Ein Leben zwischen Drogenkrieg und Karneval

Garmisch-Partenkirchen/Belo Horizonte - Für ein halbes Jahr gab Monica Lunglhofer ihr komfortables Leben auf, um in einem brasilianischen Slum zu unterrichten. Dort fand sie ihre Berufung und die große Liebe.

Die ersten drei Monate, die Monica Lunglhofer in Brasilien verbrachte, waren allerdings "sehr sehr sehr schlimm", wie die 20-Jährige sagt. Die ärmlichen Verhältnisse, der dort herrschende Krieg der Drogenkartelle und Sprachprobleme machten der Garmisch-Partenkirchnerin schwer zu schaffen.

"Als ich dann auch noch zweimal überfallen wurde, war ich kurz davor, abzubrechen", verrät die Kinderkrankenschwester, die über die Hilfsorganisation "Grupo de Amigos da Criancas" nach Belo Horizonte im Bundesstaat Minas Grais gekommen war. Hier arbeitete sie in einer Kindestagesstätte und unterrichtete die Mädchen und Buben in Deutsch, Englisch und Musik. "Außerdem habe ich unter anderem Erste-Hilfe-Kurse gegeben und die Patenarbeit für die deutsche Partnerorganisation ,Kinderhorizonte' gemacht", beschreibt Lunglhofer ihre Aufgaben.

Bezahlt wurde sie für den "Internationalen Freiwilligendienst" übrigens nicht. Lediglich eine einfache Unterkunft und Essen ("jeden Tag Reis und Bohnen") hat sie von der Hilfsorganisation bekommen. "Mein Lohn war die Dankbarkeit und die Freude der Kinder darüber, etwas lernen zu dürfen", sagt Lunglhofer. Besonders beeindruckt hat die Garmisch-Partenkirchnerin die unbändige Lebensfreunde der Brasilianer, "die zwar nichts haben, aber dennoch glücklich sind".

Doch nicht nur aus diesem Grund plant die junge Frau bereits wenige Tage nach ihrer Rückkehr ins Werdenfelser Land ihre nächste Reise nach Brasilien ­ diesmal für immer. Lunglhofer, die inzwischen fließend Portugiesisch spricht, will sich nämlich auch weiterhin tatkräftig für die Kinder aus den Slums einsetzen, um ihnen durch Bildung die Chance auf eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Ab kommendem Jahr wird sie deshalb als Deutsch- und Englischlehrerin in einem der vielen brasilianischen "Favelas" (Slums) arbeiten.

Während ihres sechmonatigen Freiwilligendienstes am Zuckerhut hat Lunglhofer aber nicht nur ihre Berufung, sondern auch die große Liebe gefunden. Janderson heißt ihr zukünftiger Ehemann, der ebenfalls als Lehrer arbeitet und Trommel- und Tanzunterricht erteilt. Mit ihm zusammen will sich Monica Lunglhofer im fernen Brasilien eine neue Existenz aufbauen.

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