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Immer wieder sterben Menschen in Lawinen, wie bei einem Unglück im November in Sölden (Foto). Rudi Mair will den Berg sicherer machen. 

Geräusche und Risse in der Schneedecke ernst nehmen

Lawinenwarndienst Tirol: Leiter gibt Tipps für Skifahrer und Tourengeher

Rudi Mair hat in jungen Jahren den Sturz in eine Gletscherspalte überlebt. Das hat ihn geprägt, auch deshalb wurde er Lawinen-Experte und leitet den Lawinenwarndienst Tirol. Er macht den Berg sicherer.

Will die Prognosen weiter verbessern: Rudi Mair.

Garmisch-Partenkirchen –Als Rudi Mair mit 19 Jahren „aus jugendlichem Leichtsinn“ in eine Gletscherspalte stürzte und in 15 Metern Tiefe 18 Stunden lang auf seine Rettung warten musste, hat sich der damalige Medizin-Student geschworen: „Wenn ich hier je lebend wieder herauskomme, dann widme ich mein Leben der Wetterkunde.“ Heute ist der Lawinen-Experte aus Fulpmes im Stubaital Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol und ausgewiesener Experte in Sachen Gletscherkunde.

Zu seinem Vortrag unter dem Titel „Lawine“ im Werdenfelser Hof in Garmisch-Partenkirchen kamen 180 vorwiegend junge und sportbegeistere Leute, die sich Tipps holen wollten, wie sie sich vor Lawinen schützen. „Wir hätten locker wesentlich mehr Karten verkaufen können, der Andrang war riesig“, meinte Andrea Frank-Wanger vom Alpenverein, der die Veranstaltung organisiert hatte. „Herr Mair ist ja ein bekannter und überaus erfahrener Referent und sein erster Besuch hier bei uns hat sich im Ort schnell herumgesprochen.“

Rudi Mair - ein ausgewiesener Lawinen- und Gletscher-Experte und unterhaltsamer Redner

Die Vorschusslorbeeren, die er hatte, waren absolut gerechtfertigt. Mair, der nach dem Ausflug ins Medizinstudium Meteorologie und Glaziologie an der Universität Innsbruck studierte, begeisterte sein Publikum mit original Tiroler Dialekt, einer sympathisch-lockeren Art und vor allem auch mit den vielen interessanten Hinweisen und Details rund um das Thema Lawinen. Zwei Jahre lang arbeitete der Familienvater dreier Kinder als Wissenschaftler für Polar- und Meeresforschung in der Antarktis, bevor der heute 58-Jährige 1990 zum Lawinenwarndienst Tirol wechselte.

In seinem Vortrag ging es um fehlende, schlechte oder ungenügende Tourenplanung, um falsche Tourenziele, die häufig den Wetter- und Schneeverhältnissen nicht angepasst sind. Weil zwei Handvoll immer wiederkehrende Gefahrenmuster für einen Großteil der Lawinenunfälle verantwortlich sind, zählte Mair auf, worauf man besonders achten muss, wenn man sich im Winter in schneeverhangenes Gelände begibt. „Man muss auch auf die Aufbruchs- und Abfahrtszeit vor allem im Frühjahr achten und seine Route entsprechend dem eigenen Leistungsvermögen wählen“, erklärte der Experte.

Lawinen-Experte Mair weist auf häufige Fehler von Skitourengehern hin 

Er verwies auf weitere Fehler wie fehlende Ausrüstung oder ein falsches Sicherheitsgefühl. Auch müsse jeder Skitourengeher oder Skifahrer die Warnungen der Natur wie entsprechende Geräusche oder Risse in der Schneedecke ernst nehmen und darauf achten, dass ein Hang nicht mit zu vielen Menschen übermäßig belastet und die Gruppengröße entsprechend angepasst wird.

„Beim Wintersport steht Sicherheit an oberster Stelle“, erklärte Mair. Um diese zu erhöhen, liefert der Lawinenwarndienst Tirol mit seinen täglichen Prognosen grenzüberschreitend die wichtigsten und aktuellsten Informationen, seit November vergangenen Jahres auch online. „Durch die Prognose am Vortag haben die Wintersportler mehr Zeit, ihre Touren zu planen. Und eine gute Planung ist die Basis für Sicherheit am Berg“, empfiehlt Mair, der nunmehr seit 30 Jahren für die Lawinenprognosen in Tirol verantwortlich ist. Dennoch: Routine kommt bei ihm nicht auf. „Jeder Winter ist ein neues Buch. Und wie einen Krimi muss man es von Anfang bis Ende lesen, ohne ein paar Seiten auszulassen.“

Lawinen-Experte Mair kündigt für diesen Winter an: Gleitschneelawinen werden Dauerproblem

Von November bis April verfolgt der Fachmann für Lawinen täglich das Wetter-Geschehen in der Tiroler Bergwelt, unterstützt von erfahrenen Bergführern und Hüttenwirten. Vier- bis fünfmal die Woche streift Mair mit seinem Team auf Erkundung durchs Gelände, um von Tag zu Tag die Prognose zu erstellen. „Der letztjährige Winter war intensiv und phasenweise heikel und auch im kommenden werden Gleitschneelawinen ein Dauerproblem sein“, prophezeit der Experte.

Erste alarmierende Anzeichen für solche Lawinen seien Risse im Hang, „wann dieser aber tatsächlich abgeht, kann niemand prognostizieren. Das ist eben das Tückische“, fährt Mair fort. Sein Ziel ist, dass die Leute ihren Spaß am Berg haben. „Sie sollen es genießen, aber sicher im Gelände unterwegs sein.“ Dafür möchte Mair die Qualität des Lawinenwarnberichts weiter verbessern, „damit möglichst wenige Leute verschüttet werden“. 

Weitere Infos:

Das Buch „Lawine“ aus der Feder der Tiroler Lawinenexperten Rudi Mair und Patrick Nairz erschien in fünf Sprachen und wurde bereits über 25 000 Mal verkauft. Auf der Internet-Seite lawinen.report gibt es die aktuellen Berichte für Tirol, Südtirol und Trentino in Deutsch, Englisch und Italienisch.

Barbara Falkenberg

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