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Erste Siedler aus dem bairischen Raum kultivierten das spätere Werdenfelser Land im sechsten Jahrhundert.

Landesausstellung: Ein gelungener Streifzug durch den „Mythos Bayern“

Lebendige Geschichte: Ortsvereine übertreffen sich beim historischen Festzug

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41 Festwagen, 20 Fuß- und Reitergruppen, 8 Musikkapellen und 5 Trommlerzüge: Rund 1500 Mitwirkende haben am Pfingstsonntag die Historie des Werdenfelser Landes und damit den Mythos des Freistaats zur Begeisterung von 30 000 Zuschauern zum Leben erweckt. Der große Festzug durch Garmisch-Partenkirchen war sicher einer der Höhepunkte der Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“.

Garmisch-Partenkirchen – Im Laufschritt eilen sie herbei. Stellen die lange Leiter auf. Flugs klettern zwei schneidige Feuerwehrmänner hinauf – den Schlauch geschultert. Wasser marsch! Schließlich gilt’s, den vermeintlichen Brand in der Garmischer Fußgängerzone zu löschen. Ein Einsatz, den die historische Feuerwehrgruppe beim großen Festzug mehrfach wiederholt. Unter großem Gelächter der Zuschauer, die logischerweise ein bisserl nass dabei werden. Diesmal trifft’s die Ehrentribüne. Etliche ducken sich schmunzelnd weg, versuchen, dem Wasser zu entgehen. Nur einer nimmt’s völlig gelassen: Abt Barnabas Bögle. Der Hausherr von Kloster Ettal, wo die Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“ läuft, ist bestens vorbereitet. Er spannt seinen großen Regenschirm auf, der Löschversuch wie anno dazumal kann ihm rein gar nichts anhaben.

„Es war mal wieder notwendig, uns – und den Gästen – unsere Geschichte vor Augen zu führen.“ Das sagte 1994 Toni Neidlinger, der damalige Bürgermeister (CSU) von Garmisch-Partenkirchen, nachdem ein gewaltiger Festzug die 700-jährige Geschichte der Grafschaft Werdenfels gefeiert hatte. Fast 25 Jahre später, an diesem Pfingstsonntag wiederholte sich das Spektakel: Mit 41 aufwändig gebauten Festwagen, mit 20 Fuß- und Reitergruppen, 8 Musikkapellen, 5 Trommlerzügen und Fanfaren-Herolden ließen die Ortsvereine aus Garmisch und Partenkirchen samt Mitwirkenden aus Ettal, Grainau, Krün, Wallgau, Mittenwald und Nassereith in Tirol anlässlich der Landesausstellung erneut die Geschichte des Werdenfelser Landes lebendig werden. Und zwar historisch ebenso kenntnisreich wie auch humorgewürzt. Bei glücklicherweise regenfreiem Wetter bewegte sich der rund drei Kilometer lange prächtige Festzug mit etwa 1500 Teilnehmern vor schätzungsweise rund 30 000 begeisterten Zuschauern fast drei Stunden durch Partenkirchen und Garmisch.

Landesausstellung: Historischer Festzug durch Garmisch-Partenkirchen

Der Festzug, den die Mitglieder der Vereine und Zünfte monatelang vorbereitet hatten, wickelte sich ganz korrekt historisch ab. Und zeigte darum nach Vorreitern der Polizei sowie des Volkstrachtenvereins Werdenfelser Heimat bereits zum Auftakt die halbwegs bekannten Anfänge des Landls: Erste Spuren hinterließen die Illyrer, später die Kelten, ehe zur Zeitenwende die Römer kamen. Zu deren Provinz Raetien gehörte der hiesige Raum, weshalb prompt eine Handelsstraße vom Inntal über Mittenwald, Partenkirchen und Murnau nach Augsburg gebaut wurde. Die Germanen rückten heran, die Bajuwaren kultivierten allmählich das Land. Der Zug begann deshalb mit rustikalen Germanenkarren und mühsam pflügenden Menschen, aber auch einem prächtigen römischen Kampfwagen und einer trutzigen Römer-Fußgruppe.

Wie es weiterging bis heute, ist fast logisch: Sowohl die Kirche als auch der Adel und immer mächtiger werdende Familien beherrschten das Land, gründeten das Kloster Ettal, bauten die Burg Werdenfels. Die Bürger hingegen, hierzulande von all den Machthabern relativ milde behandelt, widmeten sich allerlei Gewerben: dem Bergbau, der Holzkohle-Herstellung, der Waffenschmiede, der Bekleidungs- und Bauzubehör-Fertigung, der Land- und Forstwirtschaft. Die Bauern mühten sich im Tal und auf den Almen. Das alles zeigte auch der Zug. Mönche schritten mit ihren Lasttieren einher, eine Kirchenglocke – geliehen in der Garmischer Kriegergedächtniskapelle – läutete. Obermönch Michael (Raubal) teilte mit, dass er alsbald beten werde: „A Gebetbuch hama ja dabei.“ Herzog Otto VII., Erbauer der Burg Werdenfels, ritt samt attraktivem weiblichen Gefolge durch die Straßen. Vermeintliche Hexen wurden erbärmlich schreiend gefoltert. Aufwändige Gruppen führten zum Teil echt funktionierend die Köhlerei vor, ein 15 Meter langes Loisachfloß glitt wie von Geisterhand bewegt durch die Straßen. Bergknappen hämmerten, Künstler bauten Kirchen, schnitzten Altäre. Vor einem genoss der (echte) Garmischer Pfarrer Josef Konitzer Rotwein und ließ die Zuschauer hochleben. Wiesmahd-Leut’ und Schafhalter trieben Vieh und Goaß’, die Weidegenossen zeigten einen Almabtrieb, Brauereiknechte kochten Malz.

„So schwer, wie es damals bei euch war“, meinte der aus Argentinien stammende Zuschauer Daniele Femaro, „ist es zum Teil bei uns noch heute.“ Den Engländer James Gilmore trieb etwas ganz anderes um: „Ein, zwei Bier wären jetzt wirklich recht“, sagte er beim Brauereiwagen. Prompt bekam er eine Halbe gereicht.

Doch auch Katastrophen suchten das Landl heim: neben der Pest vor allem der Marktbrand, der 1865 halb Partenkirchen vernichtete. Feuerwehren wurden gegründet und demonstrierten eindrucksvoll auf die Zuschauer spritzend ihre Leistungskraft. König Ludwig II. baute seine Schlösser, etwa am Schachen. Seine Verkörperung Bernhard Rieger grüßte huldvoll aus dem güldenen Schlitten. Bergführer krönten die Gipfel mit Kreuzen. Schließlich kamen allmählich die Sommerfrischler und Wintersportler, herrlich präsentiert mit einem Riesenmodell das Parkhotels „Alpenhof“ samt erlesener Salonmusik und einer idyllischen Touristengruppe. Schlusspunkt war ein Modell des 1935 erbauten Rathauses.

Wolfgang Kaiser

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