In letzter Sekunde: Polizist rettet sich vor Amok-Fahrer

Wallgau - Er gab Vollgas und steuerte auf einen Polizisten zu. Für diese Amok-Fahrt und weitere Vergehen hat ein 25-jähriger Wallgauer nun eine Bewährungsstrafe und eine Geldbuße kassiert.

Wegen zweier Delikte musste ein junger Wallgauer nun vor dem Amtsgericht in Garmisch-Partenkirchen erscheinen. Zum einen, weil er am 1. Juli 2007 vor einer Hütte einen 24-Jährigen erst gewürgt haben soll, um ihn dann zu Boden zu werfen, wobei das Opfer sich das Schlüsselbein brach. Zum zweiten missfiel Staatsanwalt Lukas Neubeck auch sein Verhalten bei einer Polizeikontrolle am 15. September: Er sei mit Vollgas auf den Polizisten, der ihn anhalten wollte, zugefahren, so dass sich dieser nur durch einen Sprung zur Seite habe retten können. Anschließend habe der junge Wallgauer noch einen Zaun angefahren und dann das Weite gesucht.

Der 25-Jährige zeigte sich vor Richter Paul Georg Pfluger geständig. Das am 1. Juli sei schon vorgefallen, doch erst, nachdem der andere während der Feier gaudihalber mit dem Moped herumgefahren sei und ihn am Fuß getroffen habe: "Das hat mich erzürnt." Den Schlüsselbeinbruch wollte er freilich nicht. Der Grund sei vielleicht ein Stein am Boden gewesen, meinte der Angeklagte.

Völlig harmlos sei auch die geschilderte Polizeikontrolle verlaufen. "Ich dachte Schei..., ich hab' ja was getrunken. Dann fuhr ich am Polizisten vorbei, er ging weg." Ganz so hatte es der Beamte jedoch nicht gesehen: "Er legte den Gang ein und fuhr mit Vollgas auf mich los, ich sprang weg, nur Millimeter entfernt fuhr er an mir vorbei. Es gehört schon einige kriminelle Energie dazu, sowas zu tun." Dabei war der Wallgauer wirklich nicht übermäßig betrunken: Um die 0,8 Promille.

Etwas nachdenklich konnte man werden bei dem, was das Opfer der Attacke als "Nach-Tat-Verhalten" schilderte: Der Täter habe sich nach der Verletzung nicht um ihn gekümmert, erst seine Mutter habe ihn ins Krankenhaus gebracht, wo er zwei Wochen bleiben musste. "Ich bekam danach immer wieder zu hören, ich sei ein Grattler und andere üble Nachreden."

Jetzt sei aus dem Opfer der Täter geworden, konstatierte sein (Nebenkläger-)Anwalt Franz Großhauser, "nur weil er es gewagt hat, Anzeige zu erstatten". Angesichts des komplizierten Schlüsselbeinbruchs war er immerhin zwei Monate krank geschrieben und kann seinen erlernten Beruf derzeit nicht mehr ausüben. Aus nichtigem Anlass sei jedenfalls die erste Tat geschehen, sagte der Staatsanwalt, und auch beim Vollgas-Fahren auf den Polizisten habe das Verhalten des Angeklagten nach der Tat einen "faden Beigeschmack". Sechs Monate auf Bewährung, 2000 Euro Schmerzensgeld und 3000 Euro zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung seien angebracht. Verteidiger Wolfgang Zunterer meinte, die erste Tat sei eher eine fahrlässige Körperverletzung, und immerhin habe sich der Wallgauer im zweiten Fall noch in der Nacht der Polizei gestellt.

Richter Paul Georg Pfluger folgte jedoch dem Antrag des Staatsanwalts und verhängte sechs Monate, zweieinhalb Jahre zur Bewährung ausgesetzt, zwölf Monate Entzug der Fahrerlaubnis, 2000 Euro Schmerzensgeld sowie 2400 zugunsten der "Ärzte ohne Grenzen" wegen eines ganzen Pakets von Straftaten: Vorsätzliche Körperverletzung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

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