+
Das Levi-Mausoleum, das während der Nazi-Herrschaft zerstört wurde, stammt von dem bekannten Architekten Adolf Hildebrandt.

Dirigent verlässt Garmisch-Partenkirchen

Leichnam von Ehrenbürger wird umgebettet: Das wird Levis letzte Ruhestätte 

  • schließen

Charlotte Knobloch hat entschieden. Der Leichnam von Garmisch-Partenkirchens Ehrenbürger erhält eine neue Ruhestätte auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München. Damit endet wohl auch der Kampf von Anthony Morris, der sich viele Jahre lang dafür einsetzte, dass das Levi-Grab auf dem Riedberg jenen Rahmen bekommt, den es verdient.

Anthony Morris setzt sich seit vielen Jahren für das Levi-Grab ein.

Garmisch-Partenkirchen – In großen und bekannten Orchestern hat Anthony Morris gespielt. Als Hornist blies er einige Jahre im Brucknerorchester Linz und im Orchestra of Kent Opera (Großbritannien), nachdem er in England und in München studiert hatte. In seinen jungen Jahren war er einige Sommer auch im Garmisch-Partenkirchner Kurorchester unter Marcus Hölzl aktiv. Für Auftritte und Tourneen buchten ihn unter anderem die Stuttgarter und die Münchner Philharmoniker sowie die Münchner Symphoniker. Auf all seinen Stationen kam der Engländer, der Garmisch-Partenkirchen zum ersten Mal in den 1970-Jahren besuchte und der heute in Kaltenbrunn lebt, mit Hermann Levi (1839 bis 1900), dem großen jüdischen Dirigenten von Wagner-Opern und Förderer des jungen Richard Strauss, in Kontakt. „Er ist für die Musik eine unheimlich wichtige Figur.“

Nicht nur für die Musik, auch für Morris persönlich. Als er 1992 nach Garmisch-Partenkirchen zog, begab er sich im Markt auf Spurensuche nach dem vergessenen Ehrenbürger und stieß auf dessen Grab, das sich in einem unwürdigen Zustand befand und noch heute befindet. Seitdem kämpft er für Levi. Voll Inbrunst und Leidenschaft. Und gegen Widerstände. Weil er das Mausoleum wieder errichten und das Grab, das sich auf dem Grundstück des ehemaligen FDP-Gemeinderats Ecko Eichler befindet, für die Öffentlichkeit zugänglich machen wollte. „Herr Eichler und ich sind über die Jahre hinweg keine besten Freunde geworden“, sagt Morris (62).

Morris wollte Stiftung gründen

Hermann Levi wurde 1898 Ehrenbürger von Partenkirchen.

Um Levi wieder eine Ruhestätte zu verschaffen, die seinem Wirken entspricht und die seiner würdig ist, hat der Mann, der derzeit als Berater von großen Orchestern arbeitet – zuletzt war er für das Malta Philharmonic Orchestra tätig – alle Kanäle angezapft und seine Kontakte spielen lassen. Prominente Fürsprecher konnte er nach seinen Aussagen für Hermann Levi sensibilisieren – darunter die berühmten Dirigenten Kent Nagano, Sir Simon Rattle, Zubin Metha und Daniel Barenboim –, die sich ideell, aber auch finanziell beteiligen wollten. „Levi muss in Garmisch-Partenkirchen bleiben“, sagt Morris. „Dafür habe ich die ganze Zeit gearbeitet.“ Unterstützung erfuhr er von Alois Schwarzmüller, der die Nazi-Vergangenheit des Orts in zahlreichen Werken beschrieben hat, und von Marktarchivar Franz Wörndle.

Über eine Stiftung wollte Morris Eichler den Teil seines Grundstücks abkaufen, auf dem das Grab liegt. Das belegt Schriftverkehr, den Morris mit dem damaligen Bürgermeister Thomas Schmid – zuerst CSU, dann CSB – führte. Am 6. Februar 2008 teilte Schmid Morris mit, dass Eichler „jetzt damit einverstanden ist, die Gedenkstätte von Hermann Levi an Ihre Stiftung zu verkaufen“. Passiert ist nichts. Allerdings existieren Pläne von 2016, die von Eichler stammen. Sie zeigen einen Gedenkpavillon, der über der Grabstätte errichtet werden sollte. Morris plante, auf dem Grundstück das Mausoleum wieder aufzubauen, das der Architekt Adolf Hildebrandt im Auftrag der Levi-Witwe gebaut hatte. Dafür wollte er die Stiftung gründen.

