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1910 wurde der Kreisschlachthof in Garmisch-Partenkirchen eröffnet. Damals war der Beruf des Betriebsleiters überaus angesehen.

Vegetarier haben geschaut, als säße der Teufel unter ihnen

Kreisschlachthofleiter Vollmer geht in den Ruhestand - er hat viel erlebt in 30 Jahren

Stets mit guten Gewissen und mit Leidenschaft hat Dr. Timm Vollmer seinen Beruf ausgeübt. Knapp 30 Jahre lang leitete er den Kreisschlachthof in Garmisch-Partenkirchen - eine für die Region wichtige Einrichtung, sagt er. Weil sie für Qualität steht. 

Nach knapp 30 Jahren als Leiter des Kreisschlachthofs in Garmisch-Partenkirchen geht Dr. Timm Vollmer in den Ruhestand.

Garmisch-Partenkirchen – Golf spielen. Das macht er als Erstes. „Dafür hatte ich bisher zu wenig Zeit“, bedauert Dr. Timm Vollmer. Offiziell ist er noch Leiter des Kreisschlachthofs in Garmisch-Partenkirchen. Doch im Grunde arbeitet er schon seit Mai nicht mehr – er macht nur noch Urlaub. In wenigen Tagen ist auch offiziell Schluss – mit 68 Jahren und nach knapp 30 Jahren im Amt.

Der Weg zum Betriebsleiter des Schlachthofs an der Martinswinkelstraße begann klassisch: mit dem Studium der Tiermedizin in München. Auch die Fleischbeschau stand bei dem gebürtigen Berliner auf dem Lehrplan. Dass er später im Beruf damit täglich zu tun haben würde – damit hat der Student nicht gerechnet. „Ich habe immer im wahrsten Sinne die Nase gerümpft, wenn es an diese Aufgabe ging“, erinnert er sich heute lachend.

Entscheidung fiel innerhalb von fünf Sekunden

Vollmer führte zunächst einige Jahre eine Tierpraxis in Ingolstadt, bevor es ihn ins Loisachtal nach Eschenlohe zog. Ab 1985 arbeitete er als Tierarzt in Garmisch-Partenkirchen. Als ihn der Kämmerer des Landkreises 1987 fragte, ob er Betriebsleiter des Kreisschlachthofs werden wollte, sagte Vollmer „innerhalb von fünf Sekunden“ zu. „Das war damals ein ansehnlicher Beruf mit gutem Verdienst.“ Wenn auch nicht mehr ganz so wie 1910, im Jahr der Gründung. Damals wäre der Eschenloher der zweithöchste Beamte des Landkreises gewesen. So angesehen war der Schlachthofleiter „weit bis in die 1950er Jahre hinein“, sagt Vollmer.

Die Zeiten haben sich geändert. Nicht nur, was das Ansehen des Berufs betrifft. Auch die Essenskultur hat sich gewandelt – weg von fleischlastiger Hausmannskost hin zu ballaststoffreicher Vollwert-Ernährung. Vor zehn Jahren auf Mallorca im Urlaub saß Vollmer mit „überzeugten Vegetariern“ am Tisch. „Die haben mich angesehen, wie wenn der Teufel unter ihnen wäre, als ich ihnen von meinem Beruf erzählte“, sagt er.

Überaus arbeitsintensive erste Jahre

Die ersten Jahre als Kreisschlachthofleiter erlebte Vollmer als überaus arbeitsintensiv. Die Praxis in Garmisch-Partenkirchen gab er nicht gleich auf. In seiner Doppelrolle als amtlicher Tierarzt des Landkreises und Schlachthofleiter musste er im Rahmen der Fleischbeschau zeitweise seine eigene Arbeit kontrollieren. 2007 stellte die Regierung von Oberbayern einen unabhängigen Fleischbeschauer ein. Seitdem hat Vollmer vor allem verwaltende Aufgaben: Er etikettiert Tiere bei der Anlieferung, stellt Rechnungen, kontrolliert Prozesse und sichert so den Qualitätsstandard seines Betriebs.

Seit vier Jahren müssen laut EU-Verordnung Schlachthöfe einen Beauftragten benennen, der im Betrieb zu tierschutzgerechtem Handeln auffordert und die Funktion aller Geräte zur Betäubung der Tiere garantiert. Dieses Amt übernahm Vollmer zusätzlich. „Früher, vor 20 Jahren, hat noch das Wort gegolten, dass alles wie vorgeschrieben abläuft.“ Mittlerweile stehen Vertreter von Veterinäramt und Regierung von Oberbayern regelmäßig in der Tür. Was Vollmer begrüßt: Kontrolle und Regeln seien in diesem Gewerbe essenziell.

Ein Plus-Minus-Null-Geschäft

Die wirtschaftliche Situation des Schlachthofes ist schwierig. „Die Personalkosten steigen seit einigen Jahren“, klagt der 68-Jährige. Gewinn fährt der landkreiseigene Betrieb keinen ein. Vollmer spricht von einem Plus-Minus-Null-Geschäft. „Ich hoffe, dass der Betrieb nicht eines Tages geschlossen wird.“ Er hält ihn für wichtig. Vor allem wegen der besonderen Umstände des Kreisschlachthofs Garmisch-Partenkirchen: Es handelt sich dabei um einen verhältnismäßig kleinen Betrieb. 2012 wurden nur 4800 Tiere verarbeitet. Diese Tatsache birgt zwei Vorteile: Der Anreiseweg für das Vieh bleibt kurz und ermöglicht eine lokale Vermarktung. Die kleine Größe garantiert zudem einen hohen, ethischen wie qualitativen Standard. „Genau aus diesen Gründen habe ich meine Arbeit stets mit gutem Gewissen gemacht.“ 

Martina Baumeister

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