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Ende einer Zweckgemeinschaft: Martin Schröter (l.) und Dr. Stephan Thiel beenden ihre Zusammenarbeit. 

Grün-Liberale Fraktion aufgekündigt

Schröter und Thiel sind geschiedene Leute

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Die Karten im Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen werden neu gemischt: Dr. Stephan Thiel und Martin Schröter, die die Grün-Liberale Fraktion gebildet haben, gehen in Zukunft getrennte Wege. Doch es deuten sich für beide neue Konstellationen an.

Garmisch-Partenkirchen – Der Schritt ist für viele Beobachter unerwartet gekommen, obwohl es immer wieder mal Gerüchte gegeben hatte, die ihn für möglich hielten. Für den allerdings, den es am meisten betrifft, nicht – nur der Zeitpunkt hat ihn überrascht. Martin Schröter (FDP) hat Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Die Grünen) am Dienstagabend in einen einseitigen Brief die gemeinsame Fraktion im Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen aufgekündigt. Der Liberale und der Grüne sind geschiedene Leute.

Es ist das Ende einer Zweckgemeinschaft von zwei Männern, so verschieden wie Feuer und Wasser. Physiker Thiel (51), bei den Kommunalpolitiker-Kollegen hoch angesehen, weil er sich mit dem Fahrradkonzept und seiner Rolle bei der Leifheit-Stiftung Meriten erworben hat, ist der glatte Gegensatz von Schröter (55), Vize-Botschafter an der deutschen Vertretung in Luxemburg. Dessen Anträge sorgen im Plenum entweder für Erheiterung oder Ärger und enden fast zu 100 Prozent in Abstimmungsniederlagen, obwohl er bei einigen Dingen richtig liegt. Thiels Urteil über den Ex-Fraktionspartner: „Er neigt zum Populismus.“ Schröter will über Thiel nichts Negatives sagen: „Ich denke, wir haben bei einigen Projekten gut zusammengearbeitet. Ich schätze ihn.“ In den vergangenen Monaten hatten sich die Gemeinsamkeiten indes gegen null bewegt. „Ich hätte mir mehr Mitarbeit erwartet“, sagt Thiel. Schröter kontert: „Wir hatten keine Schnittmengen mehr.“ Wie bei einem Ehepaar, das sich nichts mehr zu sagen hat, ist es besser, man macht Schluss, ehe es zum Streit kommt.

Trennung im Einvernehmen

Als neue politische Partnerin von Dr. Stephan Thiel gehandelt: Alexandra Roos-Teitscheid.

Das Ende der Zusammenarbeit ist kein Alleingang von Schröter, sondern eine gemeinsame Entscheidung des FDP-Vorstands und der -Mitglieder in der Marktgemeinde. „Wir haben lange diskutiert und uns dann zu dem Schritt entschlossen“, sagt Schröter. Er wollte den Ausstieg bereits zum 1. Januar 2017 vollziehen, nachdem er seit Sommer mit dem Plan schwanger gegangen war, die Fraktion zu verlassen. Mit seinem Entschluss ist er Thiel nur zuvor gekommen. Auch der Wissenschaftler am Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU) in Garmisch-Partenkirchen trug sich mit dem Gedanken, das Zweckbündnis aufzugeben. „Es hat sich abgezeichnet, dass es nicht mehr lange geht. Allerdings wollten wir uns noch einmal unterhalten, bevor wir uns dazu entscheiden.“ Das ist nicht passiert.

Die politische Arbeit dürfte sich für Thiel und Schröter in Zukunft schwieriger gestalten. Sie verlieren Sitz und Stimme im Finanz-, Bau- und Hauptausschuss (Thiel) sowie im Tourismusausschuss (Schröter). Zudem gehören beide nicht dem wichtigen Gremium Ältestenrat an, in dem die Fraktionssprecher der Gemeinderats-Parteien und die beiden Bürgermeister Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) und Wolfgang Bauer (CSU) eine Art Hinterzimmer-Politik betreiben. „Ohne Ausschüsse und Ältestenrat ist man von wichtigen Informationsquellen abgeschnitten“, meint Thiel.

Wer geht nun zusammen?

Als neuer politischer Partner von Martin Schröter gehandelt: Dr. Christoph Elschenbroich. 

Wer für ihn und Schröter nachrückt, steht noch nicht fest. Meierhofer, die vom Tagblatt vom Ende der Grün-Liberalen Fraktion erfuhr, wurde auf dem falschen Fuß erwischt. „Die Zusammensetzung muss erst neu ausgerechnet werden. So weit sind wir noch nicht.“ Allerdings scheint sicher, dass die freien Sitze nach dem Proporzverfahren nach Hare/Niemeyer vergeben werden – und zwar per Los zwischen der CSU, Thiel, Schröter sowie den beiden parteifreien Dr. Christoph Elschenbroich und Alexandra Roos-Teitscheid.

Vielleicht ist das auch gar nicht nötig, denn es deuten sich neue Konstellationen innerhalb des Gemeinderats an. Aus mehreren Rendezvous könnte eine neue politische Ehe aus Thiel und Roos-Teitscheid entstehen, bis zu ihrem Ausscheiden aus dem CSB dessen Fraktionsvorsitzende. Erste informelle Treffen hatte es bereits im Sommer 2016 gegeben. Die führten allerdings zu keinem Ergebnis, weil dem Vernehmen nach die Wellenlänge zwischen Roos-Teitscheid und Schröter nicht stimmte. „Mit Stephan Thiel, den ich sehr schätze, habe ich mich immer gut verstanden“, sagt die 40-jährige Gymnasial-Lehrerin, die erst vor ein paar Monaten zum dritten Mal Mutter geworden ist. „Ich bin für alles offen“, erklärt Thiel. Dass die beiden schnell den politischen Bund für den Rest der Periode bis März 2020 schließen, bis wieder Kommunalwahlen anstehen, – durchaus möglich. Für Montag, so wird von Insidern behauptet, wollen sich beide bei einer Tasse Kaffee zusammensetzen und besprechen, in welcher Form eine Verbindung Sinn machen würde.

Es gibt auch Spekulationen, dass Schröter, der heuer für den Bundestag kandidiert, nicht lange alleine bleibt. Das Objekt seiner Begierde soll Dr. Christoph Elschenbroich sein. Der Parteifreie, der kurz nach der Wahl bei Bündnis 90/Die Grünen, für die er in den Gemeinderat eingezogen war, austrat, vertritt seine Meinung seitdem als Einzelkämpfer. Er hat im Gremium ein ähnliches Image wie Schröter. Auch diese Zwangsehe brächte für beide Seiten den Vorteil, dass man in die Ausschüsse einziehen könnte. Damit wären die Karten im Gemeinderat neu gemischt.

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