+
Zwei, die sich blind verstehen: Lisbeth Frischmann und Franz Porer verkörpern in der „Trutzigen“ am Wank das Geschwister-Paar Babett und Lois Zertinger. 

„Ein schöner Schlussstrich“

Lisbeth Frischmann hört nach 66 Jahren beim Partenkirchner Bauerntheater auf

  • schließen

Ihre Karriere beim Partenkirchner Bauerntheater war lang, ereignisreich und schön. Aber jetzt ist Schluss. Lisbeth Frischmann hört auf. Ein - wahrscheinlich - letztes Mal ist die 82-Jährige in „Die Trutzige“ zu sehen. 

Garmisch-Partenkirchen – Aufhören, wenn’s am schönsten ist. Genau diese Devise verfolgt Lisbeth Frischmann. Deshalb verabschiedet sie sich auch mit dem Stück, dass das Partenkirchner Bauerntheater zu seinem 125-jährigen Bestehen am Fuß des Wanks aufführt, von der Bühne. Nach 66 aktiven Jahren. Leicht ist ihr dieser Schritt nicht gefallen. Das gibt die 82-Jährige unumwunden zu. „Aber ich bin nicht mehr so locker, nicht mehr so flexibel“, räumt die elffache Oma und sechsfache Uroma ein. „Außerdem kann ich mir nicht mehr so viel merken.“ Ihr Publikum soll sie aber in guter Erinnerung behalten, nicht als jemand, der seinen Text vergisst oder nur mühsam vom Stuhl aufkommt. Darauf legt Frischmann verständlicherweise Wert – und zieht deshalb einen Schlussstrich. Eine kleine Hintertür hält sie sich aber offen. Sollte einmal ein Stück auf den Spielplan kommen, in dem eine kleine Rolle zu besetzen ist, stünde sie zur Verfügung. Ihr Herz hängt schließlich am Theater.

Am Anfang sang und plattelte sie noch in den Pausen

Als Schülerin nahm sie ihre erste Rolle an und fing schnell Feuer. Von der jungen bis zur alten Magd, von der feschen Liebhaberin bis zur g’standenen Bäuerin, von der „besseren Dame“ aus nördlichen Gefilden bis zum schwäbelnden Kurgast – Frischmann ist in viele Rollen geschlüpft. In ihren Anfangsjahren plattelte sie auch noch in den Pausen und sang mit Anneliese Grasegger. „Den Leuten hat’s gefallen“, erinnert sie sich. Auch ihr Zitherspiel, vor dem sie oft wesentlich mehr Lampenfieber hatte als vor dem Spielen.

Frischmann erlebte viele alte Charakter-Darsteller und Neueinsteiger auf der Rassen-Bühne. „Freundschaftlich, kameradschaftlich“ beschreibt sie das Miteinander im Ensemble. Einer aus diesen Reihen eroberte schließlich das Herz der temperamentvollen jungen Frau. Günther Frischmann, der später als Spielleiter fungierte, war nicht nur auf der Bühne oft ihr Mann, sondern auch im wirklichen Leben. Sie waren ein eingespieltes Team, das durch einen schweren Schicksalsschlag 1986 jäh auseinandergerissen wurde. Mit 56 Jahren starb Günther Frischmann, mit dem sie drei Töchter hat, an einer heimtückischen Krankheit. „Und ich musste trotzdem weiter spielen“, sagt Lisbeth Frischmann. „Das war sehr hart.“ Plötzlich stand ein anderer an ihrer Seite in Stücken, in denen sie so oft mit ihrem Mann das Publikum zum Lachen gebracht hatte.

Das Theater half ihr über den Verlust hinweg

Dieses Weitermachen, gleich wieder auf die Bühne zu gehen, gab ihr aber auch Kraft. Und half über den Verlust hinweg. Denn neben der Familie und dem Sport war es doch stets das Theater, dem die Leidenschaft der Frischmanns galt. Ihrem Mann verdankt die Garmisch-Partenkirchnerin auch die Rolle in dem Drama „Der Föhn“ – „meine größte Herausforderung“. Nachdem er ihr zutraute, die Sennerin mit dem ledigen, behinderten Buben zu verkörpern, machte sie sich ans Werk. Und lernte erstmals nicht daheim ihren Text, sondern an der Dax-Kapelle am Wank. „Das war der perfekte Platz, da konnte ich mich gut reinfühlen.“

Für Peter Maurer, den aktuellen Spielleiter, ist Frischmann ein echtes Phänomen. „66 Jahre auf der Bühne, das ist in unserer 125-jährigen Geschichte nie da gewesen.“ Zumal Lisbeth Frischmann nicht nur tausende Mal die Zuschauer unterhalten, „sondern auch hinter den Kulissen allen Kollegen unermüdlich geholfen hat“. Dafür wurde sie auch von der Gemeinde mehrfach ausgezeichnet. Mit einem besonderen Stück, der Freilicht-Inszenierung zum Jubiläum, endet nun dieses Engagement. Für Frischmann ist’s „ein schöner Abgang“. Genau so einen hat sie sich gewünscht. 

„Die Trutzige“

ist am Freitag, 4. August, und am Sonntag, 6. August, jeweils um 20 Uhr auf der Freilicht-Bühne am Gasthof Panorama zu sehen. Beide Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Sollten Karten zurückgegeben werden, sind diese ab 19 Uhr an der Abendkasse erhältlich.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Klares Bekenntnis zum Skistadion
8,75 Millionen Euro kostet die Sanierung des Olympia-Skistadions. Das ist nun klar, nachdem die Substanz der historischen Sportstätte gründlich untersucht wurde. Damit …
Klares Bekenntnis zum Skistadion
Grünes Licht für Farchanter Brücken-Neubau
Mit der Erneuerung der Loisach- und Werkskanalbrücke in Farchant geht es vorwärts. Der Gemeinderat hat sich einstimmig für den Neubau ausgesprochen. Schon im Spätherbst …
Grünes Licht für Farchanter Brücken-Neubau
Unfall auf A95: Gaffer folgten Abschleppwagen für Fotos
Auf der A95 bei Penzberg hat sich am Sonntagabend ein schwerer Unfall ereignet. Vier Menschen wurden verletzt. Die Autobahn war längere Zeit gesperrt. Und auch diesmal …
Unfall auf A95: Gaffer folgten Abschleppwagen für Fotos
Landesausstellung: Bayersoien bringt sich mit besonderem Beitrag ein
Eine Zeitreise in die Vergangenheit: Darauf dürfen sich die Besucher während der Landesausstellung in Bad Bayersoien freuen. Das „Museum im Bierlinghaus“ zeigt 2018 …
Landesausstellung: Bayersoien bringt sich mit besonderem Beitrag ein

Kommentare