War alle Mühe umsonst?

Aus alledem ist nichts geworden und wird auch nichts werden. Morris’ Engagement war offenbar umsonst – weil die Umsetzung seiner Pläne zu lange dauerte, weil es für Morris häufig ein Kampf gegen Windmühlenflügel war, den er nicht gewinnen konnte. Das steht seit Donnerstag vergangener Woche fest. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern, hat verfügt, dass Levi seine wirklich letzte Ruhestätte nun auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München findet. „Er erhält dort eine würdige Grabstelle direkt neben dem Grab des bekannten Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer“, sagt Knoblochs Sprecher Richard Volkmann. Seit die Gruft am 16. Mai geöffnet worden war, ist gesichert, dass die sterblichen Überreste Levis sich dort noch befinden. Wann die Umbettung geschehen soll, steht noch nicht fest. „Es gibt keinen Zeitplan.“

Die Nachricht, dass Levi Garmisch-Partenkirchen verlassen wird, „entsetzt mich“, sagt Morris. Aufgeben gibt’s für ihn jedoch nicht. Er setzt weiter alle Hebel in Bewegung, nutzt seine Kontakte. Zuletzt schrieb er einen Brief an Rabbiner Steven E. Langnas, der lange Jahre für die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern arbeitete und der zurzeit Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Religionspädagogik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München ist. Morris glaubt, dass Knobloch nicht die ganze Wahrheit im Fall Levi, dessen Sterbeurkunde ihn als „konfessionslos“ ausweist, kennt. Eine Einschätzung, die teilweise stimmt. Dass das Grab sich seit Jahrzehnten in einem Umfeld befindet, das jeder Beschreibung spottet – viele Anläufe, das zu verbessern, verliefen im Sand – , weiß Charlotte Knobloch nach Auskunft ihres Sprechers tatsächlich erst seit einigen Monaten. „Dieser Umstand war der Präsidentin lange Zeit nicht bekannt. Sie bedauert den Zustand des Grabs; nachdem ihr dieser zur Kenntnis gelangt war, nahm alsbald die Initiative zur Umbettung Gestalt an“, sagt Volkmann.

Ins Bewusstsein der Öffentlichkeit war Levi erst 2012 wieder geraten, als es im Gemeinderat breiter Konsens war, einen Teil der Hindenburgstraße in Hermann-Levi-Straße umzubenennen. Das Vorhaben scheiterte letztlich mit großer Mehrheit durch einen Bürgerentscheid. Derzeit ist im Gespräch, den Kurpark Partenkirchen Levi zu widmen. Was auch im Sinne von Charlotte Knobloch ist. „Die Präsidentin begrüßt diesen Vorschlag ausdrücklich“, teilt Volkmann mit. Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) kann sich auch eine finanzielle Beteiligung des Marktes vorstellen, sollte geplant sein, auf dem Jüdischen Friedhof in München für Levi ein Grabmal zu errichten. „Das ziehen wir in Erwägung.“

Anthony Morris hört indes alle Botschaften, seine Meinung, „dass Levi nach Garmisch-Partenkirchen gehört“, ändern sie nicht.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Touristikerin durch und durch
Das ging schneller als gedacht: Der Markt Murnau hat eine neue Leiterin für die Tourist-Information gefunden. Alexandra Thoni tritt den Posten am 1. Januar 2019 an.
Touristikerin durch und durch
Das Warten geht weiter: Auch 2018 gibt‘s keine Bürgerversammlung in Wallgau
Die Wallgauer warten noch immer. Darauf, dass Rathaus-Chef Hansjörg Zahler (CSU) eine Bürgerversammlung einberuft. Heuer, drei Jahre nach der bisher letzten …
Das Warten geht weiter: Auch 2018 gibt‘s keine Bürgerversammlung in Wallgau
Christkindlmarkt in Mittenwald: Das ist geboten
Er hat ein besonderes Flair mit seinen kleinen Almhütten in den historischen Gassen. Jetzt ist es wieder soweit: Der Christkindlmarkt in Mittenwald eröffnet.
Christkindlmarkt in Mittenwald: Das ist geboten
Einzelhandel: Rathaus-Chef Scheuerer unter Beschuss
Die Debatte über die Nahversorgung in Ohlstadt schlägt hohe Wellen. Nun meldet sich Murnaus Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger, der seit einigen Jahren in dem …
Einzelhandel: Rathaus-Chef Scheuerer unter Beschuss

Kommentare