

Ihre Karrieresprünge verfolgte der 71-Jährige stets mit. Oft traf er Dahlmeier im Biathlon-Zentrum in Kaltenbrunn. Verbesserungsvorschläge brauchte er ihr nicht mehr unterbreiten. „Sie ist komplett. Perfekt.“ Nur Gutes kommt über seine Lippen. Denkt er an die Leistungen bei der WM in Hochfilzen, stimmt er die nächste Lobeshymne an. „Einfach überragend.“ Den Massenstart am Sonntag, 19. Februar (Beginn 11.30 Uhr), will er live vor Ort mitverfolgen. Falls Dahlmeier läuft. Darauf würde Winkler angesichts ihrer Kreislaufprobleme nicht wetten. Schön fände er es trotzdem. Denn wegen des Deutschlandpokals in Kaltenbrunn konnte er zuletzt nicht mit dem vom SCP gecharterten Fan-Bus mitfahren und musste seine Ehefrau alleine losschicken.

Die schreibt Dahlmeier stets eine Nachricht nach den Rennen. So auch vergangene Woche und erhielt prompt eine Antwort. Sie hat sich nach Winkler und nach den Ergebnissen des Wettbewerbs auf ihrem heimatlichen Trainingsgelände erkundigt. Der Kontakt ist geblieben. „Laura ist bodenständig und nicht abgehoben.“ Und das obwohl sie zu einem der Stars auf der großen Bühne des Biathlon-Sports geworden ist.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auf den Geschmack gekommen
Erbpacht oder Neubau, Dorfladen oder Schnapsbrennerei – oder beides? Wenn es um die Zukunft des Kirchenböbl geht, gibt es viele Planspiele. Eine richtungsweisende …
Auf den Geschmack gekommen
Gratis-Urlaub für 700 Polizisten
Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger lädt G20-geschädigte Beamte zur Erholung ein. Dies war jedoch mit einigen behördlichen Umwegen verbunden. 150 Unterkünfte von …
Gratis-Urlaub für 700 Polizisten
Rückbau der Ortsdurchfahrt Saulgrub billiger als gedacht
Der Sieger steht fest, die Arbeiten sind vergeben, der Rückbau der 1,2 Kilometer langen Ortsdurchfahrt Saulgrub kann starten. Bei den Angeboten gab‘s für die Gemeinde …
Rückbau der Ortsdurchfahrt Saulgrub billiger als gedacht
Bürger auf Streife: Murnauer Ortspolitik diskutiert über Sicherheitswacht 
Vandalismus und Trinkgelage sind ein Ärgernis. In der Murnauer Ortspolitik wird daher die Einführung einer Sicherheitswacht diskutiert.
Bürger auf Streife: Murnauer Ortspolitik diskutiert über Sicherheitswacht 

Kommentare