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Studieren den Bebauungsplan: (v.l.) Johannes Baudrexl, Wilhelm Gruber, Thomas Stimpfle und Robert Klinger.

Bürgerbeteiligung gestartet

Loisachauen Nord: Gewerbegebiet im Wandel - nicht ohne Einwände

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Die Jahre vergehen und die Rechtslage ändert sich. Somit ist der Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Loisachauen Nord nicht mehr aktuell. Eine neue Version wird derzeit entwickelt. Der Entwurf gefällt aber noch nicht jedem.

Garmisch-Partenkirchen – Pünktlich trudeln sie ein, der Große Sitzungssaal im Garmisch-Partenkirchner Rathaus füllt sich. Nicht einmal die Stühle reichen. So viele Bürger sind sonst nicht einmal vor Ort, wenn der Gemeinderat über heiße Themen berät. Beim Gewerbegebiet an den Loisachauen Nord sieht die Situation anders aus.

„Das Interesse am Bebauungsplan ist richtig groß“, sagte Jörg Hahn. Völlig überraschend kam das für den Bauamtsleiter nicht. Denn der Plan wird geändert und an die aktuelle Rechtslage angepasst, weil der alte, der seit etwa 25 Jahren besteht, überholt ist. Das soll aber nicht über die Köpfe der betroffenen Gewerbetreibenden – auf dem Areal sind 19 Betriebe angesiedelt – und der Anwohner des angrenzenden Burgrainer Gebiets passieren. Bei der Versammlung bestand nun die Gelegenheit, Bedenken zu äußern und Argumente für die Stellungnahmen zu sammeln. Diese müssen bis 21. April bei der Gemeinde eingehen. Der Plan werde am Ende anders aussehen als jetzt, versicherte Hahn. Die aktuelle Version des Architekturbüros von Frank Müller-Diesing aus Dießen am Ammersee diene als Diskussionsgrundlage.

Zwei heikle Themen

Das betroffene Areal. 

Der Fachmann weiß seit einem Treffen im vergangenen Jahr genau, wo der Schuh drückt. Vor allem beim Immisionsschutz. Anwohner klagen, dass einzelne ansässige Firmen gegen die Betriebszeiten verstoßen und sie durch Geräuschspitzen bereits am frühen Morgen belästigt werden, schildert Rathaus-Sprecher Florian Nöbauer auf Nachfrage die Problematik. Eine Lösung dafür forderte Hubert Wörmann. Eine, bei der „die Leut’ gut schlafen und die anderen arbeiten können“. Wand oder Wall – beides wäre den Betroffenen recht. Doch dafür ist im Gewerbegebiet zu wenig Platz, und auf der anderen Seite der Loisach, nahe der Wohnbebauung, mache keine der zwei Varianten einen Sinn, erklärte Experte Müller-Diesing und bekam Rückendeckung von Hahn. „Lärmschutz setzt an der Lärmquelle an und nicht am Adressaten.“ Das Immissionsschutzgutachten enthält Vorschläge für praktikable Maßnahmen. Welche letztlich konkretisiert werden, ergebe sich im Laufe des Verfahrens, sagt Nöbauer.

Mit dem Lärmschutz allein ist es aber längst nicht getan. Während das Vorhaben, den Eigentümerweg fortzusetzen, um auf einen Wendehammer verzichten zu können, auf wenig Widerstand stieß, bestand Diskussionsbedarf hinsichtlich des Grünstreifens entlang der Bahnlinie. Der war auf 20 Meter festgesetzt, wurde im Laufe der Jahre allerdings durch die Betriebe zur Lagerfläche umfunktioniert. Einige plädieren deshalb dafür, diesen komplett zu entfernen. Reines Wunschdenken. „Ein Landgewinn war nicht mein Auftrag“, betonte Müller-Diesing. Vielmehr ist vorgesehen, zu den Ursprüngen zurückzukehren. Nur in kleinerer Form. Denn durch den Bau des Bundesstraßenknotens und des Tunnels wurde die Bahntrasse nach Osten verlegt. Die Folge: Der Grüngürtel verringerte sich auf 13 Meter. Diesen weiter zu reduzieren, birgt Probleme. Die Ausgleichsflächenrechnung geht dann nicht mehr auf. Solche Flächen im Außenbereich zu finden, gestalte sich schwierig. „Wir sind abgegrast durch Großprojekte wie den Kramertunnel“, machte Hahn deutlich. Wörmann zeigte sich alles andere als glücklich. „Flächen haben wir doch überall, die kriegen wir schon“, warf er in den Raum. Dass Geeignete gefunden werden können, wollte Hahn nicht leugnen. Nur der Preis dafür ist hoch. Denn die Suche könnte sich hinziehen. Eine heikle Sache.

Genau wegen solcher Konfliktfelder hat die Gemeinde frühzeitig damit begonnen, die Bürger zu beteiligen. „Der neue Bebauungsplan wird nicht übergestülpt“, untermauerte Hahn. Am Ende soll ein Ergebnis vorliegen, „zu dem jeder beigetragen hat“.

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