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Macht sich nach seiner Zeit als Stützpunktleiter jetzt selbstständig : Bruno Vogt.

Bundesstützpunkt Alpin in Garmisch-Partenkirchen: Anwander ist zurück

Bruno Vogts Gastspiel endet nach drei Jahren

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Markus Anwander ist zurück. Und Bruno Vogt damit wieder weg. Nach drei Jahren als Leiter am Olympiastützpunkt Garmisch-Partenkirchen räumt er für seinen Vorgänger den Platz. Keiner lässt ihn gerne gehen. Doch um ihn zu halten, fehlt dem Deutschen Skiverband das Geld.

Seine Zeit als Bundestrainer der alpinen Damen ist vorbei: Markus Anwander.

Garmisch-Partenkirchen – Ein bisschen fühlt es sich an wie gar nicht weg gewesen. Der Blick auf die Schanze und den Rasen im Skistadion, der Schreibtisch im ersten Stock ganz hinten. Im Parterre Athleten, die in zu alten und zu engen Räumen trainieren. Nein, viel hat sich nicht verändert in den vergangenen drei Jahren, in denen Markus Anwander als Bundestrainer der deutschen Alpinfrauen an 250 Tagen im Jahr unterwegs war. Er braucht keine Eingewöhnungsphase an seinem alten Arbeitsplatz, kann loslegen. Wird er, verspricht Anwander. Obwohl der 56-Jährige, ginge es nach ihm, noch nicht wieder im Bundesstützpunkt Alpin in Garmisch-Partenkirchen sitzen würde. Erst nach den Olympischen Winterspielen 2018 wollte er zurückkommen. Doch die Verantwortlichen beim Deutschen Skiverband (DSV) um Alpindirektor Wolfgang Maier glaubten nicht an seinen Weg. Anwander musste gehen. Ausgetauscht wegen Erfolglosigkeit.

Anwander hatte Jobgarantie

Immerhin: Der Garmisch-Partenkirchner fällt weich. Der DSV gab ihm eine Jobgarantie. Die Vereinbarung: Nach seiner Trainerzeit kehrt er als Leiter des DSV-Bundesstützpunkts (BSP) zurück, als der er 2014 gegangen war. Von Anfang an war damit klar: Bruno Vogt ist eine Übergangslösung. Nach drei Jahren endet sein Gastspiel.

Anfang März erfuhr Anwander durch Maier von seiner Entlassung als Bundestrainer. Sofort informierte Anwander Vogt – schließlich musste sich der 42-Jährige neu orientieren. Ein Schock, sagt Vogt, war die Nachricht nicht. Nach jedem Winter habe er damit rechnen müssen. Und jetzt – ist es eben so. Das heißt nicht, dass es ihm leicht fällt, die Arbeit aufzugeben. Erstens hat er sie gerne gemacht. Zweitens weiß er nicht genau, was die Zukunft bringt. Denn das Ende beim BSP nutzt er als beruflichen Neuanfang.

In Trainerjob zurückzukehren: Für Vogt keine Option

Als Trainer war Vogt vor der Stützpunkt-Zeit beim Bayerischen Skiverband angestellt – an den DSV war er dann quasi ausgeliehen. In Garmisch-Patenkirchen kümmerte er sich um den heimischen Nachwuchs, intensiv arbeitete er mit der Gruppe um Bastian und Adrian Meisen, Simon Jocher, Frederik Norys und Fabian Gratz. Zu sehen, wie sie sich entwickelt haben – für Vogt ein schönes Gefühl. Dennoch: In den Trainerjob zurückzukehren, in dem er über 100 Tage im Jahr unterwegs ist, kam für ihn nicht in Frage. Er hat zwei Kinder, Jakob und Marlies, vier und zwei Jahre alt. Mit ihnen will er etwas unternehmen, anstatt jedes Winter-Wochenende mit Athleten am Hang zu verbringen. „In der Wertigkeit siegen jetzt einfach andere.“

Weder beim BSV noch beim DSV dürften sie das gerne gehört haben. Vogts Arbeit wird gelobt. Mit ihm saß jemand am Stützpunkt, der nicht nur organisatorische Aufgaben wie die Trainings- und Rennplanung übernahm. Mit ihm bekamen die Athleten einen Physiotherapeuten mitgeliefert. Nach Trainingseinheiten oder Wettkämpfen gingen sie einfach in den ersten Stock. Konnte Vogt es einrichten, behandelte er die Sportler. In diesem Bereich der Betreuung „reißt er eine große Lücke“, sagt Maier. Auch Vogt empfand die Situation als optimal für die Sportler. Eine solche Versorgung würde er sich für sie auch künftig wünschen. Das wird ein Wunsch bleiben.

Vogt als Reha-Trainer „wäre ein sehr guter Mann“

Die Stelle eines Reha-Trainers vor Ort, der Athleten nach einer Verletzung wieder eingliedert, halten Anwander und Maier für wichtig. „Genau den bräuchten wir in unserer verletzungsanfälligen Sportart“, sagt Maier. Einen Therapeuten, der sich mit dem Skifahren auskennt. Der zugleich das Wissen um das richtige Training mitbringt. Einen wie Vogt also. „Er wäre für diese Aufgabe ein sehr guter Mann.“ Hochqualifiziert mit A-Trainerlizenz und bald – zusätzlich zur Physiotherapie – mit abgeschlossener Osteopathie-Ausbildung. Nur: Der DSV kann sich Vogt nicht leisten. „Wir hätten gerne mit ihm weitergearbeitet – aber dafür fehlt uns das Geld“, sagt Maier. Mit etwa 80 000 Euro Kosten im Jahr rechnet er für die Stelle inklusive Übernachtungen. Bei einem ohnehin kleinen Jahresbudget für die Sparte Alpin von 4,8 Millionen Euro über alle Lehrgangsgruppen – Österreich arbeitet mit 17,5, Italien mit 12 Millionen Euro – fehlt der finanzielle Spielraum. Anwander hofft, Vogt zumindest als freien Therapeuten zu gewinnen, den man tageweise pro Einsatz bezahlt.

„Man könnte noch so viel bewegen“

Aktuell konzentriert sich der Oberammergauer ganz auf seine berufliche Zukunft als selbstständiger Osteopath und Physiotherapeut. Auch wenn er sich darauf freut: „Richtig gerne“ hätte er am Stützpunkt weitergearbeitet. Als Reha-Trainer, aber auch als Leiter. „Weil man noch so viel bewegen könnte.“ Nicht nur, was eine – dringend notwendige – bessere Infrastruktur betrifft, sondern auch bezüglich Sponsoren, der Zusammenarbeit mit dem Skigau und anderen Sportarten. Das aber als Übergangslösung auf dem Chefsessel anzupacken, erschien Vogt als wenig sinnvoll. „Ich habe mich mehr auf die Arbeit nach innen konzentriert.“ Als Organisator, Trainer und Helfer, der auch mal beim Auf- und Abbau mit anpackt. Und als Therapeut.

Anwander definiert seine Arbeit anders. Therapie sei nicht Aufgabe des Stützpunktleiters. So gut Vogts Einsatz für die Athleten war – „manches ist dadurch liegen geblieben“. Darum will sich Anwander nun kümmern, will anschieben, damit sich besagte Infrastruktur verbessert. „Voll motiviert“ gehe er die Aufgabe an. Der Frust nach der Ablösung sei verraucht, die Arbeit als Stützpunktleiter keineswegs die Notlösung, für die ihm die Lust fehle. „Dafür brenne ich zu sehr für den Sport, als dass ich meine Zeit hier nur absitze und aus dem Fenster schau’.“

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